Kansas

The Prelude Implicit

Das erste Kansas-Album nach dem Ausstieg von Langzeitfrontmann Steve Walsh geht ganz klar auf Nummer Sicher. Dessen Nachfolger Ronnie Platt klingt stimmlich exakt wie eine Mischung aus Walsh und John Elefante (der Walsh von 1981 bis 1984 vertreten hatte), und musikalisch gibt’s keine großen Experimente, sondern vornehmlich den klassischen Kansas-Sound der späten 1970er.

Das heißt im Klartext: große AOR-Hooklines, proglastige Arrangements, hardrockige Gitarren, eine fette Hammond-Orgel und natürlich die bandtypische Violine fügen sich zu einem urtypischen Gebräu, das jedem Fan der Klassiker ohne langes Nachdenken reingehen wird wie nur was. Der Opener (auch als Vorabsingle veröffentlicht) ‚With This Heart‘ ist ein entfernter Verwandter von ‚Hold On‘, das Epos ‚The Voyage Of Eight Eighteen‘ erinnert tatsächlich an Sachen wie ‚Song For America‘, und ‚Unsung Heroes‘ spielt sogar mit den bluesigen Einflüssen der Band. Aber, es geht auch anders:’Rhythm in the Spirit‘ mag aufs erste Hören etwas ungewöhnlich erscheinen, hier kombinieren Kansas ein Zeppelin-mäßiges Schlepper-Riff mit (unaufdringlichen) Drumloops, und im verfrickelten ‚Crowded Isolation‘ kann man sich einmal mehr zu Bewußtsein führen, wie viel sich gerade Dream Theater stilistisch von den alten Kansas-Scheiben abgeguckt hatten.

Klar, ob „The Prelude Implicit“ WIRKLICH auf Dauer mit liebgewonnenen Scheiben wie „Leftoverture“ oder „Song For America“ konkurrieren kann, bleibt abzuwarten. Betrachtet man die Scheibe aber davon losgelöst, muß man Kansas attestieren, eine schlicht großartige Scheibe gemacht zu haben, die sowohl der AOR- als auch der Old School-Prog-Konkurrenz der letzten Monate klar den Rang abläuft. Da auch die Produktion perfekt gelungen ist – warm und bodenständig, ohne trocken oder lasch zu wirken – kann ich hier ein bedenkenloses „Sehr Gut“ vergeben.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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