MONOBO SON – Weil ein Miteinander einfach besser ist

Wir haben uns mit Sänger und Posaunist Manuel Winbeck über das Bandgefühl von Monobo Son unterhalten, und wie sie ihren Livesound eigentlich so definieren. Wie es um die Sehnsucht nach der Bühne bestellt ist oder wie man damit umgeht, wenn immer mehr Lieder auf die Bühne wollen und sich keines hinten anstellen möchte. Natürlich wollten wir auch wissen wie das Leben als frischgebackene Labelbosse, die sie mittlerweile sind, so ist und warum ein direkter Austausch so manche Probleme verpuffen lassen würde.

Für das Artwork seid ihr in die Rolle der Marvel-Superhelden geschlüpft, passend zu „SuperSonic“. Wie kam es zu dem Albumtitel – und warum Marvel und nicht Sonic?

Der Albumtitel ist in der ersten Phase der Produktion entstanden. Wir haben die ersten Kompositionsfragmente erarbeitet und geschaut, in welche Richtung es geht. „SuperSonic“ ist hängengeblieben. „Son“ ist das spanische Wort für Klang und wir wollten diesmal so nah wie möglich an unseren Livesound. Für die Pressefotos ist dann der „Super“-Teil mehr in den Vordergrund gerückt und es entstand die Idee, uns zu schminken wie die Marvel-Superhelden.

Wie definiert ihr euer Live-Gefühl?

Wenn wir auf die Bühne gehen passiert ganz viel Interaktion. Wir brauchen viel Kommunikation auf der Bühne und wenn es pressiert kann auch von einer Sekunde zur anderen alles anders sein. Das ist eine Eigenschaft, die sich schwer mit dem Produktionsprozess, wie wir ihn vorher hatten, verbinden lässt. Wo alles nach und nach per Overdub entstanden ist. Wenn jeder seine Parts für sich macht, ist die so wichtige Kommunikation und der Austausch nicht möglich.

stimmt. Und wie habt Ihr das für „SuperSonic“ gelöst?

Wir haben diesmal mit der Band – noch bevor die Stücke fertig waren – schon gemeinsam daran gearbeitet. In der Studiosession, kurz vor dem ersten Lockdown letztes Jahr, war der Grundstein dann schon gelegt. Die Magie, wenn wir gemeinsam zu fünft Musik machen, war im März schon eingefangen. Das ist das Eigenständige an unserem Sound. Natürlich kommen noch die Instrumente in einer Besetzung hinzu, die so auch nicht jeden Tag auf der Bühne zu finden ist.

Hast Du durch die Zusammenarbeit mit Lenze (Anm. d. Red.: Lorenz Schmid von Lenze und de Buam) den Produktionsprozess als freier empfunden?

Es war eine Herausforderung sich darauf einzulassen, weil ich es von den letzten Alben gewohnt war, sehr viel unter Kontrolle zu haben. Dennoch war es dann aber sehr befreiend. Für diese Herangehensweise – zu klingen wie die Band auf der Bühne – war es genau der richtige Schritt. Da war es auch wichtig, dass sich jeder auf seine Rolle als Musiker fokussieren konnte. In der Person vom Lenze hat sich das als besonders angenehm erwiesen, weil wir schon seit langer Zeit gut miteinander können, und sich das noch vertieft hat.

Wer von euch traut der Band am meisten zu?

Ich glaube seit ein oder zwei Jahren wachsen wir alle mit der Band mit. Vor der Stammbesetzung war es schon eine ziemlich harte Zeit für die Band. Da war nicht viel Entwicklung nach vorne möglich. Es war mehr ein Hangeln von Anker zu Anker und keine langfristige Perspektive in Sicht. Als sich die Stammbesetzung neu gefunden hatte, hat sich das aber schnell zum Positiven entwickelt. Wir haben dann ein ganz neues Selbstverständnis bekommen, welches bei uns allen Entscheidungen nötig gemacht hat.

Wie sahen diese Entscheidungen aus?

Ich habe gemerkt: Mit meiner Rolle bei LaBrassBanda muss ich etwas verändern, damit ich die Kapazitäten habe, mich zu hundert Prozent um Monobo Son zu kümmern. Auch Sevi hat gewisse Weichen gestellt, damit er sich zeitlich mehr auf das Projekt einlassen kann. So war es dann bei jedem. Das ist jetzt natürlich durch das letzte Jahr wieder etwas ins Stocken gekommen. Aber die Rückmeldungen, die wir bekommen – ohne das Album auf der Bühne promoten zu können – sind trotzdem steigend. Das gibt uns ein schönes Gefühl für die Zukunft.

Konntet ihr die Albumproduktion eigentlich – außer personell – von Corona unbeeindruckt beenden oder hatte das Auswirkungen?

Das Hinzufügen einzelner Parts im Nachhinein haben wir in den Jahren zuvor schon so gemacht. Die Frage war diesmal eher, wie sich das mit der neuen Herangehensweise verträgt. Die Bandaufnahmen sind komplett ohne rhythmisches Raster entstanden. Das war nicht klar, ob das funktionieren wird, wenn im Nachhinein noch Sachen darauf kommen. Dennoch hat es aber wunderbar funktioniert. Wir hatten keinerlei Probleme wenn mal eine subtile Schwankung im Tempo war. Der Groove der Band war einfach so stabil, dass man das auch am Kopfhörer super mitbekommen hat.

