Die Großen überzeugen, die Kleinen noch mehr: Ingos Jahresrückblick 2015

Gefühlt war es das Jahr der großen Bands, die noch einmal zeigten, dass sie es noch draufhaben. Slayer zermörtelten alles und führten die Charts an, Iron Maiden haben bewiesen, dass sie doch noch wissen, wie man große Songs schreibt und vor allem eine ordentliche Produktion hinbekommt, Cradle Of Filth besannen sich auf alte Stärken, Paradise Lost suhlten sich erfolgreich in ihren Death/Doom-Wurzeln und mit Lemmy Kilmister trat zu Jahresende einer der ganz Großen von der Rock'n'Roll-Bühne ab. Doch vor allem "kleinere" Bands und Newcomer überzeugten 2015 und sorgten für die eine oder andere Überraschung.

jahresrckblick_udo.jpgFaith No More zeigten mit „Sol Invictus“, dass sie immer noch genauso verquere Songs schreiben wie zu ihrer Hochphase, insgesamt blieb dann aber doch recht wenig von dem heiß erwarteten Album im Ohr hängen. Trotzdem sorgten sie wohl für den nostalgischen Moment des Jahres, ebenso wie Therapy?, die auf „Disquiet“ einige Querverweise zum großen „Troublegum“ zogen. Livealben gab es auch, hier überzeugten besonders U.D.O. mit „Navy Metal Night“ und herrlich martialischem Gebläse.

Helloween setzten ihre qualitativ-kreative Hochphase mit „My God-Given Right“ weiter fort und zauberten wieder einige Ohrwürmer hervor, Ensiferum zogen auf „One Man Army“ den Härtegrad wieder an, ohne den Melodiefaktor zu vernachlässigen. Diese Band ist immer eine Bank und gehörte auch dieses Jahr wieder zu den meistgehörtesten Künstlern des Jahres. Ebenso wie Graveworm, die neben einem ziemlich schrägen Bon Jovi-Cover von „Runaway“ wieder mit „Ascending Hate“ eine dunkle Wand hochzogen.

Orden Ogan überzeugten mit „Ravenhead“ einmal mehr und arbeiteten weiter an ihrem Status, mittlerweile eine der besten Power Metal-Bands der Republik zu sein. Nightwish legten mit „Endless Forms Most Beautiful“ eines ihrer ambitioniertesten Werke vor, Floor Jansen bot bei ihrer Studiopremiere eine tadellose Leistung, dennoch war der Überraschungsfaktor relativ gering, was den Albumgenuss aber nicht schmälerte.

Pussy Sisster polarisieren nach wie vor, doch „Arrogance“ zeigte, dass die Glamrocker viel mehr drauf haben, als bei jedem TV-Format auf den privaten Sendern sich zu vermarkten und zu präsentieren, nämlich gute, gefühlvolle Songs mit jeder Menge Eier.

jahresrckblick_leaves.jpg “ Keine Überraschung, aber eine erneute bockstarke Leistung lieferte Mr. Gothic Metal himself, Morten Veland, mit Sirenia und „The Seventh Life Path“ ab. Dieser Mann steht seit Jahren für perfekte Songs in Breitwandproduktion mit großen Melodien und Emotionen.

Deutlich überraschender war dagegen „I Worship Chaos“ von Children Of Bodom, nach den letzten eher stagnierenden Werken zeigten hier Alexi Laiho und Co. Frische, Aggressivität und verzweifelte Melodien.

Die Kategorie Quantensprung des Jahres entschieden Leave’s Eyes mit „King Of Kings“ für sich, die Süddeutschen standen bereits seit ihren Anfängen für hochwertige Gothic/Symphonic Metal-Alben, doch das 2015er Werk präsentierte die Band um Sängerin Liv Kristine so abwechslungsreich, vielfältig, intensiv, bombastisch und mitreißend wie noch nie. Für mich das Album des Jahres, verführerisch und heftig zugleich.

jahresrckblick_btb.jpg “ Den Titel Newcomer und Überraschung 2015 verdienen sich jedoch Beyond The Black mit ihrem Debüt „Songs Of Love And Death“: Vorwürfe von Kunstprodukt, gecasteten Musikern usw. seien dahin gestellt, was bleibt ist ein hochwertiges, professionelles Album mit lodernen, dunklen, leidenschaftlichen Hymnen wie dem Titeltrack, „In The Shadows“ oder „Hallelujah“ auch noch Monate nach der Veröffentlichung überzeugt.

Bleibt für 2016 zu hoffen, dass die Qualität der Veröffentlichungen weiter so hoch bleibt, andere etablierte Bands wie Megadeth entsprechend nachziehen und viele Bands aus der 2. Reihe ebenso zum großen Wurf ansetzen. Für mich persönlich hoffe ich auf wieder wesentlich mehr Zeit für gute Musik, was euch, liebe Leser, ja auch zugute kommen sollte…

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