Paul McCartney

Paul McCartney – Die Biografie (aktualisierte Neuauflage)

  • Artist: Paul McCartney
  • Album: Paul McCartney – Die Biografie (aktualisierte Neuauflage)
  • Label: Hannibal Verlag
  • Release: 2017-03-17
  • Medium:
  • Bewertung:1-

Der ehemalige New York Times-Schreiber Peter Ames Carlin machte sich in den letzten Jahren als Bestseller-Biograf einiger der wichtigsten Rockmusiker einen Namen. Speziell seine 2012 veröffentlichte Biografie von Bruce Springsteen landete weltweit in den Bestsellerlisten – und schaffte es, ein greifbareres und detaillierteres Bild des Musikers zu zeichnen als dessen im letzten Jahr veröffentlichte Autobiographie. Drei Jahre zuvor hatte er bereits eine umfassende Biografie von Paul McCartney veröffentlicht, die nun in einer aktualisierten Auflage in deutscher Übersetzung vorliegt.

Wer sich mit McCartneys Musik beschäftigt, wird natürlich Vieles vorher bereits gehört haben. Die Kindheit in ärmlichen Verhältnissen, der Tod der Mutter, das Band zwischen ihm und John Lennon, die Beatles in Hamburg, Beatlemania, Jane Asher, Apple, Paul is dead!, John und Yoko, Paul und Linda, Wings, Johns Tod, Elvis Costello, Heather Mills und die Folgen… all diese Stationen werden natürlich auch hier abgehandelt. Auch wenn man diese Geschichten schon mehrfach gehört hat, sie gehören einfach in Pauls Biografie und werden auch dank Carlins unterhaltsamen Stils und Kommentaren von Zeitgenossen aus bisweilen unerwarteter Perspektive lebendig gemacht. Doch auch weniger in die Folklore eingegangene Events wie die frühen Hauskonzerte der Familie McCartney, die das Musikverständnis des jungen Paul nachhaltig prägten, seine Zeit als Untermieter der Familie Asher oder das Meeting der Beatles mit Elvis werden aufbereitet und bieten auch Fans einen Anreiz. Carlin bedient sich eines ungewohnt prosaischen Schreibstils, so daß man gelegentlich eher das Gefühl hat, einen Roman über die Ereignisse zu lesen als eine sachlich-kühle Biografie traditioneller Art.

Carlin beleuchtet auch deutlich, daß John Lennon vielleicht der Boss der Beatles gewesen sein mag, musikalisch allerdings bereits seit Quarrymen-Tagen Paul das Zepter fest in der Hand hielt und auch dafür verantwortlich war, die Drei-Akkord-Muster der frühen Tage aufzubrechen, was die rüde Cavern Club-Rock’n’Roll-Combo zunächst zum Pop-Phänmen machte und schließlich in progressive Alben wie „Revolver“ und „Sgt. Pepper“ mündete. Gleichzeitig aber wird immer wieder deutlich gemacht, wie wichtig der anarchische Geist Lennons für das musikalische Genie McCartneys war, selbst lange nachdem sie nicht mehr zusammenarbeiteten. Schade nur, daß mit dem Ende der Beatles bereits zwei Drittel des Buches vorbei sind und somit die Karriere danach eher im Schnelldurchgang abgehandelt wird. So wird beispielsweise Pauls Wings-Kreativpartner Denny Laine, mit dem er sich ja später auch vor Gericht stritt, fast vollkommen unter den Tisch gekehrt, auch das soziale Engagement des Musikers speziell in seiner Heimatstadt Liverpool wird nur als Randnotiz erwähnt. Das entspricht zwar dem roten Faden des Buches, demnach sich Paul McCartney nie komplett aus dem Schatten der Beatles gelöst habe, aber nicht notwendigerweise der Realität des Musikers, der neben den Beatles-Werken 36 eigene Studioalben aufgenommen hat.

Carlins Bücher – außer Springsteen und McCartney hat er sich auch noch Brian Wilson und erst im letzten Jahr Paul Simon gewidmet – haben allesamt die gleichen Pros und Contras zu bieten. Im Vergleich zu anderen offiziell authorisierten Biografien schafft es Carlin, die Heldenverehrung und Bauchpinselei auf ein Minimum zu beschränken. So werden hier neben seinen positiven Eigenschaften auch Paul McCartneys Kontrollzwang, seine Schwierigkeiten im Umgang mit Kritik und seine Selbstzweifel thematisiert, ohne dabei unsachlich zu werden und schmutzige Wäsche auszugraben. Der erwähnte prosaische Stil wirkt höchst fluffig und lesefreundlich, agiert gelegentlich aber auch stark am Rande des Pathos.

Das Update des Buches wurde von Übersetzer Alan Tepper geschrieben und ist im Gegensatz zum Rest eher eine knappe, wertfreie Faktensammlung zu Pauls Aktivitäten der letzten sieben Jahre. Wer die Erstauflage des Buches also bereits besitzt, braucht deshalb hier nicht unbedingt erneut zuzugreifen. Aber so oder so, auch trotz einiger erwähnter Schwächen ist „Paul McCartney – Die Biografie“ das bislang wohl gelungenste und vielschichtigste Buch über den Musiker und Menschen Paul McCartney und somit ein Standardwerk für alle, die sich für das Werk des Briten interessieren.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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