SONDASCHULE – Man ist eine Band, wenn…

...man aufgetreten ist. Sonst nichts. Keine Frage. Was außerdem noch haushohe Band-Egos, das auf ewig verankerte sich gegenseitig zu helfen - oder im besten Sinne - das ständig aufeinander Hängen und Spaß daran Haben für eine Band bedeutet – darüber haben wir mit Sondaschule-Sänger Costa gesprochen. Natürlich auch, was es zum 20-jährigen Jubiläum noch für Visionen der Band gibt oder warum es so wichtig ist, den Fans etwas zurückzugeben.

Ihr seid zum Donots-Label „Solitary Man Records“ gewechselt. Wie kam es dazu?

Durch einen glücklichen Zufall. Wir sind die erste Band in Deutschland – neben den Donots – auf dem Label. An dieser Stelle vielen Dank an die Donots für das Vertrauen!

Unsere Merchagentur sitzt im selben Haus wie die Donots, da kam der Wink mit dem Zaunpfahl, zudem haben wir auf dem 25-Jahre-Donots-Jubiläum gespielt, da haben wir auch schon darüber gesprochen.

Warum ausgerechnet jetzt?

Wir hatten einen großen Umbruch zu der Zeit, wir haben uns von unserem alten Produktionsteam getrennt, um neue Wege zu gehen. Das Label alleine zu machen habe ich mir nicht zugetraut, daher habe ich einfach mal angeklopft, ob es da nicht eine Möglichkeit zur Unterstützung gäbe. Auch die Freundschaft zu den Donots hilft da natürlich, uns den Weg zu ebnen und unter die Arme zu greifen.

Musst Du Dich manchmal kneifen, um zu realisieren, wie lange ihr das jetzt eigentlich schon macht?

Es ist verrückt. Wir feiern 20-jähriges Jubiläum dieses Jahr, damit hätten wir nie gerechnet! Dabei machen wir uns jünger, als wir eigentlich sind, weil wir uns 1999 gegründet haben, aber eine Band ist erst eine Band, wenn sie aufgetreten ist. Da wir 2002 das erste Konzert hatten, haben wir ab da offiziell gezählt. Wir sind mehr überrascht darüber, wo das alles hingeführt hat, als darüber, wie lange wir das schon machen. Wir sind immer noch eine Bande Freunde … Ich bin Trauzeuge unseres Gitarristen, wir hängen sehr, sehr eng aufeinander.

Wie habt ihr es geschafft, so lange durchzuhalten?

Wahrscheinlich, weil wir immer schon eine Liveband waren, ohne das eigene Ego zu pushen. Es geht eher darum, dass man gemeinsam etwas schafft, ganz egal wer die Ideen bringt. Vielleicht ist es bei anderen Bands eher so, dass man an Projekten arbeitet, dann fehlt irgendwann der Antrieb, dann streitet man und Ego-Probleme werden zu großen Problemen. Bei uns ging es nie darum, sondern nur um Konzerte zu spielen, eine gute Zeit zu haben und auf Tour zu sein. Wir wissen, was wir aneinander haben, können uns sehr gut einschätzen – uns lieben und hassen, nehmen das aber nicht böse. Unser Fundament wackelt nicht so leicht.

Ist „Unbesiegbar“ für Euch das emotionalste Album – allein schon durch den Tod Eures ehemaligen Gitarristen?

Das schwingt natürlich mit. Das wird für immer sein Album sein – wir haben es ihm gewidmet. Trotzdem macht es mittlerweile sehr viel Spaß, die Songs im Proberaum zu spielen, zu üben und wir können die Songs auch wieder genießen. Es hinterlässt einen positiven Vibe, weil wir wissen, was wir da zusammen noch auf die Beine gestellt haben. Durch die Musik wird er auch weiterleben. Wir hatten letztes Jahr schon einige Open Airs, wo wir noch nicht wirklich wussten, ob wir das machen sollen oder es überhaupt hinbekommen – direkt nach seinem Tod. Allerdings haben wir uns dafür entschieden – um es besser zu verarbeiten können, anstatt uns zu verstecken. Das war mit vielen Tränen verbunden und eine krasse Konfrontation mit der Realität. Wir kommen aber immer besser damit klar.

„Bevor ich irgendwann mal geh“ hast Du als Blubbi-Hymne bezeichnet.

Der Song muss natürlich auf jeder Show gespielt werden und gehört fortan immer dazu. Das wäre vielleicht auch ohne das tragische Ereignis so gewesen, weil wir den Song sehr mögen. Aber jetzt hat er noch mal mehr Platz in unserem Herzen.

Wie hat sich die Arbeit an der Platte gestaltet?

Die Pandemie hat die Arbeit schon sehr behindert. Es gab Zeiten, wo wir überhaupt nicht weitermachen konnten. Wir konnten zwar weiterhin Songs schreiben und vorproduzieren, aber gemeinsam ins Studio gehen war über ein halbes Jahr nicht möglich. Später gab es dann im Studio Zeitprobleme, der ursprüngliche Zeitplan mit der Reservierung war gestört und das dauerte dann schon 3-4 Monate, bis man wieder hineinrutschte. Das hat es natürlich sehr in die Länge gezogen. Ursprünglich hätte spätestens im Sommer 2021 das Album kommen sollen…

Schon heftig … nimmst Du dennoch auch etwas Positives aus den Pandemie-Zeiten mit?

