LABRASSBANDA – Meditation auf Bayrisch

Die konzertarme Zeit fördert ja so manches Talent zu Tage. Da bilden auch Musiker keine Ausnahme. Warum sich aber ausgerechnet das jüngst wieder zum Trend avancierte Yoga gar nicht so schlecht eignet, um der eigenen Konzertvermissung ein Schnippchen zu schlagen - darüber haben wir uns mit LaBrassBanda-Kopf Stefan Dettl unterhalten. Ein ruhiges Album für Yogis muss nicht zwingend ein Widerspruch zu der normalerweise vor Energie strotzenden Band sein. Wie man in den ultimativen Flow gelangt, dafür hatte der Sänger und Trompeter auch einen Tipp parat. Außerdem ist Yoga gar nicht so artfremd, wie es im ersten Moment scheint. Schließlich könnte es wunderbar zwischen Wacken und der Zugspitze funktionieren.

Wie entstand die Idee zum Yoga?

Wir haben das schon länger in der Schublade. Wir haben schon mal ein Konzert für Kühe gemacht, im Kuhstall, wo wir ganz ruhig gespielt haben. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Seitdem gibt es die Idee, eine Meditations-CD herauszubringen. Letztes Jahr durfte man keine Konzerte machen, das Einzige, was möglich war, war eine „Sportveranstaltung mit Hintergrundmusik“. Da waren 120 Yogamenschen auf Yogamatten und wir haben ganz ruhige Musik dazu gemacht. Daraufhin haben wir ein 90 Minuten-Programm zurechtgelegt. Ganz viele Leute haben gesagt, sie wollen das unbedingt auf CD. Über den Winter haben wir das eingespielt.

War die ganze Band von Anfang an gleich dafür?

Keiner von der Band musste da überredet werden, weil das jeder lustig und spannend fand. Leider ist unser Beruf als Livemusiker gerade etwas weggefallen, deswegen war jeder froh um eine Abwechslung.

Ihr habt die „Yoga Symphony No. 1“ in Füssen uraufgeführt. Habt ihr die Reaktionen des Publikums darauf in die Aufnahmen einfließen lassen?

Da waren viele Menschen dabei, die total emotional waren. Manche haben geweint, manche gelacht, es war ein ganz emotionales Konzert. So ruhige, meditative Musik mit Bewegung – das ist eine ganz besondere Kraft und das ist sicher in die Platte mit eingeflossen. Normal sind die bei uns ja eher energie- und beatgeladen, diese Platte ist total emotionsgeladen.

Yoga richtet sich an die körperlichen und seelischen Aspekte des Menschen. Wolltet ihr diese beiden Faktoren in der Musik haben?

Das spielt schon alles zusammen: Geist, Psyche, Körper. Wenn man das mit schönen Klängen und ein paar Übungen verbinden kann, ist das gar nicht so artfremd, wie man meinen könnte. Da geht es jedem gleich: Wenn man jemanden trifft und der dich anlacht, freust du dich und hast einen schönen Tag. Dann geht‘s dir selber gleich besser, vielleicht sind die Kreuzschmerzen nicht mehr so schlimm, dann ist man sowieso gleich besser drauf.

War es beabsichtigt, die Musik dafür zu liefern, besser mit der Krise umzugehen?

Unbewusst. Die „Yoga Symphony“ verlangt von niemand was, es ist ein schönes Angebot. Wenn du Lust hast, legst du beim Grillen die Yoga-CD auf, trinkst ein Weißbier dazu und meditierst bayrisch. Wenn aber jemand sagt, das passt überhaupt nicht zum Yoga, ist das genauso in Ordnung. Die Yoga-CD möchte nicht viel, ist aber ein schöner Begleiter, wenn man Lust hat, abzuschalten und Bläserklänge zu genießen.

Wie hast du die Zusammenarbeit empfunden?

Ich habe die Yogamenschen als brutale Typen kennengelernt, die dir im Handstand schon entgegenlaufen. Die waren aber total offen. „Hey Stefan, auch wenn du den Schneidersitz erst fünf Minuten halten kannst, ganz entspannt, leg dich hin und wenn du Lust hast, machst du wieder mit.“ Man muss nicht schön sein, die neueste Hose haben oder alle Übungen können. Im Gegenteil! Das ist der eigentliche Sinn des Yoga: jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist. Wenn man dann noch was miteinander teilen kann – sei es eine Übung, die Musik oder das Lachen – dann ist es das höchste Gut, was man finden kann.

