Deaf Wish

Pain

  • Artist: Deaf Wish
  • Album: Pain
  • Label: Sub Pop
  • Release: 2015-08-07
  • Medium:
  • Bewertung:2

Ja, können denn taube Ohren weh tun? Deaf Wish haben da vermutlich eine einschneidende Erfahrung gemacht und sich entschlossen, ihr Sub Pop-Debüt nichts als dem Schmerz, dem Schmerz, und nochmal dem Schmerz zu widmen. Autsch! Etwas von dem ganzen Lärm, so könnte man meinen, muss selbst den taubsten Gehörgang durchdringen, notwendigenfalls gar den Umweg über die Knochen nehmen. Und ja, verdammt: Es würde sich lohnen!

Schon der Starter ‚The Whip‘ scheint in seiner gnadenlosen Monotonie Michael Gira und seinen Swans huldigen zu wollen, erweist sich dann allerdings nicht als Teil eines roten Fadens. Das Erfolgsgeheimnis des Vierers aus Melbourne ist denkbar unkompliziert: Einfach müsse es sein. Und laut. Viel Hack-, wenig Reißbrett. Was es bei anderen Band nicht mal mehr in die Outtakes schafft, wird bei Deaf Wish schon mal zum schöpferischen Tragpfeiler. Da wird gedroschen, bis der Müller frei hat und gebrüllt, wie einem die Tröte gewachsen ist. Und immer klingt es irgendwie anders. Es ist schon eine Kunst für sich, jegliche Harmonie auf so lange Sicht so weit zum umschiffen. Mehr noch aber ist es eine Kunst, sich genauso selbstverständlich von diesen Mustern zu lösen, kurze, kaum zweiminütige Song-Launen auf die vielfache Länge auszurollen, wenn wirklich mal ein bisschen mehr als zwei Akkorde auf dem Spiel stehen sollten.

Für Abwechslung im Getöse sorgt die Arbeitsteilung am Mikro, wo wirklich jeder mal Station machen darf. Das Resultat ist eine abwechslungsreiche Mischung aus schlichtem Geschreie, bluesiger Nölerei, Sprechpassagen und – man glaubt es kaum – zaghaften Versuchen von Klargesang. Es gibt nämlich auch Momente, da klingen Deaf Wish wirklich, als wollten sie Musik machen. ‚Sunset’s Fool‘ zum Beispiel. ‚On‘. Allen voran aber ‚Calypso‘, ein klangliches Erschöpfungsbad am Albumende, mit dem nicht im Entferntesten zu rechnen gewesen war. Und je öfter man diese Platte hört, umso klarer wird, wie wenig es sich lohnt und wie kurzsichtig es eigentlich ist, sich Lautem zu verschließen. Tut auch gar nicht weh. Echt jetzt.

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