Matt Skiba & The Sekrets

Kuts

  • Artist: Matt Skiba & The Sekrets
  • Album: Kuts
  • Label: Superball Music
  • Release: 2015-05-29
  • Medium:
  • Bewertung:3

Diese lange, schlaksige und oft androgyn wirkende Emo-Punk-Legende namens Matt Skiba blüht im gesetzteren Alter scheinbar nochmal richtig auf. Auch, wenn sein Hauptprojekt Alkaline Trio derzeit weiter hinten in der Schublade liegt, kann sich Skiba nicht über mangelnde Beschäftigung beschweren. Als Ersatz für den immer weiter abgedrifteten Tom DeLonge trällert er die Klassiker der Teenie-Pop-Punker Blink 182 auf den Bühnen dieser Welt. Ganz nebenbei und fast heimlich kommt da sein Nebenprojekt Matt Skiba & The Sekrets um die Ecke. Hier ließ er schon beim ersten Album das Blut durch seine 80er-Jahre-Synthie-Pop-Ader fließen.

Nun kommt die zweite Platte und die 80er sind noch immer präsent. Schon das Cover hätte auch von Peter Gabriel sein können. Flippige Sonnenbrille auf weiß geschminkten Gesicht und abgespaced glitzernd-blauen Lippen. Styletechnisch ist der Herr Skiba also wieder die Shopping-Queen unter den Punkern. Nun aber zur Musik und der angesprochenen blutarmen 80er-Ader. Der Lebenssaft scheint etwas langsam zu fließen, denn man muss bis zur Mitte des Albums warten, bis die Synthies einsetzen. ‚I Just Killed To Say I Love You‘ heißt der Titel, der aufhorchen lässt und Erwartungen erfüllt. Das muss ja nicht gleich schlecht sein, wenn er denn bei den ersten fünf Songs überraschen und von Anfang an mitreißen würde. Das tut er aber leider nicht. Während der Vorgänger ‚Babylon‘ mit dem Opener ‚Vioces‘ gleich Druck machte, sinkt der der Blutdruck bei ‚Lonely And Kold‘ eher. Das einzig spannende daran ist, dass ein ‚C‘ oft durch ein ‚K‘ ersetzt wird. Das fängt schon beim Albumtitel ‚Kuts‘ an. Gemeint ist ‚Cuts‘, was wiederum das englische Kurzwort für das Karpaltunnelsyndrom ist. Ironischerweise leiden die Patienten hier an tauben Händen und schmerzenden Armen. Ironisch, weil man den ersten drei Songs ebenfalls eine gewisse Taubheit unterstellen könnte. Es passiert einfach nicht viel. Die Lieder plätschern dahin. Matt Skiba glänzt zwar mit seiner einmaligen Stimme und gewohnt tollen Gesangsmelodien, aber Druck und Spannung kommt trotzdem nicht wirklich zum Vorschein.

Klar, der Vergleich zum Alkaline Trio kommt immer wieder durch. Schließlich singt hier der Frontmann der drei Emo-Musketiere. Dennoch haben es die Sekrets beim letzten Album geschafft, eine neue Seite zu zeigen. Mit klarem Hang zu poppigeren Tönen haben sich alle Beteiligten ordentlich ausgetobt und ein Album geschaffen, dass für Energie strotzt. Viel haben die Drei gar nicht anders gemacht, trotzdem wirkt gerade die erste Hälfte der Platte starr und unspektakulär. Das ändert sich glücklicherweise in der zweiten Hälfte. Songs wie ‚Krashing‘ oder ‚Way Bakk When‘ bringen wieder genau die wunderschöne 80er-Atmosphäre zurück. Als hätten die ersten fünf Lieder den angesammelten Kalk in der Ader mühsam zu durchbrechen versucht und das Blut wieder zum fließen gebracht. Höhepunkt des Albums ist ‚Never Believe‘: Akkustikgitarre, effektvolle E-Gitarre, stampfende Bassdrum und Matt ‚The better Tom DeLonge‘ Skiba. Statt Kalk fließen endlich ein paar Endorphine mit ins Blut und ‚Kuts‘ ist sozusagen dann doch noch gerettet.

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