Eskimo Callboy – Kevin bekommt Schläge

Im Postbahnhof gab es nette Überraschungen, einen Doppelgänger, ein paar Schläge und einen fehlenden Rapper. Willkommen bei der Crystals-Tour von Eskimo Callboy.


Verdammt lang ist es her, dass Eskimo Callboy im Berliner Postbahnhof zu Gast waren. Zwar spielten sie vergangenes Jahr mit Iwrestledabearonce noch die Bühne des C-Clubs, doch damals waren sie im Postbahnhof mit Callejon unterwegs und konnten dabei als Support mehr als locker mit dem Hauptact des Abends mithalten.

Nun bespielen die Herren diese Örtlichkeit selbst als Mainact und bringen ihrerseits zwei Supportbands mit. Ein paar Minuten vor dem eigentlich Start, stehen auch schon die Jungs von Any Given Day auf der Bühne. Any Given Day.jpg “ Allerdings nicht in ihrem eigentlichen Line-Up, da sich ein Mitglied an diesem Abend verständlicherweise lieber mit seinem Status als frischgebackener Vater auseinandersetzt. Doch Sänger Dennis lässt sich davon nicht beirren und verbreitet sogleich eine gewisse Ehrfurcht, als er sich mit seinem wuchtig muskulösen Körper im Rampenlicht positioniert. Erwartungsgemäß kommt auch eine tiefgrowlende Stimme aus dem Munde des Gelsenkircheners, die passend zum Deathcore seiner Band seinen Weg zum Publikum findet. Ihr Sound findet auch gleich Anklang beim gut gefüllten Postbahnhof und weiß doch zu überraschen, als Dennis mal eben vom tiefen Growlen zu klarem Gesang wechselt, den man einem Kerl dieser Statur kaum zugetraut hätte. Um die Härte beizubehalten, aber trotzdem einen etwas anderen Ton für den Abend einzuleuten, gibt es neben ihren eigenen Titeln auch eine Coverversion, bei der alle in der Halle mitsingen können: Rihannas ‚Umbrella‘. Wahrscheinlich ist dies die einzige Version, die man sich von diesem Pop-Verbrechen auch nur irgendwie antun kann, ohne beim ‚Umbrella… ella… ella… eh eh eh oh oh‘ Teil jemandem im Takt die Fresse weichzuprügeln. Spätestens bei dieser Eigeninterpretation Any Given Days erwacht auch das Publikum und die ersten Crowdsurfer bahnen sich ihren Weg zur Bühne, um dort enttäuscht festellen zu müssen, dass der erste Support nach einer echt geringen Spielzeit von vielleicht zwanzig Minuten bereits die Bühne verlassen muss.

Einerseits enttäuschend wegen des kurzen Breaks der Umbaupause, in der die gerade erst aufgebaute Energie wieder ausgebremst wird, aber dann doch wieder kein großes Problem darstellt. Denn We Butter The Bread With Butter (WBTBWB) haben nicht nur ein Heimspiel, sondern auch schon gut Bühnenerfahrung sammeln können, was vor einigen Jahren auch zu einem Support von niemand geringeres als Slipknot führte. Damals noch mit langen Haaren und finsteren Metalversionen von Kinderliedern, stehen sie heute größtenteils mit etwas kürzerem Haupthaar und eigenen Songs auf der Bühne. WBTBWB.jpg “ Und auch wenn es total unterschiedliche Musikstile sind, erinnert mich Sänger Paul mit seinen nach hinten gegelten Haaren und seinem drei-Tage-Bart an einen junge Jan Plewka von Selig zu ‚Ohne dich‘-Zeiten. Aber genug dazu. WBTBWB hat die Menge direkt dort aufgefangen, wo sie von Any Given Day zurückgelassen wurde. Die ersten nackten männlichen Oberkörper wuseln sich schwitzend durch die Menge und warten auf ihre Chance die Sau rauszulassen. Glücklicherweise müssen sie darauf nicht allzu lange warten, denn WBTBWB drehen richtig auf. Paul und alle auf der Bühne animieren die anwesenden Metalfans zu Walls of Deaths, Circle Pits und natürlich darf man auch mal kurz in die Hocke gehen, um auf das jeweilige Zeichen richtig auszurasten. All diese Spielereien, die auf Zurüf passieren, funkionieren auch hier wunderbar. Allein der Circle Pit geht fast über die gesamte Fläche des Bereichs vor der Bühne. Lediglich der äußerste Rand bleibt stehen. Möglicherweise auch deshalb, weil die Damen und Herren dort größtenteils den Eindruck machen, als wären sie die Eltern der fast durchgehenden Menge vor der Bühne. Das an sich ist schon ein witziger Anblick, zeigt aber auch, dass das anwesende Publikum eher jünger ist, aber keineswegs stört. Nach einigen ihrer Songs, merkte man den Jungs von WBTBWB auf einmal doch eine gewisse Nervosität an. Dies erklärt sich aber relativ schnell, denn sie spielen mit ‚Medien‘ einen Song ihrer neuen Scheibe, die demnächst erscheinen wird. Mich hat der Song direkt wegen seines Refrains für sich gewonnen, denn ‚Ich mache was mit Medien‘. Als Rausschmeißer von WBTBWB gab es ‚Meine Brille‘ zu hören und auch wenn sie sicherlich noch weitermachen wollen, mussten sie den Platz für Eskimo Callboy räumen. Allerdings haben sie sicherlich auch ein paar Interessenten für ihr neues Album für sich gewinnen können, die die Tage bis zum Release der neuen Scheibe zählen werden.


