Noise&Flowers

Es gibt wohl nur wenige Künstler, die die Musikwelt in den vergangenen 50 Jahren dermaßen beeinflusst haben, wie Neil Young es getan hat. Nicht umsonst wurden und werden seine Songs von hochrangigen Kollegen wie The Pretenders, Nick Cave oder Johnny Cash als Hommage gespielt. Am wirkungsvollsten sind sie jedoch zweifellos, wenn sie von ihm selbst vorgetragen werden.

2019 war ein schwieriges Jahr für Herrn Young. Sein langjähriger Manager und Freund Elliot Roberts verstarb nur wenige Wochen vor der lange geplanten Europa-Tournee mit seiner Begleit-Truppe „Promise Of The Real“. Diese fand trotzdem statt und jeder Abend der Konzertreise wurde dem Verstorbenen gewidmet. Nun, drei Jahre später, gibt den Mitschnitt der Tour unter dem Titel „Noise&Flowers“.

Bei den ersten Klängen schüttelt es einen für Sekunden, denn unweigerlich glaubt man, das typische Eröffnungs-Riff von „(I Can´t Get No) Satisfaction“ der Rolling Stones zu hören und sich im Plattenregal vergriffen zu haben. Doch nach wenigen Takten von „Mr Soul“, wird ein typischer Young-Klassiker daraus, mit wilden Gitarren und einem lauten, beinahe aggressivem Gesang. Dass er „Satisfaction“ als Vorlage benutzt und mit einer Abwandlung etwas Eigenes daraus gemacht hat, hat der Künstler übrigens mehrfach in Interviews bestätigt.

Etwas ruhiger wird nach einem rockigen Einstieg bei „Everybody Knows This Is Everywhere“, während bei „Helpless“ und „Field Of Opportunity“ die akustischen Gitarren und die Mundharmonika im Vordergrund stehen und Neil seine folkige Seite zeigt. In der Folge dominieren aber erst einmal wieder die E-Klampfen und der typische Sound, der ihm die Bezeichnung „Godfather Of Grunge“ eingebracht hat. Besonders deutlich wird das zur Halbzeit, denn da gibt es seinen größten Hit „Rockin´ In The Free World“, der -noch einmal zurück zum Thema Huldigung- bis heute regelmäßig Pearl-Jam-Konzerte beendet. In der zweiten Hälfte gibt es einen Mix aus ruhigeren und akustischen Weisen („From Hank To Hendrix“), Country-Nummern („Are You Ready For Country“) und zum Abschluss bei „Fuckin´ Up“ noch einmal den wütenden Young.

„Noise&Flowers“ ist alles, aber kein ruhiges Alterswerk aus dem Abklingbecken. Manche werden vielleicht einige der großen Gassenhauer vermissen, aber die gibt es ja bereits auf seinen zahlreichen anderen Mitschnitten zur Genüge. Im Gegenteil: Gerade wegen der teilweise selten zu hörenden Tracks („On The Beach“ erstmals seit 35 Jahren im Band-Arrangement gespielt!) ist das Album für alle Anhänger des Kanadiers ein absoluter Zwangskauf.

Apropos Kauf: Young hat vor einiger Zeit seine Lieder von einigen Streaming-Diensten (u.a. dem großen Anbieter aus Schweden) abgezogen. Wer die Platte (und seine anderen Scheiben) hören will, muss tatsächlich einen echten Tonträger kaufen, einen anderen Anbieter wählen oder ein Abo auf seiner Archiv-Webseite abschließen.

 

Note 1-

Neil Young Archive

 

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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