August Landmesser

August Landmesser

  • Artist: August Landmesser
  • Album: August Landmesser
  • Label: Eigenproduktion
  • Release: 18.06.2018
  • Medium:
  • Bewertung:2

Die polnische Punk- und Hardcore-Szene ist eine der lebendigsten überhaupt. Neue Trends werden hier so schnell wie in keiner anderen Community in die eigene Musik integriert, mit herum experimentiert. Benannt nach dem norddeutschen Arbeiter, Nonkonformisten und NS-Opfer August Landmesser vermischt das Sextett aus Opole Voivodeship ein ganzes Füllhorn an Stilen. Eine geeignete Schublade zu finden ist schier unmöglich, aber die Grundpfeiler ihrer erste Langrille bildet der Anarcho-/Crust-Punk.

Das Genre-Label kommt den sieben, bzw. neun äußerst eigenwilligen Songs nur ganz schüchtern nahe, obwohl die Lieder vor Ausdruckskraft nur so strotzen. Ein schwer groovender Beat, der eine Menge sludgigen Dreck aufwirbelt, psychotisch postmetallische Repititationen, klassische mehrstimmige Vocals von Frau und Mann in der Muttersprache, dark-wavig verzerrt, dazu wenig verzerrte Gitarren, ein polterndes Schlagzeug und heraus kommt ein Gebräu aus rostigen Nägeln, Wundstarrkrampf und Pest. Die Polen würdigen die Großen Alten – Killing Joke, Axegrinder, Cult Of Luna, Conflict, Nausea – durch das sezieren unserer Zivilisation und bringen ihr den gleichen Respekt entgegen, den wir den Armen, Schwachen und Flüchtlingen entgegen bringen, nämlich keinen. Roh, wütend und düster sowie teilweise tanzbar loten August Landmesser die Tiefen ihre musikalischen Idole aus. Teilweise übertreiben sie ein wenig, teilweise packen sie einen schon nach der ersten Takten wie zum Beispiel bei „D.I.Y.“, um sich dann wieder mit moderner Elektronika auseinandersetzen wie bei den beiden Bonus-Tracks. Trotzdem schaffen es August Landmesser, diesem wilden Crossover ihren ureigenen Stempel aufzudrücken.

Die Großen Alten dürfen stolz auf die jung-dynamische polnische Szene schauen – neben August Landmesser seien Orphange Named Earth, Means Of Control, Sturmovik oder Norylisk genannt – denn was sich dort zusammenbraut ist ein Lebenselixier, nach dem viele regionale Szenen, die immer wieder die alten Weisen spielen, schon so lange suchen. August Landmessers zweite Veröffentlichung soll ein Gradmesser, ein Leuchtturm für viele junge Bands sein, den Mut zu haben, alte Pfade zu verlassen.

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