Licked Live in NYC

40 Jahre erfolgreich zusammen auf Tour, das schafft kaum eine Band. Es gibt also jeden Grund, dass mit einer ausgiebigen Konzertreise zu feiern – wer weiß, wie lange das noch gut geht. Das dürften 2002 die Gedanken dieser Gruppe aus England gewesen sein, die unter dem Namen Rolling Stones ihren runden Geburtstag mit einer weltweiten Tournee unter dem Motto „40 Licks“ feierten. Das Besondere war, dass sie in ausgewählten Städten (u.a. München) drei Auftritte spielten, eine Club- (Cirkus Krone), Hallen- (Olympiahalle) und Stadionshow (Olympiastadion) und dabei das Programm extrem variierten, um einen breiten Einblick in ihre langjährige Geschichte zu liefern. Konnte damals ja keiner ahnen, dass nur zehn Jahre später mit „50 and Counting“ und weiteren zehn mit „Sixty“ das (über-) nächste Nuller-Jubiläum anstehen würde. Am 18. Januar 2003 traten also Mick, Keith, Ronnie und Charlie mit ihre Begleitmusiker*innen im Madison Square Garden auf. Nun wird der Gig erstmals in voller Länge unter dem Titel „Licked Live in NYC“ veröffentlicht.

Klar, es gibt alle relevanten Klassiker wie „Street Fighting Man“, „Jumpin´Jack Flash“, „Brown Sugar“ und „Satisfaction“ (Achtung: nicht als Zugabe, sondern in der Programm-Mitte!), spannend sind Stones aber immer dann, wenn sie die üblichen Pfade ein wenig verlassen.

„If You Can’t Rock Me“, die damals aktuelle Single „Don’t Stop“ und das düstere „Monkey Man“ in der ersten Hälfte sind solche Nummern, die man nicht so oft zu hören bekommt. Insbesondere das letztgenannte Lied ist dabei vielleicht das Highlight der Show: Keith´ stakkatoartige Gitarre, gepaart mit Ronnies Slide-Einlagen lassen den geneigten Hörenden mit Gänsehaut zurück.

Richards krächzt auf seine unnachahmliche Weise das selten gespielte „Thru And Thru“, das als ganz langsame, nur von seiner Gitarre getragene Ballade beginnt, um sich dann stetig zu einem vollen Band-Track zu entwickeln. Weitere Höhepunkte sind immer dann, wenn Gäste oder die Hintergrundmusiker*innen ihren Solo-Part bekommen: Sheryl Crow veredelt an diesem Abend „Honky Tonk Woman“, Background-Sängerin Lisa Fisher hat ihren großen „It´s Just A Shot Away“-Auftritt beim Klassiker „Gimme Shelter“ und Bobby Keys pustet unzählige Liter Atemluft bei „Can´t You Hear Me Knocking“ durch sein Saxofon, das auf fast zwölf Minuten Spielzeit kommt.

Auf die obligatorische Frage, ob man die Scheibe wirklich braucht, wird hier bewusst verzichtet – diese Frage stellen sich Fans ohnehin nicht. Fakt ist, die damals noch nicht einmal 60-jährigen Herren waren in dieser Nacht „on fire“ und „Licked Live in NYC“ ist ein rundum gelungener Mitschnitt, der in keiner Sammlung fehlen sollte. Wer sich die DVD/Blue-Ray-Version gönnt, wird noch mit reichlich Bonus-Material belohnt. Als Extras gibt es u.a. Proben- und Liveaufnahmen aus Amsterdam.

Note 1

THE ROLLING STONES | LIVE 2022

SIXTY-TOUR

05.06.2022 – München, Olympiastadion

27.07.2022 – Gelsenkirchen, Veltins-Arena

Tickets gibt es hier.

 

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Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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