DIE HÜTTE ROCKT – Mit Ampeln und Tests zurück in die Normalität

Ein klassisches Festival mit Camping, zwei Bühnen und OHNE feste Sitzplätze mit großem Abstand im Sommer 2021? Kaum denkbar. Doch das sehr familiäre Festival „Hütte Rockt“ in Georgsmarienhütte (nahe Osnabrück) hat die Behörden von ihrem Hygienekonzept überzeugt und die Genehmigung für eine zumindest halbwegs normale Durchführung erhalten. Aber klar: safety first!

Begrenztes Zuschauerkontingent, tagesfrische Corona-Tests (Teststation ist vorhanden), Masken an allen Ständen und Durchgängen und ein Ampelsystem auf der Leinwand, das je nach Gedränge Masken und Abstand vorschreibt.

In der Tat fühlt es sich ein wenig befremdlich an, fast so „wie früher“ auf ein Konzert zu gehen. Aber es ist herrlich! Auch die Bands des Tages bringen allesamt ihre Freude über die Normalität zur Sprache.

Das Festival-Comeback startet mit Antiheld auf der Hauptbühne. Aus nicht näher genannten Gründen für diesen Tag zum akustischen Trio geschrumpft, spielen sie eine gute halbe Stunde ihre neu arrangierten Rock-Nummern für das erstaunlich große Publikum in Anbetracht der frühen Uhrzeit. Das hat jede Menge Spaß hat und zwingt die Jungs zu einer ungeplanten Zugabe.

Das eigentliche Duo Raum 27 ist dagegen zur vollen Band angewachsen. Mit einer Mischung aus Rock und Pop, stimmlich immer wieder an AnnenMayKantereit erinnernd, binden sie jedoch deutlich weniger Zuschauer*innen vor der Bühne.

Die Nebenbühne im Zelt findet leider durchgehend weniger Zuspruch. Das ist sehr schade, denn die Bands – weitestgehend Lokalmatadoren aus dem Großraum Osnabrück – sind allesamt zwar unbekannter, aber nicht schlechter als die bekannteren Namen auf der Hauptbühne. Außerdem haben die Organisatoren die Spielzeiten aufeinander abgepasst und keine Band spielt gleichzeitig. Charmana, Privacy, The Unexpected und About Monsters lassen sich jedoch die Spielfreude nicht nehmen und sind allesamt mehr als nur die Pausenmusik für die Hauptbühne. Insbesondere das Duo Brandmann macht trotz spärlicher Instrumentierung – die Truppe besteht nur aus Bass und Schlagzeug – einen Höllen-Lärm mit interessanten Sounds.

Festivals dienen immer dazu, sich von neuer Musik abholen zu lassen. Deine Cousine hat genau das mit dem ersten Ton geschafft. Die unter dem bürgerlichem Namen Ina Bredehorn geborene Sängerin hat die Gäste ab der ersten Minute mit ihrer sympathischen Art und den rockigen Songs mit gelegentlichen Punk-Einschlägen im Griff. Mehr Bühnenpräsenz geht nicht! Sie hat sich in der kurzen Zeit jede Menge Familienzuwachs erspielt.

Die sehr moderaten Getränke- und Essenspreise sind ein weiterer Beleg dafür, dass bei Hütte Rockt nicht der Kommerz, sondern die Musik im Vordergrund steht. Zwischendurch laden viele Bierbänke zum Ausruhen ein, immer wieder sieht man die Musiker*innen dort sitzen und sich mit den Fans austauschen.

Der erste Headliner, der das Front-Of-Stage-Gelände füllt und damit die Hygiene-Ampel durchgehend auf gelb leuchten lässt, ist die Berliner Truppe Milliarden. Mit ihren rockigen Nummern bringen sie das Publikum zum Tanzen und Hüpfen. Sie erinnern phasenweise an Rio Reiser und seine Scherben, nicht nur vom Klang, auch die linken Besetzer-Sympathien werden bei einer Ansage deutlich.

Die Elektro-Popper von Grossstadtgeflüster wirken zunächst – im Vergleich zu Vorgängerbands -musikalisch wie ein Fremdkörper. Sie schaffen es aber nach wenigen Takten des Fäkal-Titels „(Ich Scheiße) Auf Alles“ – was durchaus wörtlich gemeint ist, die Fans zu für sich gewinnen und liefern eine mehr als überzeugende Show ab.

Das Undankbare daran, an langen Festivaltagen als letzte Band aufzutreten, ist immer der Alkoholpegel im Publikum, der für Zwischen-Gegröle und trunkenheitsbedingtes Desinteresse sorgt. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage liefert das Trio Montreal großartig ab, bringt die Menge zum Kochen und beendet den ersten Tag mit ihren Punksongs. Die Fläche vor der Bühne verwandelt sich eine große Tanzfläche und überall zappeln die Körper zur Musik, oder wie die Jungs es in einem ihrer Songs besingen: „Endlich Wieder Discozeit“.

Ein dickes Dankeschön geht an die großartigen und engagagierten Mitglieder im Hütte Rockt Team! Ihr habt es – mit merkbar hohem Einsatz und Selbstlosigkeit – geschafft, für alle Musikfans einen großen Schritt zurück in das normale Live-Leben zu ermöglichen. Euer Konzept kann vielleicht Vorbild für andere Veranstaltungen sein, um – in hoffentlich naher Zukunft – wieder flächendeckend Kunst und Kultur genießen zu können.

 

 

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Fotocredit: Wolfgang@Whiskey-Soda

Wolfgang

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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