Defecto

Nemesis

Moderner Metal. Das klingt häufig bemüht, Metal ist vor allem Emotion und Emotion ist häufig Nostalgie. Erinnerungen an die Metalbands, mit denen man aufgewachsen ist, prägen den Geschmack der meisten Metalheads. Zudem: WAS soll das überhaupt sein, moderner Metal? Man könnte vermutlich lange und ziellos über diese Frage debattieren. Oder ein gelungenes Beispiel anführen. So wie Defecto aus Kopenhagen in Dänemark. 2012 gewann das metallische Quartett bereits ein Jahr nach seiner Gründung einen wichtigen, nationalen Untergrund-Musikpreis, 2016 kam das Debüt, Supportauftritte für Bands wie Metallica und Rammstein und weitere Preise. Nun liegt der zweite Longplayer der Herren um Leitwolf und Leadsänger Nicklas Sonne vor.

Modern ist die knapp einstündige Scheibe „Nemesis“ vor allem in zweierlei Hinsicht: Der Sound der Produktion ist fett, ohne die manchmal vorhandene „Hochglanzpolitur“, die einem Metal-Album auch ganz schnell Kantigkeit und Charakter kosten kann. Hier hat Produzent Flemming Rasmussen (Metallica, Blind Guardian) ganze Arbeit geleistet. Vor allem sind die Jungs aber insofern modern, dass sie weder die x-te Kopie klassischer Metalbands sind, noch dass sie das Rad krampfhaft neu erfinden wollen. Die Mischung macht es bei diesem Album aus, und die ist stilistisch vielseitig und der Mix innovativ. Die vier Jungs flirten mit proggig-symphonischen Keyboards, es gibt tonnenweise coole Melodien, Riffs, Hooklines und akkustische Zwischenspiele und das Spektrum des Gesangs ist ebenso breit wie die Stimme von Sonne beeindruckend. Sein Repertoire reicht von Powermetal über Thrash von Opernfeeling bis zu gelegentlichen Todesgrowls. In jedem Fall ist Sonne ein kompletter Sänger mit viel Charakter in seinen goldenen Stimmbändern. Hier kann der aufgeschlossene Metalhead nichts verkehrt machen, dieses Album macht einfach Spass.

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