Hauschka

2.11.14

  • Artist: Hauschka
  • Album: 2.11.14
  • Label: City Slang
  • Release: 2015-06-19
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Wieviel bleibt vom Live-Erlebnis, wenn man es mitsamt seiner Einzigartigkeit einfängt, zu Tracks erstarren lässt und tausendfach in Plastik stanzt? Wie eindrucksvoll ist ein Bühnenauftritt vor der Couch im Wohnzimmer bei Pistazien und reiner Zimmerluft? Welcher Applaus ist höhnischer als der im Laufe eines Konzertes aufgezeichnete? Gibt es eigentlich irgendein gutes Live-Album außer Portisheads ‚Roseland NYC live‘?

All diese Fragen können noch so berechtigt sein – Volker Bertelmann muss sich über die meisten von ihnen keine Gedanken mehr machen. Seine Fans übrigens auch nicht. Die haben genug Zeit, sich Tiere wie die Kastilische Kastagnettengrille auszudenken, um die klanglichen Ergüsse ihres Spontifix Maximus auch nur ansatzweise in Worte zu fassen.

‚2.11.14‘ ist Datum und Album zugleich: Hauschka gastierte an diesem Tag in Yufuin, einer kleinen Stadt in Japan. Dort soll er einen Espresso getrunken, sich aber auch setup-technisch ziemlich wohl gefühlt haben. So kam es dann, dass man praktisch aus dem Stand heraus eine Aufnahme fertigte. Zwölf Mikrofone pflanzte er sich auf den Flügel, drei verzwirbelte Delays in den Submixer und ein Klavierhammer imitiert eine Bassdrum, falls und sobald dem Progressiv-Pianisten danach ist.

Das an jedem Abend zu Hörende floss en bloc in zwei rund zwanzigminütige Parts, die Hauschka nun als Vinyl- und Download-Album veröffentlicht. Im Gegensatz zur durchdesignten Staffelung herkömmlicher Live-Releases ist ‚2.11.14‘ bis auf wenige zarte Schlieren ein Zufallsprodukt. Zwar zeichnet sich am auditiven Horizont hin und wieder ein Thema ab, das man von ‚Abandoned City‘, Hauschkas letztjährigem Konzeptalbum über Geisterstädte, zu kennen glaubt. Doch ehe man sich Klarheit verschaffen kann, ist es wieder verschwunden und der Sonderbarkeit eines nächsten Geistesblitzes gewichen.

Vom herkömmlicher Klimperei entfernt sich der Improvisationskünstler dabei zuweilen so sehr, dass die Klangherkunft sich zum heiteren Rätselraten auswächst. Welches Spielzeug hat der Onkel da in den Korpus geworfen? Purzeln hier gerade die Lottozahlen durch die Trommel? Wo klemmt der Schneebesen? Wer spielt da Flipper im Klavierkorpus? Auch hier: Fragen über Fragen. Streicht das „live“, behaltet das „Album“ mit all seinen störrischen, rasselnden, klappernden Störkörpern, wie ihr einen Bernstein mit Wespe drin behalten würdet. Wir sind in Japan. Es ist der 2.11.14. Jetzt, wann immer und so lange ihr es wollt.

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