BLOOD COMMAND – Tief fliegende Sängerin auf Hamburgs Fischmarkt

Die Zeichen stehen auf Sturm. Überall. Krieg in der Ukraine. Corona-Herbst in Sichtweite. Energie-Krise. Friedrich Merz. Ein Grüner macht Deals mit Dubai. Ein Kanzler mit akuter Demenz. Alles Gründe, keine gute Laune zu haben. Dafür alles Gründe, schlechte Laune zu haben. Der beste Grund, sich mal so richtig anbrüllen zu lassen. Nicht wie der blöde Chef, sondern das reinigende Brüllen von Nikki Brunnen, Sängerin der Norwegischen Punk-Kapelle Blood Command, die sich an einem Dienstagabend ein Stell-dich-ein im Goldenen Salon am Hamburger Fischmarkt geben.

Dem Aufruf sind überraschend viele Unentwegte und Verirrte gefolgt, spielt doch auf ebener Erde im Hafenklang mit The Ramonas eine Ramones-Cover-Band. Als Anheizer im 1. Stock sind die Briten Phoxjaw am Start. Doch Funken entfachen ist nicht der Job von Post Punk, sondern das Schlechte der Welt, Revue passieren zu lassen. Ganz in dieser Tradition steht der Vierer aus Bristol.

Ihre negativen Schwingungen hübschen sie hin wieder mit mächtigen Wutausbrüchen, Mundharmonika-Spiel und ganz viel Melancholie auf. Ansonsten ist Schwarz die Farbe der ersten Dreiviertelstunde. Vor der Bühne wird sich trotz des düsteren Sounds schon einmal aufgewärmt. Die Stimmung ist locker und freundschaftlich, was nicht so ganz zu den Songs von Phoxjaw passen mag, aber der Nachholbedarf nach authentischer Live-Musik ist groß. So können die Post Punker ihren Job als Anheizer erfolgreich in die Tat umsetzen.

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Dick eingemurmelt in eine Winterjacke einer trendigen Hip Hop-Klamotte der Marke Run DMC als auch kurz bekleidet entern Blood Command die Bühne. Und sofort sprühen die Funken. Blitzstart in 0 auf 200 Touren in nur wenigen Sekunden. Auf beiden Seiten. Kaum sind die ersten Saiten angeschlagen, fliegen die Tanzbeine vor der Bühne. Hier muss kein Eis schmelzen oder ein vorsichtiges Annähern überbrückt werden. Der Goldene Salon ist ein Tollhaus. Eine Party.

Einmal kräftig anbrüllen, bitte!

Die fünf Norweger haben sofort direkten Zugriff auf ihr Publikum. Und umgekehrt. Kein Abtasten! Kein Epilog! Punk Rock in your face! Mit unglaublicher Energie rocken sie los, allen voran Frontfrau Nikki Brunnen mit ihrer lassziv-rotzigen Starkstrom-Attitüde. Es gibt kein Halten! Der Wintermantel ist weg. Selbst die zehnte Reihe tanzt. Die Fetzen fliegen. Die kaum 1,60 Meter große Powerfrau gerät völlig außer sich. Und ihre Kollegen bieten ihr die Bühne, aber ohne sich in den Schatten zu stellen. Ob Stagediven, Crowdsurfen, auf Schultern getragen werden oder am Mikro, Nikki ist in ihrem Element. Sie singt, schreit, kreischt und bedankt sich überschwänglich nach jeden Song.

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Die eigenwillige Mischung aus zuckersüßen Pop Punk und wütendem Modern Hardcore kommt gut an, sodass sich auch die Handwerker in einen wahren Rausch spielen. Mit kurzen Ansagen gibt Gitarrist Yngve Andersen seiner Band immer wieder Zeit zum Luftholen, auch wenn die Frontfrau diese Pausen augenscheinlich gar nicht braucht. Sie redet einfach dazwischen, tut ihre Begeisterung ob der positiven Stimmung kund. Sie nutzt die großartigen Instrumental-Passagen für ein kurzes Aufladen ihrer Batterien durch möglcihst viel Action. Selbst die Songs ihrer Vorgängerin Silje performt sie mit jeder Faser, wie auch ihre Bandmates. Die rocken jede Rock-Pose, ob Gitarrenhälse in Takt wiegen, rauf und runter, vor und zurück, sich duellieren oder sich im synchronen Line-dancing der Lächerlichkeit preis zu geben. Kaum zu sehen, dafür umso mehr zu hören, powert der Mann an der Schießbude seine Band zu immer neuen Höchstleitungen. Gute Laune ist was gute Laune macht. Und das ist Spaß! Und ein Blick in sämtlcihe Gesichter zeigt deutlich, alle haben Spaß.

Punk rockin‘ the pandemia away

Am Merchandise-Stand können sich beide Bands kaum vor Hand-shakes, Selfies und konsumgeilen Hansestädtern und anderen Nordlichtern retten. Mehr als bereitwillig gehen alle Anwesenden in den After-Show-Modus. Es wird gequatscht, sich ausgetauscht, Getränke geordert so als ob der Abend nie vorüber gehen soll. Ob die Show wirklich so hammermäßig oder nur der Hunger nach Live-Musik so unendlich groß war, werden wir nie erfahren. Ist auch egal! Es war ein verdammt geiler Abend!

Fotos: Christian Zimmermann

Homepage von Blood Command

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Homepage von Phoxjaw

 

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