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Herzblut Festival 2016 – Neue Deutsche Härte im Sechserpack

1.jpg “ Mit der 1993 gegründeten Band Mystigma wird dann um 17:00 Uhr der offizielle Teil des Festival eröffnet, die Fläche vor der Bühne – die dieses Jahr definitiv weniger Platz bietet als noch 2015 – füllt sich zumindest langsam. Nach dem Opener spielen One I Cinema. Ob beide Bands dem Geschmack der meisten Anwesenden entsprachen kann nicht abschließend geklärt werden. Es entsteht jedoch der Eindruck, (der sich im Laufe des Abends festigen sollte) dass die meisten Gäste noch in Lauerstellung liegen. Irgendwie will sich der Bereich vor der Bühne nicht so recht von einem Heer aus Besuchern in Schwarz füllen lassen.

2.jpg „Um 19:35 Uhr, also noch verdammt früh am Abend, ist der subjektive Höhepunkt des Abends mit Ost+Front erreicht. Die Zuschauerbereiche, also direkt vor der Bühne als auch auf den VIP-Plätzen, sind voll. Endlich wird gesprungen, getanzt und zum Song ‚Bruderherz‘ sogar gepogt.
Damit liefern Ost+Front nicht nur eine wie gewohnt ausgezeichnete Show, sondern auch mal eben die Beste Performance des Abends. Nicht einmal (und so viel greifen wir einfach mal vorweg) bei den Headlinern wird später ernsthaft nach einer Zugabe verlangt. Bei Ost+Front schon. Zumindest die kleine Zugabe gibt es im Foyer: Ost+Front ist hier am Merchandise-Stand anzutreffen, um fleißig Fotos mit Fans zu machen. Auch Unzucht lässt es nun etwas brachialer angehen, was beim Publikum ebenfalls gut ankommt. Allerdings nimmt die Zuschauerzahl bei diesem Auftritt schon wieder ab: Viele verweilen draußen in dem kleinen abgezäunten Raucherbereich, wo Zelte und Bierzeltgarnituren den Aufenthalt angenehmer machen. Allerdings wäre bei dem nasskalten Wetter in Hildesheim ein Heizstrahler hier nicht verkehrt gewesen. Dafür wurde vorzüglich für das leibliche Wohl gesorgt – die Pommes verdienen gar eine extra Portion Lob.

3.jpg „Mit Lacrimas Profundere kippt die Stimmung jetzt vollends. Auch wenn es sicherlich nett ist, sich deren Musik zu Hause auf dem Sofa bei Schlechtwetter reinzuziehen, so ist die melancholisch angehauchte, eher tragende Mucke gegen zwölf Uhr nach Bands wie Ost+Front und Unzucht fehl am Platz. Der Raum vor der Bühne wird stetig leerer und als die Band die Klampfe auspackt, kann man mehr und mehr Leute wegnicken sehen. Verschwörungstheoretiker sind an dieser Stelle herzlich dazu eingeladen eine Verbindung zwischen dem angebotenen Kaffe und der Running Order zu ziehen. So kommt mit Megaherzs ersten Laune-verbreitenden Songs zumindest ein Fünkchen Hoffnung auf ein Erwachen der Zuhörer auf und die Menge vor der Bühne schwillt tatsächlich noch einmal an. Doch ehe sich das Fünkchen in eine lodernde Flamme verwandelt, greifen auch Megaherz auf ein Repertoire an Balladen zurück und man sieht alsbald mehr und mehr Menschen die Halle verlassen.

4.jpg “ Ob nun der entfallene Headliner Haudegen die Stimmung hätte heben können sei dahin gestellt. Die bestehende Konstellation der Bands war jedenfalls in dieser Form gewöhnungsbedürftig und auch die Songs hätten vermutlich besser ausgewählt werden können. Mit traurigem Sarkasmus möchten wir zumindest darauf hinweisen, dass das post-payed-Konzept bei der Garderobe aufgegangen ist. Für die meisten Besucher hätte sich wohl eine Karte für ein Ost+Front Konzert mehr gelohnt, auch wenn sie dann auf die leckeren Pommes verzichten hätten müssen. Immerhin hat der Veranstalter zugesagt, dass Karten vom Herzblut 2016 ihre Gültigkeit für ein Ersatzkonzert von Haudegen behalten.

Text und Fotos: Daniel Stahlmann
Redaktion: Daniel Frick

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