Kennt ihr schon… KYLER?

Wenn eine Rockband ihre Musik selbst als "Black Forest Groove Metal" bezeichnet, dann kann man sich zu Recht fragen, wie der Schwarzwald wohl klingen mag. Zumal die Jungs von Kyler aus dem südbadischen Offenburg seit ihrem neuen Album "Willkommen" im Gegensatz zur früher nur noch auf Deutsch bringen. Schwarzwälder Groove Metal also. Im Interview hat Gitarrist Ralf nicht nur diese beiden Fragen beantwortet, sondern auch geklärt, was es mit den angepissten, punkig anmutenden Texten auf sich hat.

Ihr kommt aus dem Raum Lahr im Südbadischen, nennt eure Mucke selbst „Black Forest Groove Metal“. Was an eurem Sound klingt denn nach Schwarzwald? Wie klingt der Schwarzwald überhaupt?

Metal vom Schwarzwald muss roh klingen! Brutal und mächtig, aber auch schön, leidenschaftlich und eingängig. Sozusagen ein musikalisches Spiegelbild der Landschaft, dem Wetter oder dem Humor der Menschen. Es muss authentisch klingen, eigenständig und vielschichtig. Und genauso klingen Kyler!

Und der Groove Metal Part? Da denkt man ja an Namen wie Fear Factory, Pantera oder Machine Head. Welche dieser Bands haben euch besonders geprägt?

An erster Stelle natürlich wie schon erwähnt, Pantera. Das war die Band die Kyler am meisten geprägt hat. Wir machen ziemlich einfache Musik, von der Struktur der Songs her. Wir wollen, daß die Songs beim Hörer hängen bleiben, das ist uns wichtig. Daß man einen Song von Kyler vielleicht ohne es zu merken, mitsummt oder nachpfeift.

Ihr habt kurz vor Weihnachten 2019 euer neues Album „Willkommen“ veröffentlicht. Erzählt doch ein bißchen, was euch wichtig ist.

Kyler hat sich als Band 2006 formiert, zu diesem Zeitpunkt hieß die Band noch Past All Hope. 2014 kam unser erstes Album „Swagger“ raus, auf das 2016 gleich das Nächste folgen sollte. Doch zu diesem Zeitpunkt verließen unser damaliger Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger die Band aus beruflichen Gründen. Nach etlichen Mitgliederwechseln haben wir mit Marco Schulz, Mario Schneider und Andi Biedermann endlich wieder Leute mit einer professionellen Attitüde gefunden. Mit diesen Jungs wollten wir schnell was auf die Beine stellen, deshalb haben wir uns entschlossen 2018 die EP ‘The Inner Pain’ aufzunehmen. Im Jahr darauf sind wir dann für „Willkommen“ direkt nochmal ins gleiche Studio. „Willkommen“ ist ein Song, der die erwähnte Zeit nach dem Ausstieg der drei ehemaligen Bandmitglieder und den Einstieg der jetzigen Jungs verarbeitet. Wir wollten damit sagen, das Kyler wieder in voller Stärke da sind! Daher auch der Albumtitel.

Wer eure bisherige Musik kennt, dürfte recht überrascht von den jetzt deutschen Texten auf „Willkommen“ sein. Dadurch wirkt eure Musik völlig anders. Wie kam die Entscheidung zustande, von Englisch zu Deutsch zu wechseln?

Wir wollten die Songs alle auf Deutsch singen, damit man die Wut, die Kritik und die Verlautbarungen in unseren Texten besser versteht. Und weil es für uns natürlich leichter ist, uns so auszudrücken. Schwierig war an den deutschen Texten, den jeweils richtigen Ausdruck zu finden um genau das zu sagen, was wir damit sagen wollen. Bei englischen Texten hat man mal schnell was hingeschrieben, was da gerade reinpasste. Aber bei der Sprache, die wir alle verstehen, war das schon eine Herausforderung.

Euer neues Video zu „Keinen Plan“ zeigt deutlich gesellschafts-politikkritische Bilder, die Texte klingen angepisst, aber auch ein bisschen resignativ. Würdet ihr euch als politisch „links“ bezeichnen?

Als Links würde ich uns nicht bezeichnen. Uns geht es eigentlich nur darum zu zeigen, was uns persönlich auf den Sack geht, was wir nicht richtig finden. Bei dem Song „Revolution“ gibt es zum Beispiel die Zeile ‘Wir wollen nie wieder, was einmal war’. Das soll zeigen, dass man aus alten Fehlern lernen sollte. Nicht wieder in diese Richtung gehen soll, wie es aktuell leider doch ist. „Abschaum“ könnte auch ein Song sein der uns in die linke Ecke drängt, aber wir sind nicht Links, gewiss nicht Rechts. Wir sagen einfach, daß es uns nicht sehr freut, wie vieles heutzutage abläuft.

Kyler sind:

Marco Schulz – Gitarre, Gesang
Ralf „Mad“ Thomas – Gitarre
Mario Schneider – Bass
Andreas Biedermann – Schlagzeug

Diskographie:

2009 – Sex, Booze & Metal (Demo)
2012 – Swagger (7hard records)
2018 – The Inner Pain (7hard records)
2019 – Willkommen (ZOUNDR)

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DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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