Jadis

No Fear Of Looking Down

Manchmal hat man als Rezensent eine echt undankbare Aufgabe. Zum Beispiel, wenn die eigentlich sehr geschätzten Jadis ein neues Album veröffentlichen, das musikalisch eigentlich gar nicht mal so verkehrt ist, aber offen gesagt einfach grottig mies produziert.

Gerade im Prog-Bereich ist eine transparente, dynamische Produktion eben eine schlichte Grundvoraussetzung. Und gerade, wenn es sich um altgediente Veteranen wie Gary Chandler (v/gtr), Martin Orford (keys) und Steve Christey (dr) handelt, darf man durchaus hohe Ansprüche haben. Die kann „No Fear Of Looking Down“ in Sachen Songwriting perfekt befriedigen, egal, ob Poppiges wie ‚A Thousand Staring Eyes‘, bei der Chandlers Verehrung für Crowded House einmal mehr deutlich wird, Pink Floyd-mäßiges wie ‚Abandoned‘ oder das mit Drumloops und John Carpenter-Synthies ausgestattete klassische Neoprog-Stück ‚Just Let It Happen‘, die Melodien und Arrangements sind durchweg gelungen. Umso nervtötender, daß das Album klingt, als sei es anno 1997 im Magix Musik Maker zusammengestückelt worden. Die Drums klingen pappig und kraftlos, die Gitarrensounds derart synthetisch, daß man Chandler am liebsten mal eine nach 2000 erschienen Amp-Simulationssoftware schenken möchte und der Endmix schafft es konsequenterweise auch nicht, aus dem grenzwertigen Grundstoff ein geschlossenes Ganzes zu bilden. Sowas ist 2016, wo schon jede Nachwuchsband mit einem Stangenwaren-PC qualitativ exzellente Demos aufnimmt, einfach nicht mehr zu entschuldigen. Schließlich zahlt der Fan für dieses Album den selben Kurs wie, sagen wir mal, die letzten Scheiben der – ebenfalls nicht unbedingt mit Millionenbudgets arbeitenden – Big Big Train, und da liegen einfach Welten dazwischen.

Wirklich, wirklich schade um das verschenkte Potenzial. Aufgrund der guten Songs kann ich eine knappe 3 durchaus noch rechtfertigen, hätten Jadis einen vernünftigen Produzenten engagiert oder meinetwegen auch selbst kompetentere Arbeit abgeliefert, würde hier aber eher eine 2+ stehen.

Zu beziehen ist das Album bei den Kollegen von Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.