Demon

Cemetary Junction

Demon haben es kommerziell betrachtet leider nie so richtig in die erste Liga geschafft. An der Qualität der Musik hat das nicht gelegen, gehören doch ihre ersten beiden Alben „Night Of The Demon“ und „The Unexpected Guest“ zu den wichtigsten Klassikern der NWOBHM. Doch Demon war musikalische Weiterentwicklung und Glaubwürdigkeit wichtiger als das Verharren in Genrekonventionen, und so verprellten sie das konservative Metalpublikum mit dem 1983er Konzeptalbum „The Plague“ – eines der besten Alben der Neoprog-Bewegung. In der Folge präsentierten sich Demon mal proggiger (das floydige „British Standard Approved“ und die eingängige „Heart Of Our Time“) und mal wieder härter („Breakout“), bevor sie 1989 mit dem Jahrhundertalbum „Taking The World By Storm“ alle ihre Einflüsse perfekt bündelten und auf den Punkt nagelten. Die breite Masse hingegen bekam davon mal wieder nichts mit, und Mitte der 1990er trennte sich die Band.

Nun sind Demon seit 2001 wie viele ihrer Kollegen auch wieder aktiv und präsentieren nun ihr mittlerweile dreizehntes Studioalbum. War schon das letzte Album „Unbroken“ nach ein paar schwächeren Alben wieder ein Schritt in die richtige Richtung, kann „Cemetary Junction“ wieder fast auf voller Länge überzeugen. Klar, das schwindelerregende Niveau ihrer ersten sieben Alben werden die Jungs um Sänger Dave Hill wohl nicht mehr erreichen, aber Songs wie ‚Life In Berlin‘, ‚The Best Is Yet To Come‘, die Ballade ‚Thin Disguise‘ und das Titelstück haben genau diese Mischung aus hardrockigem Drive, neoproggigen Sounds, fesselnder Atmosphäre, ultraeingängigen Hooklines und – allem voran – den nach wie vor gänsehautigen Vocals des Bandchefs. Einen enormen Glücksgriff hat die Band aber auch mit Keyboarder Karl Waye gemacht, der die Abwechslung im Songwriting mit seinen oft sehr Metal-untypischen Sounds kräftig unterstützt. Ja, und besagte Abwechslung wird auf „Cemetary Junction“ in der Tat großgeschrieben. Neben an den Vorgänger gemahnenden Biker-Rockern wie ‚Turn On The Magic‘ oder dem an jüngere Uriah Heep-Alben erinnernden Opener ‚Are You Just Like Me‘ gibt es mit dem getragenen, etwas an Phil Lynotts wavige Soloalben erinnernden ‚Queen Of Hollywood‘, dem spukig-soundtrackartigen ‚Someone’s Watching You‘ und dem melancholischen ‚Miracle‘ (erinnert in der ersten Hälfte klar ans „British Standard Approved“-Album) eine ganze Menge scheuklappenfreier Stoff, der eingefleischte Demon-Fans begeistern wird, orthodoxe Metal-/Hardrockfans aber womöglich wieder einmal an die Grenzen der Toleranz führen könnte. So richtig durchs Qualitätsraster fällt lediglich das schräge ‚Out Of Control‘, bei dem es die Jungs und vor allem Dave mit dem „Madman“-Drama ein wenig übertreiben und dabei die Melodien etwas vergessen. Sowas sollte man vielleicht nur machen, wenn man Ozzy heißt.

Einen kleinen Mecker gibt’s nur wegen der Produktion, die – wie auf den letzten paar Scheiben auch schon – ein wenig zu sehr hausgemacht und, ganz offen gesagt, altbacken klingt. Klar, Demon sind alte Schule und eben zur Zeit nicht mehr als ein Teilzeit- und Liebhaberprojekt, aber mit druckvollerer und transparenterer Produktion hätten die Songs eben nochmal deutlich besser gewirkt. Das kann aber dennoch nichts daran ändern, daß „Cemetary Junction“ die beste Demon-Scheibe seit der 1991er „Hold On To The Dream“ (der sie auch stilistisch etwas ähnelt) geworden ist. Well done, guys!

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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