Das Album erscheint auf eurem eigenen L.O.V.E-Label. Damit ihr für das Projekt alle Freiheit habt?

Es ist momentan sehr schwierig, überhaupt etwas zu veröffentlichen. Selbst wenn du bei Spotify in unserem Bekanntheitsstatus 1.000.000 Klicks bekommst, kannst du davon noch nicht einmal den Mischer bezahlen. Du verdienst leider heutzutage gar nichts mehr, daher ist es super schwierig für Labels, etwas Neues auszuprobieren. Das ist für uns als Kreative aber ganz wichtig, immer Neues auszuprobieren: als musikalisches Sprachrohr und eben nicht stehen zu bleiben. Da war es die logische Konsequenz, ein eigenes Label zu haben für Veröffentlichungen, welche riskant sind. Für uns ist es nicht riskant, sondern notwendig.

Ist es schwieriger, an so einer Komposition ein Ende zu finden?

Wir waren ziemlich schnell bei einer Stunde – länger schaffen wir es auch gar nicht, uns ruhig hinzusetzen. Das Ausarbeiten erfordert dann aber doch ganz schön viel Zeit: es gescheit zu machen, die Klänge zu erarbeiten.

Worin lag die größte Faszination für euch?

Das Krasseste war, dass wir das erste Mal einen Loop-Synthesizer benutzt haben, der so tiefe Frequenzen gibt. In Kombination mit Tuba, Posaune und Trompete hat es das auch noch nie gegeben, dass der über ein ganzes Album hinweg verwendet wurde. Jeder Klang hat ja eine Eigenfrequenz, eine Schwingung, und das mit Tuba und Synthesizer zusammenzubringen war total spannend. Und der Analog-Synthesizer klingt in der Früh anders als abends, bei 14 Grad anders als bei 17 Grad, der lebt mit, wie auch das Metall der Tuba. Das war sehr spannend, die Klänge so zu bauen und warm zu machen. War das jetzt nicht zu nerdmäßig?

Genießt ihr es, dass bei der „Yoga Symphony“ die Lieder mehr Raum haben und sich ganz anders als sonst entfalten, weil es keine üblichen Publikumsreaktionen gibt?

Wir spielen bei den Konzerten auch manchmal so ruhige Sachen. Wenn wir das Gefühl haben, wir oder das Publikum brauchen mal kurz eine Pause zum Runterfahren. Da wird es schon oft unruhig, manche reden dazwischen, manche würden gern zuhören, manche nicht. Das genießt man bei der „Yoga Symphony“ schon: Klänge auszufahren, eine Stimmung zwei, drei Minuten zu halten. Wir freuen uns auch schon, die „Yoga Symphony“ live zu spielen, das werden bestimmt Gänsehautmomente – sowohl fürs Publikum als auch für uns.

Es gibt auf dem Album durchaus repetitive Elemente. Fühlt man sich da beim Spielen auch anders?

Sonst würde das gar nicht gehen. Das war bei den Aufnahmen auch so. Ohne Flow hört sich die Aufnahme nicht gut an. Irgendwann bist du aber so drin, du vergisst ganz, dass du spielst oder wo du gerade bist – dann ist es am besten. Das Repetitive ist superschwierig, wenn man es auf Knopfdruck machen muss, aber es geht ganz gut, wenn man sich eingrooven kann. Bei den Aufnahmen ist es auch egal, wenn du es 100 oder 200 Mal spielen musst, bis der Status erreicht ist. Wenn es dann immer noch nicht hinhaut, musst du ein Bier trinken – dann haut es sofort hin.

Ihr habt die „Yoga Symphony“ jetzt zweimal im Hofbräuhaus angesetzt. Ist das einmalig oder gibt es Überlegungen, das später zu wiederholen?

Der Saal im Hofbräuhaus ist wahnsinnig schön. Einer der schönsten, die ich überhaupt in München kenne: Viel Holz, im Herzen von München und vielleicht gibt es nach der Show noch die Aussicht auf ein Bier, das wird eine ganz besondere Stimmung.

Man weiß ja gerade nicht, wie der Sommer oder das nächste Jahr ausschauen werden. Ich glaube, die Konzertlage wird sich schon verändern. Wenn wir dann aber Angebote kriegen und jemand sich das vorstellen kann, total gerne. Ich kann mir auch Samstag Wacken und Sonntag Yoga auf der Zugspitze super vorstellen.

 

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