MEH SUFF! WINTERFESTIVAL 2022: Mit wehenden Mähnen ins neue Jahr

Unser Konzertjunkie Andre hat´s wieder getan. Um seine Sucht nach Livemusik und grölenden Headbangern mit gestreckten Pommesgabeln zu befriedigen, ist ihm kein Weg zu weit. Andres Ziel: wieder einmal die Schweiz. Was er auf dem MEH SUFF! Winterfestival in Zürich erlebt hat, erfahrt Ihr in seinem Review.

Es ist Freitag, kurz vor Feierabend. Ein banger Blick in die E-Mails – endlich ist das negative Testergebnis für den notwendigen COVID-Test angekommen! Somit sind alle Hürden genommen, und die Reise nach Zürich kann etwas verspätet starten.

Die Schneeverwehungen auf den Autobahnen werden sanft umfahren und das Hotel nur zum Check-In und zur Kofferablage besucht. Es geht schnurstracks ins Züricher Dynamo. In dem Jugendkulturhaus findet an diesem Wochenende das MEH SUFF! Winterfestival statt. Nach dem hervorragenden MEH SUFF!-Festival 2021 im Sommer auf dem Hüttikerberg ist dies quasi eine Pflichtveranstaltung.

Auch hier wird am Einlass wieder penibel drauf geachtet, dass die Besucher die gesetzlich vorgeschriebene 2G+-Regel erfüllen.

Heathen Heretic haben bereits den Großteil ihres 30-minütigen Sets gespielt, als der Verfasser dieser Zeilen die gefühlten 666 Stufen – ohne Sauerstoffzelt – zum Saal erklommen hat. Der Opener aus Zürich hat das zahlreich vorhandene Publikum mit seinem melodischen Black-Metal bereits gut im Griff.

Nach der obligatorischen Umbaupause betritt Megaton Sword die Bühne. Probleme beim Soundcheck sorgen dafür, dass sich der Auftritt etwas verzögert. Auch die Schweizer Epic-Metaller haben nur eine halbe Stunde, um sich zu präsentieren. Dadurch entfallen leider die Pathos-geschwängerten Ansagen des charismatischen Sängers Uzzi Unchained. Viel zu schnell sind die sechs Songs der Setlist abgearbeitet. Die Crowd hätte bestimmt noch Spaß an weiteren Tracks gehabt.

Auch Bölzer kämpft an diesem Freitag mit dem Sound. Sänger und Gitarrist Okoi Thierry „KzR“ Jones ist sichtlich unzufrieden. Dies tut der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch. Das Duo kann einmal mehr die anwesenden Headbanger mit seinem Death Metal überzeugen.

Weiter geht es mit Melechesh. Was die 1993 in Jerusalem gegründete Black-Metal-Band heute Abend abliefert, hat nahezu Headliner-Qualitäten. Sänger und Gitarrist Ashmedi hat sichtlich Spaß mit der feiernden Halle. Immer wieder werden die Pommesgabeln in die Luft gereckt. Die Band lässt sich auch nicht von technischen Problemen aus der Ruhe bringen und nutzt die Zeit für den einen oder anderen Gag. Ashmedi erklärt im Anschluss an den Gig, dass die Probleme mit der eigenen Hardware in Verbindung stehen. Vielleicht ist das die Wurzel des Übels über den kompletten Abend.

Ensiferum beendet den Abend und sorgt für eine tanzende Meute. Während Drummer Janne Parviainen wie ein Uhrwerk den Takt vorgibt, sorgt der Rest der Band vorne auf der Bühne für mächtig Alarm. Permanent sind die Finnen in Bewegung. Dass Ensiferum auch bei den Eidgenossen sehr viele Fans haben, beweisen die zahlreich mitgesungenen Passagen der Songs. Nach 60 Minuten heißt es dann Abschied nehmen für den heutigen Abend. Ein letzter Absacker noch bevor es die 666 Stufen nach unten geht.

