Halo

Vierzehn Alben in 32 Jahren bringen nicht viele Metal-Bands zustande. Amorphis schon. Mit „Halo“ legt das finnische Sextett das erste Album beim neuen Label Atomic Records vor. „Halo“ ist eine konsequente Fortsetzung der beiden direkten Vorgänger-Alben „Queen of Time“ (2018) und „Under the Red Cloud“ (2015) – und damit weit entfernt vom Gründungsmythos als Folk-Death-Metal-Band. Man muss aber neidlos anerkennen, daß die Mannen unter der Ägide des Star-Produzenten Jens Bogren ihren kristallklar produzierten, melodischen Metal mit starken Einflüssen von Symphonic- und Melodic-Death-Metal zu einer eigenen, (neuen) Marke gemacht haben. Belohnt wurde zuletzt das geschliffen produzierte „Queen of Time“ mit Platz 5 in den deutschen Album-Charts – ein Novum und die bisher höchste Platzierung in der Bandgeschichte. In ihrer metalaffinen, finnischen Heimat erobern Joutsen, Holopainen und Co seit den 2000er-Jahren regelmäßig die Spitze der Charts.

Die Band selbst hat in Interviews das aktuelle Album als „härter als zuletzt“ eingeordnet, es fällt aber vor allem die große Nähe zu den beiden Vorgängeralben auf. Das ist nicht als wirkliche Kritik gemeint, denn beide hatten alles zu bieten, wofür die Band in der jüngsten Zeit gefeiert wurde. Den melancholischen Klar- und den stürmischen Growl-Gesang von Frontmann Tomi Joutsen, die prominenten Keyboards und die ausufernd-cinematischen Gitarren. Thematisch spiegelt der Sound das lyrische Thema des Albums wie eh und je wider. Texter Pekka Kainulainen hat einmal mehr alte, finnische Lyrik ins Englische übertragen. Die lose zusammenhängenden Abenteuergeschichten erzählen aus alter Zeit, in die Menschen nach dem Ende der Eiszeit als Nomaden des Nordens durch die Lande zogen.

Allein schon in den Songtiteln wie „Northwards“, „Windmane“ oder „The Wolf“ kommt die Atmosphäre zum Tragen. Man fühlt sich zuhause mit den Songs. Vertraut. Eingängig und pompös sind die Lieder. Souverän vorgetragen und was die musikalische Finesse betrifft, über jeden Zweifel erhaben. Beispielsweise bei „The Moon“ im wundervollen Duett mit der israelischen Sängerin Noa Gruman (Scardust), bei „When The Gods Came“ mit interessanten Taktwechseln, einem treibenden Beat bei „The Wolf“. Bei „War“ zeigt Drummer Jan Rechberger beeindruckend, was er technisch auf dem Kasten hat. Bei der romantischen Folk-Metal-Ballade „My Name is Night“. Und. Und. Und.

„Halo“ ist ein einwandfreies Album mit viel Melodik, Melancholie und Dramatik. Wenn es denn ein Manko gibt, dann ist es möglicherweise die Tatsache, seinen beiden Vorgängern sehr ähnelt und nur im Detail kleine Überraschungen bietet. Aber das wird von allen anderen Vorzügen mit Leichtigkeit aufgewogen.

Note: 2+

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DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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