BROILERS – Das wird schon alles irgendwie

Die Broilers haben mit „Puro Amor“ ihr jüngstes Baby in die Welt entlassen. Wieso sich die Platte nach der u.a. poppigen „Santa Muerte“, der düsteren „Noir“ oder der deutlich politischeren (sic!)“ zum musikalischen Freischwimmer eignet, oder was es überhaupt mit dem Broilers-Sound auf sich hat - darüber haben wir mit Gitarrist Ron Hübner gesprochen. Außerdem auch darüber, wie schön es ist, etwas zurückzugeben – gerade in der aktuellen Zeit.

Für mich wirkt die Platte sehr frei. Ist es euch mittlerweile egal, sich über Stile Gedanken zu machen?

Genau! Wir haben in der Vergangenheit schon immer das gemacht, wozu wir Lust hatten. Etwas mehr in die Poprichtung zu gehen, etwas ganz Düsteres zu machen. Wir schreiben ja nicht mit der Prämisse, es muss ein hartes Lied werden. Das wünschen wir uns zwar teilweise, und am Ende wird es dann aber im Studio eine ganz seichte Nummer. Das kann man vorher nie so genau wissen, wie es herausfließt. Sammy, der die Sachen schreibt, hat seine Ideen zur Umsetzung im Kopf. Das probiert man dann gemeinsam aus, und manchmal sind wir selber überrascht was am Ende rauskommt.

Hat das mit einer Erwartungshaltung an den Sound zu tun?

Eine stetige Entwicklung wollen wir immer haben und uns auch weiter ausprobieren. Bei diesem Album haben wir gemerkt, wir hatten beim letzten wenig bis gar keine Bläser dabei, wir wollten diesmal wieder unbedingt Bläser haben.

Schon direkt zum Einstieg.

Ja, das knallt einfach! Es gibt so manche Stilrichtungen, die wir beibehalten wollen, die wir fokussieren und in den Vordergrund spielen, aber nicht im Sinne einer Checkliste. Am Ende ist es schön, wenn es ausgewogen ist. Wenn es nicht zu ruhig ist und es genügend Gitarrenelemente gibt. Das haben wir bisher – für uns – immer geschafft.

Den Broilers Sound.

Kein Punk. Kein Oi. Keine Ska-Reggae-Band. Wir nehmen uns aus allen Genres die Teile raus, die wir lieben und adaptieren können.

Ihr habt die Produktion für das Album wegen Corona unterbrochen. Wie schwer ist es, dann wieder hineinzufinden?

Wir waren eigentlich schon sehr weit und das Album sollte ja mit den ganzen geplanten Open-Airs herauskommen. Das wurde durch die ganze Corona-Geschichte hinten angestellt. Sammy hatte dann – ich will nicht sagen eine Schreibblockade – aber wenn so was auf einen trifft, dann ist erst mal nichts da. Es ist schwierig, wenn man durch den Lockdown nicht raus kann und keinen Input bekommt und alles noch beschissener ist, als es sowieso schon ist.
Irgendwann sind wir gemeinsam in den Proberaum gegangen um Musik zu machen, einfach etwas auszuprobieren. Sammy meinte, er hätte wieder was geschrieben, bis wir dann an den Punkt gekommen sind, zu sagen, wir wissen nicht, wie lange die ganze Pandemie noch weitergeht. Mehr wollen und können wir jetzt nicht schreiben, sonst wird es ein Doppel-, Dreifach- oder Vierfachalbum. Wir bringen jetzt das raus, was wir fertiggemacht haben, da stehen wir auch voll dahinter. Durch das mehr an Zeit sind meiner Meinung nach ein paar Songs dazugekommen, die dem Album ganz gutgetan haben, es hat dadurch noch ein bisschen ein etwas anderes Gesicht bekommen.

Ist man da auch euphorischer, überhaupt wieder zusammen Musik machen zu dürfen?