Ich probiere immer etwas Positives mitzunehmen. Meine Oma hat immer gesagt „Wenn es regnet, freu ich mich, weil wenn ich weine, regnet es trotzdem“. Wir sind 18 Jahre lang in einem ziemlich schnellen Zug gefahren. Dieser Zug wurde nun plötzlich angehalten. Manchmal ist es auf einer Reise gar nicht schlecht, auch mal auszusteigen und sich da, wo man gerade ist, umzuschauen und sich mit sich selber zu beschäftigen. Wir sitzen jetzt wieder im Zug und die Notbremse wird so langsam gelockert. Aktuell befinden wir uns noch im Tunnel, aber am Ende ist schon das Licht.

Wie ist Eure Mini-Serie entstanden?

Die ersten sechs Songdemos waren gerade fertig und dann konnten wir ein halbes Jahr nicht ins Studio. Mit Stille und Stillstand kann ich persönlich sehr schlecht umgehen, daher habe ich zu den Demos einen Film geschrieben. Zuerst war das noch als Videos zu den Songs geplant, weil wir dachten, sobald wir ins Studio können, ist das Album fertig und die Videos stehen dann schon.

Wie kam dann der Wechsel vom Musikvideo hin zum Film?

Ich habe das aber für alle sechs Songs gemacht: einen Film geschrieben, mit einer befreundeten Schauspielerin die Charaktere entwickelt, mit unserem damaligen Saxofonisten an den Dialogen gearbeitet, Ralf Richter angerufen und gefragt, ob er Zeit und Lust hätte, uns zu unterstützen. Da überall gerade Stillstand herrschte, hat das erstaunlich gut geklappt. Gedreht haben wir in einem Hochzeitshotel, wo man sonst nie einen Platz bekäme, weil die komplett ausgebucht sind. Es war auf einmal alles möglich, was sonst nie gegangen wäre. Wir haben das dann als Mini-Serie veröffentlicht, damit sich die Promo besser verteilt. Wenn der Film als Ganzes kommt, wird sich erst zeigen, was wir uns eigentlich vorgestellt haben. Sofern ich mir deutsche Serien anschaue – was ich selten tue – glaube ich, dass wir das gar nicht schlecht hinbekommen haben.

Wie stellt Ihr euch die Konzerte vor, wenn es endlich wieder losgehen darf?

Das erste Clubkonzert, welches wir im November spielen durften – man merkte bei den ersten Songs ganz genau, dass die Leute noch nicht richtig damit umzugehen wussten: Ist das alles richtig hier?

Es war sehr verhalten. Am Ende des Konzerts lagen die Leute aufeinander, alle hingen sich in den Armen. Es war alles vergessen und man hat so viel Freude gesehen. Alle warten und wollen das, was sie so vermissen, wieder erleben.

Ihr habt auch Picknick-Konzerte gespielt – wie war da der Eindruck als Band?

Total verrückt. In jedem Bundesland war es anders. Beim letzten Konzert in Münster: eine Riesenwiese mit eingezeichneten Karos und 5-10 Meter Abstand dazwischen. Ein Wochenende vorher in Bonn standen alle schon relativ nah beieinander. Wir wussten nie, wie es gerade aussieht, das war schon ziemlich spannend. Aber auf jeden Fall besser als Autokinos, welche wir 2020 gespielt hatten. Das war ganz komisch, weil man gar keine Leute sieht – nur Hupen und Lichtsignale. Die Picknick-Konzerte waren da eindeutig mehr in Richtung Normalität. Uns hat das sehr viel Kraft gegeben und wir als Band brauchen das auch zum Überleben – nicht nur finanziell. Es war ein schöner Sommer, wir wünschen uns aber schon, dass es noch normaler zugeht.

Ihr habt an der „Rettet die Clubs“-Aktion im Herbst teilgenommen. War Euch das eine Herzensangelegenheit?

Gerade jetzt ist es wichtig, dass man sich gegenseitig hilft. Was sind Bands ohne Clubs? Wenn es eine Band jetzt schon schwer hat, wie soll es da erst Clubs gehen. Da können noch so viele gute Songs geschrieben werden, wenn es keine Orte mehr gibt, um die aufzuführen… wir sitzen alle in einem Boot.

Habt ihr bewusst Vincent Sorg als Produzent gewählt?

Zum 20-jährigen Jubiläum passt es natürlich super, einmal mit dem König der Rock- und Punkproduzenten zu arbeiten. Ich habe ihn etwas angebettelt, mich mit ihm getroffen und ihm erklärt, was ich vom Album für eine Vision habe, dass er dafür mein Wunschkandidat ist. Zum Glück hatte er da Bock drauf. Nach vier oder fünf Alben mit unserem letzten Produzententeam war es an der Zeit, mal etwas Neues auszuprobieren. Wir haben es sehr genossen, mit ihm zu arbeiten und freuen uns auf hoffentlich ein oder zwei weitere gemeinsame Alben.

Wolltet ihr die Band auf ein neues Level heben?

Wir sind uns sehr, sehr sicher, dass die Leute da draußen entscheiden werden, was geht auf die nächste Stufe und was nicht. Entweder wird es geliebt und gehyped oder nicht. Vincent Sorg kann da natürlich viel in diese Richtung vorbereiten, dass Leute etwas fühlen und das nächste große Ding wittern – aber im Endeffekt entscheidet das immer die Szene oder die Leute sowie eine Mischung aus Glück und Zeitgeist. Etwas, das man nicht beeinflussen kann, denn sonst würde das ja jeder machen.

Es ist uns sehr wichtig, den Leuten was zurückzugeben als Dankeschön dafür, dass sie uns immer noch unterstützen, anstatt uns nur bei Spotify zu hören.

Fotocredit: Flo Ehlich

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