Pensen Paletti (Das Pack) – „Komm, wir nehmen jetzt das grüne Shirt!“

Kaum jemanden darf man ungestraft „Monster“ oder „Pack“ nennen. Bei Pensen Paletti ist das anders: Als Mitglied der „Monsters of Liedermaching“ und Frontmann von „Das Pack“ (und als Solo-Künstler) ist er seit vielen Jahren musikalisch sehr aktiv und es gibt wohl kaum einen Club in Deutschland, den er noch nicht bespielt hat. Wir telefonieren mit Pensen zwei Wochen vorm Release des neuen Albums von Das Pack, „Die Kernseife der Medaille“, und treffen auf einen auskunftsfreudigen Künstler mit sympathischer Hamburger Schnauze.

Hallo Pensen, Grüße nach Hamburg und erstmal Glückwunsch zum neuen Album, das ich sehr gelungen finde!

Ja, danke! Das freut mich sehr zu hören!

Du bist mit den Monsters of Liedermaching, Solo mit Bumm-Gitarre und als Das Pack aktiv. Kannst du unseren Lesern vielleicht mal erklären, wie sich deine Aktivitäten zeitlich bei dir einteilen?

Ja, das ist eigentlich immer so, wenn das eine nicht ist, dann ist das andere (lacht). Mit den Monsters feiern wir nächstes Jahr schon 20-jähriges Jubiläum, und da haben wir natürlich auch so einen gewissen Tour-Turnus, da sind wir immer im Frühjahr und im November auf Tour. Mit Das Pack fahre ich dann viel im Oktober oder Dezember. Bumm ist dann immer mal zwischendurch, ist ja nicht so oft wie jetzt Monsters oder Das Pack. Also, man kriegt das hin, es ist aber auch ganz viel Rumgegurke. Das ist ja auch das Schöne daran, man freut sich doch, auf Tour zu sein!

 

Ich höre raus, dass Bumm etwas zurückgestellt ist, aber Das Pack und die Monsters ungefähr zu gleichen Teilen aufgeteilt ist?

Nicht zurückgestellt vom Herzen her! Es ist einfach so, dass ich mit den Monsters und Das Pack das schon ganz schön lange mache, mit Bumm dagegen, das ist so ein bisschen mein ganz eigenes Feld, wo ich die beiden Welten miteinander verbinde.

Du hast das neue Album mit den Kollegen Zoran „Zorro“ Grujovski (Bass) und Markus „Onkel“ Lingner eingespielt, auf der Bühne stehst du aber mit zwei anderen Musikern – zumindest aktuell. Kannst du beschreiben, wie Das Pack, was ja eigentlich mal als Duo gestartet ist, als Konstrukt funktioniert?

Wir sind tatsächlich auch als Trio damals gestartet, dann wurde es relativ zügig und relativ lange ein Duo, dann wurde es ein anderes Duo, dann ein bisschen hier, ein bisschen da. Es ist also so, dass Das Pack quasi seit fünf bis sechs Jahren … irgendwie ist das eine längere Geschichte, wenn Du sie hören willst?

Gerne, ich habe die Zeit, wenn Du sie hast!

Ich bin vom Typ her eher so romantisch eingestellt, am liebsten hätte ich mit der Band, mit der ich mit 13 oder 14 gestartet bin, irgendwann die Welt erobert. Von daher ist mir eine feste Besetzung in meiner Idee einer Band schon ganz wichtig. Nun ist es so, dass es sich bei Das Pack irgendwann anders entwickelt hat, es kommt ja auch noch dieses Leben dazu … wie das eben so ist in Beziehungen. Manche Sachen klappen länger, manche irgendwie dann doch nicht.

Ich habe auch eigentlich immer sehr viel Herzblut und sehr viel Energie in den Zusammenhalt der Truppe gesteckt, aber irgendwann, etwa 2018, hat sich der Pack-Kreis ein bisschen vergrößert. Jetzt entspanne ich mich, will gar nicht so sehr festhalten an dieser einen Besetzung, man macht das jetzt ein bisschen freier.

Also eine Truppe fürs Studio und eine für die Bühne?

Die Platte habe ich mit Onkel und Zorro aufgenommen, die beiden sind aber auch viel unterwegs mit den verschiedensten Sache. Wir sind ja alle nicht mehr 19, wo man nach der Schule nichts anderes zu tun hatte. Dann hat sich alles so entwickelt, dass ich mit Phillip Steven Albright und Benno Kupsa jetzt in dieser Trio-Geschichte unterwegs bin, und dass sich das sehr gut anfühlt, dass keiner sich jetzt irgendwie verkrampft, und dass es jetzt so unbedingt sein muss. Ich muss aber sagen, dass die Besetzung, die wir jetzt haben, sich zumindest so anfühlt, dass man denkt, das hat Potenzial, lange zu bestehen!