Nun ist die Zeit von Eskimo Callboy gekommen und würde man as Cover ihres aktuellen Albums ‚Crystals‘ nicht kennen, könnte man folgendes Intro für ein Oster-Extra halten. Schließlich fährt ein oberkörperfreier Kerl auf einem kleinen Dreirad als Opener auf der Bühne hin und her. Mit einem Hasenkostümkopf auf. Etwas skurril und schräg und erinnert einen an die Horror-Osterhasen-Bilder mit den weinenden Kindern, die zu Ostern immer ihre Runde auf Facebook und Konsorten machen, aber … es passt. Mit ‚Pitch Please‘ stürmen die sechs Herren mit Silberkonfetti die Bühne und haben die Menge gleich für sich gewonnen. Spätestens jetzt ist deutlich geworden, dass die Menge zu 90% aus Eskimo Callboy-Anhängern besteht. Es wird laut mitgegröhlt, alle sind textsicher, selbst bei den neuen Titeln. Eskimo Callboy 1.jpg “ Sie freuen sich über jeden Körperkontakt, die sie ergattern können, wenn Sushi oder Kevin die Wellenbrecher aufsuchen und sich zu ihnen herüberhängen, um ihre Songs mit ihnen gemeinsam singen und zum Teil auch um sich singend auf den Händen ihrer Fans tragen zu lassen. Ja, die Jungs wissen, wie sie ihre Fans glücklich machen können. Abgesehen von ihren Metalcore-Songs mit einer Prise Dubstep, haben sie mit ‚F.D.M.D.H.‘ auch richtig derben Core und mit ‚T.U.M.H.‘ auch etwas Poptrash am Start, womit sie ihre Fans gehörig zum Schwitzen bringen. Sie gehen dabei sogar so stark ab, dass sie einen mächtigen Faux Pas von Sänger Kevin fast verpasst hätten. Wäre da nicht sein liebster Bandkollege Sushi, der nicht nur ihn, sondern ALLE darauf aufmerksam macht. Nach einem Song bedankte sich Kevin beim Publikum mit den Worten:“Danke, das war klasse Hamburg.“ An sich ja nichts besonderes, so eine Floskel von sich zu geben. Nur wenn man sich aber in Berlin und eben nicht in Hamburg befindet, könnte das zu etwas Unmut unter der Leuten führen. Kevin entschuldigt sich natürlich prompt und betont, dass ihm sowas noch nie zuvor passiert ist. Nur dafür ist es eindeutig zu spät, weshalb auf Sushis Anpieken bei der Menge auch Früchte trägt. Er stachelt sie dazu an, dass sie, sollten die auch wollen, dass sich Kevin für diesen unverzeihlichen Fehler mehrfach selbst ins Gesicht schlagen soll, sie doch einfach ihre Hand in die Höhe halten sollen. Gesagt. Getan. Überall werden die Hände gen Postbahnhofdach gestreckt und Kevin gibt sich geschlagen. Buchstäblich. Fünf Mal.

Später am Abend wird seinerseits von Kevin etwas ähnliches versucht, damit sich Sushi ohrfeigt. Doch keine Chance. Eskimo Callboy 2.jpg “ Sushi schafft es sogar mit seinem kleinen Niedlichkeitsbonus die Fans auf seine Seite zu ziehen, so dass sich Kevin erneut selbst schlagen sollte. Leider weigert er sich aber strikt dagegen, wodurch man nur einen schmollenden Kevin sitzend auf der Bühne bekommt. Schade irgendwie. Nicht, dass ich will, dass er die ganze Zeit geschlagen wird, aber lustig wäre es trotzdem nochmal gewesen. Stattdessen wird weiter kräftig abgerockt, es werden sexy Schlüpper und BHs auf die Bühne geworfen, ob frisch getragen oder extra dafür mitgenommen, konnte leider nicht geklärt werden und zumindest eine kleine Genugtuung bekommt man trotzdem noch. Denn Kevin fällt einmal rücklinks auf die Bühne, wo er gleich von Sushi besprungen und besungen wird. Ja, die Jungs haben Spaß und das spiegelt sich in der Menge wider. Was will man mehr? Da ist es auch zu verschmerzen, dass SIDO, obwohl wir in der Hauptstadt, seiner Heimat, sind, bei ‚Best Day‘ leider nicht die Bühne betritt und zusammen mit Eskimo Callboy performt. Schade eigentlich.

Abgesehen von diesem kleinen Dämpfer, war der Abend wunderbar laut, schräg, lustig und trashig. Es gab lecker Bier, ein paar Ohrfeigen und verdammt gute Laune. Bin gespannt, wie die neue Scheibe von We Butter The Bread With Butter wird und bis dahin wird weiter Eskimo Callboys neue Platte gehört.

Mehr Bilder vom Abend findet ihr wie immer bei uns auf Facebook.

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