Marillion

Marbles In The Park

  • Artist: Marillion
  • Album: Marbles In The Park
  • Label: Edel Germany GmbH
  • Release: 2017-01-20
  • Medium:
  • Bewertung:1

Einen Augen- und Ohrenschmaus sondersgleichen präsentieren uns die britischen Prog-Legenden von Marillion mit „Marbles In The Park“. Aufgezeichnet auf dem Marillion-Weekend (ein alle zwei Jahre stattfindendes Fantreffen) 2015 in Port Zelande präsentiert die Band auf dem Mitschnitt das komplette 2004er Doppelalbum „Marbles“, mit dem die Band nach einer kommerziellen (nicht kreativen!) Durststrecke wieder auf den Schirmen der Progfans aufgetaucht waren – und mit ‚You’re Gone‘ gleich noch ihren ersten UK-Top Ten Hit seit 1991 verbuchen konnte.

Das „Marbles“-Album ist aber nicht nur deshalb ein wichtiger Meilenstein für die Band. „Das Beste“ ist natürlich immer Geschmackssache, aber das Doppelalbum-Format erlaubte es Marillion seinerzeit, erstmals alle Facetten und Extreme des Bandsounds in ein Studiowerk zu integrieren. Von den düsteren Prog-Epen ‚The Invisible Man‘ und ‚Ocean Cloud‘ über getragene, atmosphärische Stücke wie ‚Fantastic Place‘, Schräges wie ‚Drilling Holes‘, elektronisch angehauchtes wie der erwähnte Singlehit ‚You’re Gone‘ bis zu Beatles-lastigen Poprock-Songs wie ‚The Damage‘ und ‚Don’t Hurt Yourself‘, hier wird jede Menge Abwechslung geboten. Als Zugaben gibt es mit ‚Out Of This World‘, ‚King‘ und dem Titelsong des bei Aufzeichnung aktuellen „Sounds That Can’t Be Made“-Albums noch ein paar weitere Fanfavoriten als Schmankerl. Und natürlich sind Marillion eine Band, die live erst zu richtiger Topform aufläuft. Das heißt, alleine die musikalische Seite verdient hier bereits eine absolute Empfehlung.

Aber auch visuell hat sich die Band nicht lumpen gelassen. Mit Haus- und Hof-Designer Simon Ward haben Marillion passende visuelle Untermalungen für die riesigen Videoscreens hinter und um (!) die Bühne erstellt, die im Verbund mit der emotionalen Wucht der Musik, der für sich schon beeindruckenden Licht- und Lasershow und nicht zuletzt des Vortrages des charismatischen Frontmannes Steve Hogarth ein wahrhaft besonderes Erlebnis bietet. Nur ein paar der Höhepunkte: ‚The Invisible Man‘, bei dem Hogarth den ersten Part über die Screens performt, das fast sakral zelebrierte ‚The Only Unforgettable Thing‘ mit seinem Lichterregen beim Gitarrensolo, die atemberaubende Achterbahnfahrt ‚Ocean Cloud‘, bei der dem Pazifikruderer Don Allum Tribut gezollt wird – und das unumgängliche ‚Neverland‘, bei dem man diesmal wirklich das Gefühl hat, mit Peter Pan abzuheben. Getrumpft wird das aber im Zugabenteil nochmals von ‚Out Of This World‘, dem Song über die letzten Momente des Rennfahrers Donald Campbell, der beim Versuch, seine eigenen Geschwindigkeitsrekord zu Wasser zu brechen, 1967 umgekommen war. Musikalisch ehedem einer der packendsten Songs im Marillion-Katalog, wird die Performance von Filmmaterial des fatalen Rekordversuchs begleitet. Das Ganze wirkt dabei nicht voyeuristisch, sondern gibt ein gänsehauterzeugendes Tribut an einen Getriebenen, der in seiner Suche nach Extremen die letzte Grenze überschritt.

Nimmt man also „Marbles In The Park“ als das, was es ist, bekommt man knapp 135 Minuten großartige Musik, visuell beeindruckend untermalt und von Tim Sidwell erstklassig gefilmt. Allerdings muß man fairerweise darauf hinweisen, daß es exklusiv über die Marillion-Website eine 3-DVD-Box mit dem kompletten, ungekürzten Marillion-Weekend 2015 zu erstehen gibt, das neben der hier vertretenen Show noch das komplette „Anoraknophobia“-Album und einen zweieinhalbstündigen Set mit (fast) allen Single-Auskoppelungen der Marillion-Karriere bietet, darunter auch mittlerweile nur mehr selten gespieltes Material wie ‚Market Square Heroes‘ und ‚Incommunicado‘ aus der Frühzeit der Band. Welche Version nun für den Leser relevant ist – die im Anschaffungspreis eher günstige Marbles-Show oder das vollständige Boxset – überlasse ich nun dessen eigener Entscheidung. So oder so – ein echt gelungenes Teil, das zu den besten Livemitschnitten der Marillion-History zählt.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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