Melechesh

Enki

  • Artist: Melechesh
  • Album: Enki
  • Label: Nuclear Blast
  • Release: 2015-02-27
  • Medium:
  • Bewertung:2

Melechesh sind so richtig schön böse. Manche Black Metal-Bands haben zu viel Lächerliches in ihrem Evil-Quotienten, manche Black Metal-Bands sind nicht böse und wollen nicht böse sein. Manche haben in ihrer Bösartigkeit einen intellektuellen Anspruch, der zumindest die fiesesten Spitzen wegnimmt – Behemoth zum Beispiel. Und dann gibt es die seltenen Beispiele, in denen die Band es ohne allzu großen Firlefanz schafft, eine gewisse Form von Unwohlsein hervorzurufen. Dazu gehören Melechesh.

Das ganze Album atmet den stinkenden schwarzen Odem des Okkultismus. Da wird nicht bzw. nur minimal gepost, provoziert oder mit dem Donnerknüppel geprügelt – Melechesh schaffen es ganz einfach über die Musik und den Gesang sowie die Texte, „echt“ zu wirken. Klassisch kreischen 90er-Jahre-Gitarrenläufe vor ultraderbstem Blastspeedgedresche, das fieser nicht sein könnte, und am Mikro gibts richtig rotzig fieses Gekeife, das nicht auf die Panda-Am-Spieß-Tonart hinaufgeht sondern eher an eine noch fiesere Version von Carcass erinnert – dazu jede Menge orientalischer Melodien: Melechesh haben hier ein ganz ganz fein schwarzes Süppchen am kochen.

Die Stücke sind komplex, kombinieren nachvollziehbare Melodien in den Refrains mit knallharten progressiven Passagen, die aber immer im Dienst des Songs stehen und auf gar keinen Fall Überhand nehmen. Melechesh erinnern in Struktur, Melodien und Intensität an Nile – bloß dass es eben kein Grunzcore ist sondern Black Metal. Natürlich ragt „Lost Tribes“ hervor – das Duett mit Max Cavalera ist nicht nur im Kontext etwas besonderes, sondern zeigt, dass mit Melechesh auch eine Band dabei ist, die ähnlich wie Max Cavalera ihre eigenen, eher ausgefallenen kulturellen Wurzeln in die Musik einfließen lässt. Neben Cavalera gibt später auch noch Rotting Christ – Sänger Tolis seine Visitenkarte ab.

Natürlich darf bei so viel wunderbar derben Chaos eine Ambient-Entspannung nicht fehlen, „Doorways To Irkala“ schafft Platz im Hirn für den Genuß des abschließenden 13minütigen „The Outsiders“ in dem Melechesh noch einmal gekonnt alle Register ziehen.

Eigentlich hatten sowohl Drumlegende Proskriptor als auch Gitarrist Moloch ihre Musikkarriere an den Nagel gehängt, aber Moloch hat das Album noch eingespielt – keine radikalen Änderungen also, insbesondere da mit dem Drummer des Debutalbums auch die Lücke am Schlagwerk zumindest temporär geschlossen wurde.

Melechesh sind eine wunderbare Erscheinung im häufig zu einheitlichen Bild des Black Metals, der jenseits all des ja ebenfalls sehr gleich klingenden Post Black Metal zu unoriginell ist, um Neues auf die Beine zu stellen. Melechesh selbst machen hier zwar auch nicht viel neu – zumindest im Vergleich zu ihrer Bandgeschichte. Im Sumpf des Einheitsmetals sind sie aber herausragend originell.

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