OCEANICA – Touren ist Zeitverschwendung

Nach seinem Ausstieg bei Enochian Theory im Jahr 2017 hat Ben Harris-Hayes das Soloprojekt Oceanica gegründet. Mit „One Dark“ (Progressive Gears) ist mittlerweile der erste Longplayer erschienen, der von Größen wie Bruce Dickinson oder Steven Wilson geschätzt wird. Im Interview spricht Ben Harris-Hayes über die Unterschiede zu seiner ehemaligen Band, das Besondere an Oceanica und darüber, was die Zukunft bringen wird.

 Sowohl Enochian Theory als auch Oceanica sind musikalisch im Progressive Metal anzusiedeln. Dennoch besteht für Ben Harris-Hayes ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Bands. In seinem Soloprojekt besitzt er eine größere Freiheit, die an der Vielfältigkeit von „One Dark“ abzulesen ist. Vorher hätte er

„nie die Chance gehabt, Songs wie ‚The Rose Abloom‘ oder ‚Got A Feeling‘ umzusetzen“.

Dies ist auch einer der Gründe, weshalb es zur Trennung von Enochian Theory gekommen ist. Seine musikalische Ausrichtung habe einfach nicht mehr der seiner ehemaligen Bandkollegen entsprochen. Dennoch überwiege der Stolz auf das, was sie zusammen erreicht haben. Nach Jahren der musikalischen Abstinenz gibt ihm die neue Freiheit bei Oceanica wieder ein „positives und glückliches“ Gefühl:

„Es ist schön wieder Musik zu schreiben und zu veröffentlichen. Und dies einzig aus der eigenen Freude und dem eigenen inneren Antrieb sich selbst zu verwirklichen.“

„One Dark“ – Ein echtes Soloalbum

Der Prozess des Schreibens und des Aufnehmens der Lieder habe bei ihm auch zu einer inneren und seelischen Reinigung, einer Art „Katharsis“ geführt, wie er es bezeichnet. Besonders hebt Ben Harris-Hayes hervor, dass es ihm mittlerweile sehr wichtig sei, nicht mehr auf die Erwartungen anderer achten zu müssen und alle Freiheiten zu haben. Dies sei mit Oceanica der Fall. Deswegen ist er auch sehr stolz darauf, dass es sich bei „One Dark“ um ein „wahres Soloalbum handelt“. Denn

„viele andere Künstler veröffentlichen Soloalben, haben aber eine Menge Gastmusiker dabei, die Instrumente spielen, die sie selbst nicht spielen können. In solchen Fällen ist das Soloalbum zwar selbst geschrieben worden, aber dennoch bringen Gastmusiker auch immer eigenen Input mit in die Aufnahmen. Aber ist dies dann noch ein Soloalbum?“,

stellt Ben Harris-Hayes fragend in den Raum. Damit er wirklich jeden einzelnen Ton selbst einspielen konnte, hat er

„alle Instrumente, auch die, die ich lange Jahre nicht gespielt habe, nochmal über zwei Jahre hinweg erlernt.“

Angesprochen auf das ungewöhnliche Ende des Albums, bei dem als Spoken-Word-Intro das Gedicht „The Entangled Roots Of…“ als vorletzter Track den Instrumental-Song „The Oblivion Tree“ einleitet, sagt er, dass er die Kombination aus Spoken-Word-Intro und Instrumental-Stück für normal hält.

„The Entangled Roots Of…“ gehe dabei auf seine gute Freundin Zoe Nolan zurück. Diese habe das Video zu „The Oblivion Tree“ gedreht und dafür das Gedicht geschrieben: „Zoe schrieb das Gedicht und stellte es an den Beginn des Videos. Ich hatte gar keine andere Wahl, als das Gedicht auf das Album zu nehmen, da es so wunderbar funktioniert. Ich mag es wirklich sehr, wenn zwei kreative Köpfe sich treffen, ohne dass sie sich dafür tatsächlich begegnet sind und letztlich etwas erschaffen haben, auf das sie beide sehr stolz sind.“

Zukunftspläne, aber keine Live-Auftritte

Konkrete Pläne, das Projekt Oceanica gemeinsam mit anderen Musikern auf die Bühne zu bringen und die Songs live zu spielen, sind allerdings nicht vorhanden.

„Dies würde eine große Menge Organisationsaufwand für eine volle Band und die Buchungen der Shows bedeuten, ohne dass garantiert ist, dass es kein finanzielles Verlustgeschäft wird.“ Außerdem stellt sich Ben Harris-Hayes sein Leben mittlerweile anders vor, als auf Tour zu gehen. Für ihn sind diese Zeiten vorbei: „Touren kann sehr anstrengend sein und ist auch eine psychische Belastung. Jeden Abend 30 bis 45 Minuten auf der Bühne zu stehen ist auf Tour das einzige, was du zu tun hast. Der Rest ist reisen, konsumieren und Zeit verschwenden.“

Viel wichtiger ist es ihm, die Zeit sinnvoll zu nutzen und für Familie und Freunde da zu sein:

„Die Zeit verfliegt wie ein Wimpernschlag und Teile meiner Familie und Freunde sind bereits verstorben.“

Doch auch ohne Konzerte hat Ben Harris-Hayes bereits Ideen, wie es mit Oceanica weitergehen kann. Er schmiedet bereits Pläne für ein zweites und drittes Album.

„Ich möchte gar nicht zu viel darüber sagen, wie die nächsten beiden Alben werden können, da ich auf meinen Reisen sehr viel lerne und sich meine Sicht auf die Welt dadurch verändert. Ich arbeite viel mit anderen Künstlern oder in anderen Projekten, helfe diesen bei der Produktion, beim Mischen und Mastern, damit sie ein gutes Produkt erhalten. Und bei jedem neuen Projekt lerne auch ich dazu.“

Deshalb wird Oceanica trotz des Debüts im Progressive-Metal-Stil nicht auf eine bestimmte Musikrichtung festgelegt sein, zumal

„ich ein sehr gutes Label habe, dass mich sehr unterstützt und bei dem ich keinen Druck verspüre, nach bestimmten Vorgaben arbeiten zu müssen. Wenn ich ein Album mit Ethnic/World-Instrumenten machen möchte, dann ist das so. Vielleicht setze ich aber auch meinen ursprünglichen Plan um und mache ein Akustik- oder Ambient-Album.“

Der Kreativität scheinen bei Oceanica also keine Grenzen gesetzt zu sein, sodass die Stilrichtung Progressive-Metal nicht nur Etikette ist, sondern zukünftig Überraschungen bringen wird.

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Dominik

Groß geworden mit Punkrock und Power-Metal, weiterentwickelt mit Alternative und Thrash-Metal, erwachsen geworden mit ein bisschen Progressive-Metal. Und dennoch bleiben die All-Time-Favorites klassisch: Bad Religion, Die Toten Hosen, Machine Head, Iron Maiden, Blind Guardian, Faith No More.... und aus unerfindlichen Gründen mit einer heimlichen Zuneigung zu J.B.O. 

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