MOTHER OF MILLIONS – Artefakte und giftige Ideologien

Die griechischen Alternative-Metaller Mother Of Millions sind in der Musikszene ihrer Heimat bereits eine große Nummer. Hierzulande hingegen ist das 2008 gegründete Quintett noch ein Geheimtipp, der aber besonders Fans von Soen, A Perfect Circle oder Karnivool unbedingt ans Herz gelegt werden kann. Gitarrist Kostas Konstantinidis hat sich freundlicherweise Zeit genommen, um uns ein paar Fragen zum exzellenten Album „Artifacts“ und der Vorgeschichte der Band zu beantworten.

WS: Kannst Du unseren Lesern vielleicht gerade kurz die Vorgeschichte zu „Artifacts“ zusammenfassen?

Kostas: Unser erstes Album „Human“ erschien 2014, und das war ein erster Versuch, die Dynamik der Mother Of Millions-Mannschaft zu erkunden. Dieser Prozess führte zu unserem zweiten Album „Sigma“, mit dem wir unsere eigene Identität etabliert haben. Ich denke, „Artifacts“ ist der nächste Schritt auf dem Weg, den wir mit „Sigma“ geebnet haben.

WS: Das neue Album scheint weniger metal-lastig zu sein als die Vorgänger und eine fast schon „cineastische“ Note zu haben. War das von Anfang an geplant oder eher Zufall?

Kostas: Naja, wir planen eigentlich nie voraus, wir sagen auch nicht, „das Album muss so ode so klingen“. Während der Vorproduktion klang „Artifacts“ auch noch weit aggressiver, aber das Atmosphärische hat sich dann durchgesetzt, als die Songs ihre endgültige Form annahmen. Es ist definitiv düsterer und vermutlich auch ein wenig komplexer als „Sigma“ ausgefallen.

WS: Überraschend auch, dass Ihr den Song ‚Nema‘ (ein pianogetragenes Instrumental, Anm.d.Red.) für ein Video ausgewählt habt…

Kostas: Nun, das Album hat eine Menge Einflüsse außerhalb der Rock- und Metal-Grenzen. Wir werden zu jedem Song ein Video drehen, aber wir haben das Video zu ‚Nema‘ ganz bewusst vorab veröffentlicht, weil wir deutlich machen wollten, welche Breite an Emotionen von „Artifacts“ zu erwarten sind.

WS: Du hast diese Frage bestimmt schon oft beantwortet, aber ich muss sie trotzdem stellen: wieso habt Ihr Eure Band nach einer Giftpflanze benannt, die komplette Landstriche verwüsten kann?

Kostas: Sie ist giftig und vermehrt sich rasend schnell, so übernimmt sie ganze Felder innerhalb kürzester Zeit. Wenn Du diese beiden Eigenschaften als Metapher auf unsere Gesellschaft und Ideologien anwendest, erhältst Du ein interessantes und vielschichtiges Konzept, viele gute wie schlechte Dinge passieren im Namen einer Ideologie, wenn sie sich verbreitet. Wir waren uns alle sofort einig, als wir den Bandnamen zum ersten Mal laut ausgesprochen hatten.

WS: Ihr seid in den letzten Jahren unaufhörlich auf Tour gewesen, auch als Vorgruppe diverser großer Namen. Habt Ihr eine „bucket list“-Band, mit der ihr gerne mal auftreten würdet?

Kostas: Wenn man ein Festival aus den Lieblingsbands eines jeden unserer fünf Mitglieder zusammenstellen würden, wäre das Ergebnis ganz schön abgefahren! Es gibt also aktuell wohl keine gemeinsame „bucket list“, auf die wir uns alle einigen können. Wenn aber reine Fiktion erlaubt ist, dann das klassische, vollständige Line-Up von Pink Floyd!

WS: Klischeehafterweise denkt man bei der griechischen Hartwurst-Musikszene eher an Extrem- und Düster-Metal-Bands wie bespielsweise Rotting Christ. Wie sieht es in Griechenland aber für progressivere Bands aus?

Kostas: Ja, Bands wie Rotting Christ oder Septicflesh sind natürlich legendär und respektiert. Es gibt auch noch eine Heavy-Rock-Szene mit Bands wie Planet Of Zeus und 1000mods, aber es entwickelt sich so langsam auch eine aufstrebende progressivere Bewegung, und immer mehr Griechen folgen ihr. Eure Leser sollten auf jeden Fall einmal Bands wie Poem, Need, Playgrounded und We Own The Sky auschecken – es gibt aber noch viele andere aufstrebende griechische Bands!

WS: Hast Du noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Kostas: Ja, wir planen nämlich gerade eine massive Tour für den Herbst 2019, und ich hoffe, viele von Euch da zu treffen! Gruß aus Athen – rise and evolve!

Foto: Head Of PR

Vielen Dank an Manuel Berger von Head Of PR für’s Organisieren des Interviews!

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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