Nervosa

Perpetual Chaos

  • Artist: Nervosa
  • Album: Perpetual Chaos
  • Label:
  • Release: 2021-01-22
  • Medium:
  • Bewertung:1-

Die Mädels von Nervosa haben sich neu aufgestellt. Nur noch Gitarristin und Bandgründerin Prika Amaral ist von der Ur-Besetzung übrig geblieben. Ex-Sängerin/Bassistin Fernanda Lira und Ex-Schlagzeugerin Luana Dametto haben die neue Band Crypta gegründet, die gerade ihr Debüt-Album aufnimmt, auf das man ebenfalls gespannt sein darf.

Doch hier soll es um Nervosa gehen. Von drei auf vier Mitglieder angewachsen versprühen die Brasilianerinnen mit ihrem Death-Thrash rohe, ungezähmte Energie wie eh und je. Nach wie vor kommen dem geneigten Genre-Liebhaber beim Hören Vergleiche wie Slayer oder die frühen, rohen Werke von Kreator, Destruction und anderen Thrash-Ikonen in den Sinn. Wie bei den Veteranen-Vorbildern wird nicht lange gefackelt und es gibt ab der ersten Sekunde von Album Nummer vier mit dem Titel „Perpetual Chaos“ (Napalm Records) voll auf die Zwölf. Die offensichtlichste Veränderung ist natürlich die Dame am Mikrofon, die sich etwas klischeebeladen Diva Satanica nennt. Man mag über den ermüdenden
Okkult-Touch denken was man will, die Diva versteht ihr Geschäft jedenfalls. Irgendwo zwischen thrashigen Shouts, schwarzem Gekeife und Todesgrowls ist der Gesang angesiedelt. Mit dem besten aus jedem Stil und immer richtig schön angepisst.

Bei den Texten kein Wunder. Es geht um keine Elfen und Prinzessinen, sondern um Umweltverschmutzung, Gier nach Macht, Manipulation und Korruption in der Politik. Alles Themen, die in der brasilanischen Heimat der Frauen nochmals deutlich präsenter sind als in Europa. Songtitel wie „Kings of Domination“, „Time to Fight“, „Rebel Soul“ oder „Under Ruins“ sprechen eine unmißverständliche Sprache der Kritik an politischen und wirtschaftlichen Eliten.

Nach dem Album-Auftakt „Venomous“, dessen Riffs an die guten alten Slayer erinnert, lässt die Diva mit „Guided by Evil“ ihre Stimmbänder von der Leine. „People of the Abyss“ knüppelt noch gnadenloser auf das Nervenkostüm des geneigten Hörers ein. Der Titeltrack an vierter Stelle hat einen saugeilen Groove. „Genocidal Command“ ist eine echte Thrash-Hymne für die headbang-und-Refrain-mitgröhl-Fraktion, Großartig. Auch bei allen weiteren Tracks geben die Ladies Vollgas, schaffen es aber dazu noch, mit kleinen Variationen bei Songstruktur, Tempo oder Akzentiuierung der Songs die Zuhörer absolut bei der Schwermetall-Stange zu halten. Ein cooles Beispiel dafür ist „Rebel Soul“, das neben Punk-Rock-Touch auf Anabolika den Gesang mit mehrstimmigen Abschnitten und einer Messerspitze NWOBHM abschmeckt. Der Song klingt, als wären bei Judas Priest nach einer Verjüngskur ein paar mies gelaunte Thrash-Girls in Leder eingestiegen. Hammer.

Wer die frühen, rohen Zeiten des Thrash Metal von vor beinahe 40 Jahren vermisst, findet bei „Perpetual Chaos“ schwermetallischen Trost. Nervosas Stil steht mehr als je zuvor ganz zentral in der Tradition ihrer großen Vorbilder. Die sind inzwischen alte Herren und dürfen trotz aller soliden Arbeit der letzten zehn Jahre den vier Brasilianerinnen beeindruckt zumoshen! So geht fuchsteufelswilder, wütender Death Thrash im Jahr 2021. Abwechslungsreich ist das Album darüber hinaus auch noch.

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Nervosa bei Napalm Records (Label)

DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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