 

Bei den Monsters seid ihr ja im Grunde genommen sechs Frontmänner – und wie das mit dieser Spezies so ist, sind sechs Egos unterwegs. Das bewundere immer wieder bei Euch, wo andere Bands schon an einem Frontmann-Ego scheitern. Brauchst du dafür Das Pack, wo Du der Chef bist, oder wie würdest Du das erklären?

Wie kann man das einsortieren? Es hat sich tatsächlich eher ein bisschen dahin gewandelt, weil ich das letzte Gründungsmitglied bin, vielleicht ein bisschen mehr nach außen als nach innen. Es ist nicht so, dass ich das für mein Ego irgendwie bräuchte, dass ich jetzt hier die Ansagen mache. Das Geile an einer Band ist ja, dass man Sachen teilt, die Energie und Mucke, und dann kracht es auch erst so richtig schön, wenn man zusammen Dinge tut und Sachen zusammen durchleben kann.

Zuviel Demokratie ist bei vielen Bands aber auch oft das Ende, oder?

Manchmal ist es so in einem Bandkonstrukt, dann ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn einer – so wie das in den letzten paar Jahren ich war – die Entscheidungsgewalt hat. Am Ende diskutiert man: „Nehmen wir das rote oder das grüne T-Shirt?“ Dann muss einer sagen: „Komm, wir nehmen jetzt das grüne Shirt!“, damit man mal weiterkommt.

Die Platte „Die Kernseife der Medaille“ ist insgesamt ziemlich gitarrenlastig, mit den unterschiedlichsten musikalischen Ausrichtungen. Bei „Mein Schwein pfeift“ musste ich so ein bisschen an die Comedian Harmonists denken, „Sei nicht so“ hätte mit anderer Instrumentierung vielleicht auch in einer Schlager- oder Volksmusiksendung laufen können. Aber eigentlich immer so eine Mischung aus Punk und Heavy Metal – wie würdest Du Eure Musik beschreiben?

Ach, da es ja teilweise so viele unterschiedliche Musikrichtungen in sich sind, ist es natürlich nicht so ganz leicht. Es ist eher so ein bisschen auf die Zwölf und natürlich irgendwie mit dem Pfiff an Emotion, und irgendwie so, dass es Geballer gibt … also, das ist so schwer zu beschreiben … es ist kein reiner Punkrock, aber auch kein Metal, da ist ja auch viel Popkram drin. Es kommt so aus mir raus, und ich kontrolliere das jetzt nicht aus Gründen, oder denke, das ist dann besonders witzig, wenn es dann besonders crazy ist – in erster Linie soll es uns selber einfach antörnen!

Die Monsters sind nur mit Akustikgitarren und Das Pack mit lauten Stromgitarren unterwegs – bist Du selber eher der wilde Rocker oder eher der ruhige Liedermacher?

Es war schon immer so, dass diese beiden Hälften in meinem Herz pochen, mit dem leiseren Akustik-Kram – gut, ich meine die Monsters ballern hier und da ja auch ganz schön! Ich habe auch mit Akustikgitarre angefangen, so als kleiner Butscher mit neun oder zehn, dann kam natürlich relativ schnell die E-Gitarre dazu, ich habe aber das Akustikgitarre spielen nie aufgegeben. Als Kind habe ich über meine Eltern, die jede Menge Liedermacher-Kram im Plattenschrank hatten, Degenhardt, Hannes Wader oder Roski kennengelernt. Das ist eine Ecke, in der ich mich auch zu Hause fühle. Wenn ich nur eines von beiden machen dürfte, würde mir auf jeden Fall was fehlen. Aber so ist es genau richtig!

Kommen wir zu einem Text, bei dem ich etwas gestutzt habe: Bei „Ein Toast“ meine ich eine Rolf-Zuckowski-Anleihe („Alle Deine Freunde freuen sich mit Dir!“) rausgehört zu haben – ist das richtig, und wenn ja, wie kam es dazu?

Ach was? Also, das höre ich zum ersten Mal (lacht, denkt nach und singt den Zuckowski-Text halblaut ins Telefon) … also, auf gar keinen Fall ist das bewusst! Abgefahren, dass Du das rausgefunden hast!

Rolf Zuckowski ist ja auch Liedermacher – für die ganz Kleinen…

Ja, der hat sogar in meinem Dorf-Kindergarten gespielt, als ich irgendwie vier oder so war. Das muss also aus dem ganz tiefen Unterbewusstsein gekommen sein, höre ich wirklich zum ersten Mal und finde es tierisch!

 

Das Album ist in den zweieinhalb Jahren Corona entstanden, die erste Single kam schon Weihnachten ´21 – musstet Ihr den Release wegen Corona verschieben oder wie lief die Produktion?

