Harvest

Northern Wind

Harvest aus Barcelona bestehen sei 2008 und bringen Freunden progressiver Rockmusik-Klänge mit „Northern Wind“ ihr drittes Album. Selbst bezeichnet das Quintett ihren Stil als Post-Prog, was naheliegend scheint – vieles erinnert an Prog, vieles hebt sich aber auch von dem ab, was man klassischerweise als Progressive Rock versteht. Man könnte es auch als melancholischen und Keyboardlastigen, intelligenten Pop-Rock bezeichnen. Nicht unähnlich den letzten beiden Anathema-Alben, nicht zuletzt wegen der holländischen Sängerin Monique van der Kolk, die den Songs eine Nähe zu den Anathema-Songs beschert, in denen Lee Douglas‘ Stimme im Vordergrund steht. Van der Kolk prägt den Sound der Katalanen und kostet ihn zumindest größtenteils einiges an Rock-Attitüde.

Das Album startet mit dem knapp zehnminütigen ‚It All Becomes Clearer‘, einem tanzbaren Beat zu Keyboard-Klängen und einer wimmernden Gitarre. Die Produktion ist kristallklar und für den Geschmack des Einen oder Anderen vielleicht etwas konturlos – sie passt aber gut zum Sound der Band. Danach bietet die Platte ruhigen, fast medidativen Poprock mit sanftem, melancholischem Gesang – wie der Titelsong ‚Northern Wind‘, der zudem einen kleinen folkigen Einschlag hat. ‚Sending Signals‘ streut Electro-Spuren über den so gestalteten Song, ‚Under The April Sky‘ arbeitet mit einem stimmigen Crescendo, um etwas mehr Leben rein zu bringen. Mein persönliches Highlight ist ‚Rush‘. Der Name ist Programm, obwohl der Titel ebenfalls mit sphärisch verfremdetem Gesang beginnt, dann aber ganz groß aufläuft. Der Song schafft es als einziger auf dem Album, ein ECHTES Rock-Feeling zu erschaffen. Verzerrte Gitarre mit langen Solos machen den Unterschied, diese halten sich auf dem Rest des Album für meinen Geschmack für ein Rock-Album zu sehr im Hintergrund. Was schade ist, denn mit der wunderbaren Stimme von van der Kolk erschaffen die E-Gitarren eine viel interessantere Dynamik als mit dem überwiegend seichten Keyboard-Geplätscher. Sicherlich bietet dieses Album aber für Freunde ruhiger bis sehr ruhiger, keyboardlastiger Prog-Musik eine wunderbare Stimmung, große Gefühle und reife musikalische Leistungen, allen voran die sehr gefühlvolle Sopran-Stimme von Monique van der Kolk. Den exklusiven Vertrieb der physischen Musik übernehmen einmal mehr die geschmackssicheren Nordlichter von Just for Kicks Music.

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