Bei „Hans Dampf“, einem Song über eine Person, welche ein sehr verqueres Weltbild pflegt, entdeckt man mit jedem Durchlauf mehr Referenzen. Waren diese Wortspielereien Absicht?

Das ist immer eine Gratwanderung zwischen beidem. Am liebsten lasse ich mich beim Texten von der Intuition leiten. Aber natürlich ist es ein Stück weit auch ein intellektueller Prozess, es mit Worten in Form zu bringen. „Hans Dampf“ ist generell ein Song, der relativ viel Interpretationsspielraum bietet, da die Thematik für viele gut nachvollziehbar ist. Für mich war es ein Anliegen, da es die reale Person in meinem Umfeld wirklich gibt. Mit der habe ich schon Diskussionen geführt, wo man stundenlang aneinander vorbeiredet. Das wollte ich mir von der Seele schreiben.

Wie außergewöhnlich ist das?

Was mir bei der Situation den Frieden gibt ist – obwohl die Meinungen so weit auseinandergehen – dass man trotzdem einen respektvollen Umgang pflegen kann. Man kann sich auch streiten, ohne gewisse menschliche Anstandsgrenzen zu überschreiten, was wahnsinnig wichtig ist. Leider wird diese Diskussion ja oft übereinander geführt und nicht miteinander. Darin sind wir alle ziemlich gut: Mit Gleichgesinnten über andere zu reden in sich selber verstärkenden Spiralen, die ein Eigenleben entwickeln. Wenn ein direkter Austausch passieren würde, ließen sich viele Probleme schneller lösen. Ich kann das aber auch nur wenn ich eine persönliche Basis habe – und nicht auf Facebook irgendeine Diskussion anfangen.

Ihr habt euch zur Veröffentlichung für einen ungewöhnlichen Weg entschieden – digital veröffentlicht ihr nur häppchenweise. Wie kam das?

Das war Neugier. Wir setzen uns viel mit der Entwicklung im Streaming auseinander, auch was das für Konsequenzen für Musiker hat. Es gibt eine relativ kurze Aufmerksamkeitsspanne der Musiknutzer, Playlists mit nur einem Song der Band, aber immer weniger ganze Alben. Das hat uns zu denken gegeben. Das ist jetzt ein Versuch die Entwicklung, wie wir sie wahrnehmen, zu bedienen. Es kann aber auch bei einem einmaligen Versuch bleiben. Für uns war das Hauptstandbein immer der Live-Merch. Die meisten CDs haben wir nach den Konzerten verkauft. Dafür laufen die Vorbestellungen jetzt eh super erfreulich.

Ihr habt jetzt auch ein eigenes Label gegründet – halst man sich damit nicht noch mehr Arbeit auf?

Beim letzten Album haben wir noch die Dienste von Zoundr in Anspruch genommen. Aber die effektiven Aufgaben, welche ein Label übernimmt, liegen sowieso alle bei uns. Wir kümmern uns um den Promo-Plan, die Bemusterung, das Artwork und die Vermarktung des Produktes. Der letzte Akt zum eigenen Label war nur noch sich und die Werke bei der GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH) anzumelden. Der Rest hat sich nicht verändert.

Ist es als ausgesprochene Liveband eigentlich komisch, dass euer Hauptfokus jetzt vermutlich zwangsläufig auf allem anderen liegt?

Im Moment haben wir dahingehend noch keine Sorgen, weil wir mitten im Release stecken. Da sind wir gut ausgelastet. Wir haben auch das Label selber und damit gerade mehr als genug zu tun. Aber wenn das Gros an Arbeit im März oder April gemacht ist, wird es schon losgehen: Hey, wie lange dauert es noch bis das erste Konzert kommt…? Wir sind aber schon alle Typen, die sich gut Beschäftigung suchen können. Das Leben ist ja nur so langweilig wie man es sich macht. Uns wird so schnell nicht langweilig. Aber uns geht es wie jedem im Moment: Wir haben große Sehnsucht mal wieder hinauszugehen, einen exzessiven Abend zu erleben, wo man nicht irgendwelche Regeln im Hinterkopf behalten muss, sondern sich frei fühlen kann. Das geht uns schon ab. Die Ungeduld, endlich wieder auf die Bühne zu gehen, wächst mit jedem Tag.

Ihr gönnt euch live auch immer die Freiheit, ausgiebige Solos einzubauen. Wie wird das jetzt, wenn durch das neue Album noch mehr Lieder auf die Bühne wollen?

Das wird von Jahr zu Jahr enger. In der ersten Phase saugt man sich als Band alles Mögliche aus den Fingern, um ein abendfüllendes Programm zustande zu bringen. Es kristallisiert sich dann meistens ein Pool heraus, der nicht jeden Abend gleich ist, aber aus dem man schöpft. Und der wird jetzt wieder mehr befüllt. Ausschlaggebend werden die ersten Monate auf Tour sein, wenn man die direkte Rückmeldung von den Zuschauern hat.

Wie plant ihr den Bandgeburtstag?

Leider musste die große Geburtstagsshow um ein Jahr verschoben werden. Wir werden auf jeden Fall feiern – was genau möglich ist, werden wir noch ein bisschen abwarten. Wenn es irgendwie geht, wollen wir nicht nur privat feiern, sondern die Leute teilhaben lassen. Ob das in echt ist oder online oder wie sich das bewerkstelligen lässt, hängt von der Entwicklung der Zahlen ab. Aber wir werden alles daran setzen, die Leute auch an unserem Geburtstag teilhaben zu lassen.

 

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