Erst mal ist man vorsichtig, im Privaten war ja auch alles stillgelegt. Wir haben uns selber dann eine zwei- bis dreiwöchige Quarantäne vorgeschrieben. Wir haben mit der Band massenweise Tests gekauft, auch zum Proben. Sind nur vereinzelt ins Studio gefahren und zum Glück haben wir einen relativ großen Proberaum, sodass wir alle weit genug auseinanderstehen können. Aber es war – und ist ja immer noch – eine megaschwierige Situation. So richtig kann man das gar nicht fassen.

Kommt ihr aufgrund eures Bekanntheitsstatus noch halbwegs besser durch die Krise?

Das trifft jeden gleich. Bei uns kannst du die Größe zwar bei einer Veranstaltung nicht auf ein paar Hundert Leute runterbrechen, aber dafür hat dagegen der kleine Club, eben nicht die Belüftungsmöglichkeiten. Die werden, wenn es ganz blöd läuft, aussterben, wenn sie nicht subventioniert oder unterstützt werden, was einer Katastrophe gleichkommt. Egal von welcher Seite man es betrachtet, es ist einfach eine miese Situation.

Wie stellt ihr euch die Konzerte vor, wenn es endlich wieder losgehen darf?

Wir gehen stark davon aus, wenn es wieder losgeht, ist es einfach nur Ekstase und Euphorie pur. Die Leute rasten aus, alle machen dicke Party. Das wird schon eine sehr intensive Zeit werden, die wir und die Leute genießen werden. Das wird episch und die ganze Zeit vorher vergessen machen. Ich sehne mich so danach, diese Atmosphäre wieder einzusaugen, ob auf der Bühne oder davor ist mir egal am Ende, Hauptsache, man ist mittendrin. Da krieg ich jetzt schon Gänsehaut.

Wieso habt ihr „Gib das Schiff nicht auf!“ als erste Singleauskopplung gewählt?

Wir diskutieren darüber und hatten bei „Puro Amor“ so ein, zwei Kandidaten, sind aber schnell auf „Gib das Schiff nicht auf!“ gekommen. Die Lieder, die Sammy schreibt, sind ja immer recht frei interpretierbar. Jeder kann sich da hineinversetzen und hat eine eigene Situation damit. Im Bandkontext war der Song über eine Phase, wo es etwas gekriselt hat – wie es auch in jeder langen Beziehung mal kriselt. Er schreibt viele Lieder über seine Gefühlslage, oder was er dann gerade so denkt. Das Lied passte dann aber auch gut in die jetzige Zeit: Nicht aufgeben, daran glauben, dass alles wieder besser wird. Als Mutmacher-Song.

Ihr habt diesmal kleine Referenzen an euch selbst eingestreut (u. a. „Schwer verliebter Hooligan“ oder „Nicht alles endet irgendwann“). Wie kam das?

Beim Aufnehmen war z. B. die „Laster und Sünde“-Gitarre als Zitat, das schleicht sich dann so mit rein. Und auch textmäßig hat Sammy dann noch so Kniffe gemacht. Das war anfangs nicht gewollt, ist dann aber immer mehr geworden. Ich weiß nicht mehr, wer das gesagt hat, aber wenn man schon musikalisch irgendwo was klaut, warum nicht bei sich selber?

Zum Video von „Alles wird wieder ok“ gibt es eine besondere Fanbeteiligung. Ihr habt neben Fans auch z.B. Firmen, kleine Familienunternehmen oder die Gastro zum Mitmachen aufgerufen. Wie seid ihr darauf gekommen?

Wir dachten, es wäre schön, die Plattform, die wir haben, den verschiedenen Leuten zu geben. Es ist schön, etwas zurückzugeben, weil manche ja nicht gehört, manche nicht gesehen werden. Leider konnten wir aber nicht alle abbilden. Das hat uns echt umgehauen, was da an Resonanz kam. Wir haben geschaut, dass das Ergebnis gemischt ist mit Leuten aus der Szene bzw. szenebezogen, aber auch aus dem normalen Leben. Wir haben Brotbäcker dabei, eine Pizzeria, einen Kiosk, alle möglichen Sachen. Einfach so ein breites Spektrum wie möglich. Alle haben sich darüber gefreut, dass da ein Filmteam kommt und sie abbildet.

Fotocredit: Robert Eikelpoth

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