FJØRT – Nichts

Als FJØRT im Jahr 2017 ihr Album „Couleur“ veröffentlichten, war dies ein brachiales und gewaltiges Manifest, dessen Musik in deutschen Landen so bisher kaum zu hören war. Doch danach wurde es still um die Gruppe aus Aachen, bis dieses Jahr der große Knall kam: Binnen zwei Tagen acht Konzerte in zwei Städten und am Ende die große Live-Ankündigung von „Nichts“ (Grand Hotel van Cleef).

„Nichts“ knüpft im ersten Moment nicht an seinen Vorgänger an. Der mit über sechs Minuten fast schon epische Titeltrack weißt überraschend deutliche Melodien auf. Sänger Chris Hell holt sogar Klargesang aus seinem Kehlkopf heraus. Trotzdem schafft es das Trio, dass auch auf ihrem vierten Longplayer sofort eine düstere Stimmung entsteht, wie es nur FJØRT können.

Dennoch sind die bereits im Titeltracks auftretenden Elemente überraschend stark über die gesamten 50 Minuten Spielzeit vertreten. Immer wieder werden klare Gesangslinien wie in „sfspc“, „lakk“ oder „Fernost“ eingebaut. Hinzu gesellt sich in „Kolt“ eine Spoke-Word-Passage. Auch die Gitarrenarbeit schließt sich teilweise dieser etwas eingängigeren und melodiösen Tendenz an. Teilweise erinnert sie schon an die indie-lastigen Einschläge wie sie Post-Hardcore-Kollegen wie Touché Amoré haben.

Alles neu also bei FJØRT? Mit Nichten! „Nichts“ entfalten trotzdem die Wucht, die man von der Band erwartet. Tracks wie „lod“, „schrot“, „salz“ oder „bonheur“ sind echte Post-Hardcore-Brecher, die die Fans glücklich machen.

Textlich nehmen FJØRT wie bisher kein Blatt vor den Mund. Die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen wecken bei den drei Jungs Frustration. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist zerbrochen. Die eigene Generation der Millennials hängt nur Träge rum. Die Menschheit ist blind vor Konsum. An gesellschaftspolitischer Inspiration mangelt es dem Trio nicht.

FJØRT liefern den logischen Nachfolger von „Couleur“. Die Band entwickelt sich vorsichtig weiter und baut neue Elemente ein, ohne jedoch ihren ureigenen Sound zu verlieren. „Nichts“ sprüht dabei von Energie und gleichzeitig vor Frustration. Es ist ein weiteres Manifest einer beeindruckenden Band.

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Dominik

Groß geworden mit Punkrock und Power-Metal, weiterentwickelt mit Alternative und Thrash-Metal, erwachsen geworden mit ein bisschen Progressive-Metal. Und dennoch bleiben die All-Time-Favorites klassisch: Bad Religion, Die Toten Hosen, Machine Head, Iron Maiden, Blind Guardian, Faith No More.... und aus unerfindlichen Gründen mit einer heimlichen Zuneigung zu J.B.O. 

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