Die Schlagzeugaufnahmen sind noch so zwei Wochen vor Corona entstanden, und dann kam der Lockdown und mit Homeschooling und so, da zog sich das alles in die Länge. Dazu dann noch der ganze Vorlauf, dann ist zwischen der ersten Single und jetzt dem Release ein gutes halbes Jahr dazwischen. Vielleicht hätte es auch früher fertig werden können, in einer normalen Welt ohne Pandemie – die Kompositionen waren auf jeden Fall zu 98% schon vor Corona fertig.

Die Kollegen von Jupiter Jones und Jeremy Days haben Konzerte und ganze Tourneen abgesagt und dabei mit offenen Karten gespielt, dass es wegen der schleppende Ticket-Verkäufe finanziell nicht machbar sei. Wie schätzt du die derzeitige Situation und die zukünftige im kommenden Jahr ein?

Ich glaube, dass diese jetzige Situation, wenn wir mal davon ausgehen, dass das coronamäßig nicht wieder schlimmer wird, auf jeden Fall mindestens so abgefahren ist wie im Jahr davor. Natürlich macht jetzt wieder alles auf, alle Bands spielen und alle Leute haben doch irgendwie drei bis fünf Karten aus den letzten zwei Jahren zu Hause an der Pinnwand. Es ist natürlich einfach krass, ich meine, wer soll da überall hingehen? Ich hoffe, dass sich das in einem Jahr oder so wieder zurechtruckelt.

Wie hast du den Aufbruch denn erlebt? Ab etwa April liefen die ersten Shows wieder an. War das erstmal so vorsichtig gucken oder der absolute Befreiungsschlag: Hurra, wir können wieder losfahren!

Wir haben tatsächlich mit den Monsters letzten November auch eine Tour gehabt. Da war so ein kurzes Fenster, wo zufällig unsere Tour ging, die auch schon zweimal verschoben war. Daher hatten wir da schon das Gefühl, und das war natürlich schon derbe, als man merkte, wie sehr das auch vermisst wurde, einfach mal einen schönen Abend zu haben. Trotzdem ist es dann auch noch nicht so ganz in Freiheit gewesen, mit Maske im Gang und so weiter. Wir waren natürlich noch ein bisschen befangen, es schwappte aber schon eher die Freude über, dass es endlich wieder losgehen konnte.

Jeder weiß, dass das Konzept Album eigentlich tot ist, insbesondere das Geld bringende Geschäft mit physischen Tonträgern. Was motiviert Dich trotzdem, Platten aufzunehmen, zu vermarkten und nicht nur so lose Tracks bei Spotify reinzustellen?

Das ist halt noch so ein bisschen alte-Schule-mäßig! Ich habe natürlich auch mitgekriegt, dass man das auch machen kann, aber irgendwie finde ich schon noch, dass dieser Gedanke von einem Album für mich so eine runde Musik-Angelegenheit ist. Das ist auch ein Stück Künstlertum, das dann in einem steckt. Aber die Sache, einzelne Lieder mal so rausbringen, ist für mich auf jeden Fall nicht mehr so abwegig, wie es vielleicht mal war. Wir haben das letzte halbe Jahr auch sechs Singles rausgebracht und jetzt kommt quasi nur noch der Rest mit dem Album.

Wie wird das neue Album denn in die das Tour-Programm eingebunden?

Das wird sehr schön eingebunden! Wir haben eine wunderbare Doppelklatsche mit Le Fly und werden uns mit den Jungs den Abend teilen. Von den neuen Songs werden auf jeden Fall die Singles geballert, aber ich sag mal so: die Klassiker werden nicht fehlen!

Wie ist das Verhältnis zu Deinem ehemaligen Bandkollegen Flozze, habt Ihr heute noch Kontakt und wenn ja, wie beurteilt er seine ehemalige Band als nun Außenstehender?

Wenn wir uns sehen, dann freut man sich, das ist auch irgendwie nett, man hat ja auch eine gemeinsame Vergangenheit. Aber ist es jetzt nicht so eng, dass ich das jetzt wüsste. Er war auch nicht ständig auf unseren Konzerten – jeder macht sein Ding. Wenn man sich sieht, trinkt man fröhlich ein Getränk, aber das war es dann auch.

Lieber Pensen, vielen Dank für das Gespräch! Ich wünsche viel Erfolg beim Release und bei der anstehenden Tour – vor allen Dingen, dass sie stattfinden kann! Wir sehen uns hoffentlich bei einem der Konzerte!

Ich danke für das Gespräch und wir hören uns!

https://www.youtube.com/watch?v=UsCO4G3pLI8

 

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Fotocredit: off. Pressematerial Bandhomepage/Zoran Zorro Grujovski

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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