Da sich die Türen an diesem Samstag erst um 15 Uhr öffnen, bleibt noch etwas Zeit für eine Stadtbesichtigung in Zürich. Der Limmat schlängelt sich durch die Stadt bis zum Zürichsee. Dank des guten Wetters sind die schneebedeckten Bergspitzen sehr gut zu erkennen. In Erinnerung an tolle Skitouren in der Schweiz geht’s in den Zeughauskeller. Das Essen ist hier unglaublich gut. Die Preise bei den Nachbarn sind mittlerweile bekannt und können nicht mehr schocken. Satt und zufrieden wird das Dynamo angesteuert. Auch heute verlangt die Security freundlich aber bestimmt die erforderlichen 2G+-Nachweise.

Da der vorhandene Lift für das Equipment reserviert ist, müssen wieder mal die 666 Stufen erklommen werden. Oben angekommen bleibt noch etwas Zeit für ein Bier, bevor Piraten die Bühne entern.
Durch Pandemie-bedingte Ausfälle hatten die Veranstalter in den letzten Tagen vor dem Festival alle Hände voll zu tun, die freien Slots zu füllen. Calarook nimmt die Einladung dankbar an und kann die noch nicht ganz gefüllte Location durchaus mit ihrer Mischung aus Pirate- und Death-Metal mitreißen. Growling in Verbindung mit einer Violine hört man nicht allzu oft.

Einen Ausfall muss Desaster aus Deutschland kompensieren. Doch die Thrasher können auch ohne ihren kranken Basser Volker „Odin“ Moritz überzeugen. Axtmann und Bandgründer Markus „Infernal“ Kuschke wurde scheinbar zum richtigen Zeitpunkt aus dem Käfig gelassen und geht hier ab, als gäbe es kein Morgen mehr. Auch Sänger Guido „Sataniac“ Wissmann sorgt für steigende Temperaturen in der Halle. Da Bilder mehr als tausend Worte sagen, sei ein Blick in die Galerie empfohlen.

God Dethroned aus den Niederlanden sorgen mit ihrem Death-Metal dafür, dass die Stimmung weiterhin auf hohem Niveau bleibt. Die Matten kreisen unablässig auf der Bühne und im Publikum.

„Verikoira“, „Pilli On Pajusta Tehty“ und „Ievan Polkka“ stehen unter anderem auf der Setlist des Headliners Korpiklaani. Wenn man nach den Todesmetallern aus Holland dachte, die Stimmung ist nicht mehr zu steigern, wird man bei den Finnen innerhalb von Sekunden eines Besseren belehrt. Es ist immer wieder faszinierend, wie sicher die Crowd die finnischen Texte beherrscht. Der Folk-Metal sorgt im Dynamo für eine bombastische Stimmung. Zahllose Circle Pits bringen das Publikum ordentlich in Wallung. Darauf einen „Jägermeister“ und einen „Vodka“.

Wie auf dem MEH SUFF! Sommerfestival gibt es auch in Zürich nach dem Headliner einen Rausschmeißer. In der Schweiz gelten Rectal Depravity mit ihrem Grindcore bereits als Kultband. So ist es kein Wunder, dass es vor der Bühne zu massivsten Tanzeinlagen kommt. Der ein oder andere blaue Fleck gehört ebenso dazu wie das skurrile Bühnenoutfit der Bandmember. Auch hier sei noch einmal auf die Bildergalerie verwiesen. Das Schweizer Trio beendet das MEH SUFF! Winterfestival standesgemäß.

Das erste Festival für 2022 ist erfolgreich gelaufen. Da in der Schweiz die Inzidenzen wieder steigen, wird es auch hier in den kommenden Monaten keine Konzerte mehr geben. So heißt es noch einmal Vollgas geben auf der anschließenden Aftershow-Party. Zugegeben, die Musik ist für den Verfasser dieser Zeilen eine Höllenqual. Aber schei… drauf, wer weiß schon, was morgen ist.

Das Meh Suff! Festival 2022 findet am 09./10. September 2022 auf dem Hüttkerberg statt. Karten könnt Ihr bereits jetzt über den Veranstalter beziehen.

Text und Photo Credit: Andre Schnittker

Festivalhomepage

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