Opeth – Von Gott, Alkohol und der Last, ein netter Schwede zu sein

Sie waren eine der respektiertesten Progressive-Death-Metal-Bands der letzten zehn Jahre. Bis sie 2011 mit "Heritage" einen überraschenden und krassen Stilwechsel in Richtung Progressive Rock vollzogen. Massenhaft waren langjährige Fans vor den Kopf gestossen, nicht zuletzt, weil bei der letzten Tour nicht ein einziger Growl über Mastermind Mikael Åkerfeldts Lippen kam. Nicht ein Death Metal Song wurde gespielt und viele Metalheads fühlten sich verraten. Rückblickend ein Fehler, denn die Band liebe die alten Songs nach wie vor, räumte Åkerfeldt in unserem Interview ein. Dieser Fehler der letzten Tour wurde ausgebügelt im gefüllten LKA Longhorn in der schwäbischen Metropole. Aber zuvor plauderten wir mit dem Skandinavier über alkolholische und musikalische Vorlieben, den Blick auf die eigene Band und natürlich das neue Album.

Whiskey-Soda: Hallo Mikael, danke, daß du dir ein bißchen Zeit für unsere Leser nimmst. Unser Magazin heißt Whiskey-Soda und wir hatten bereits das Vergnügen miteinander. Nicht ich, aber einer unserer Redakteure. Du hattest damals über den Namen geschmunzelt, wie ich in unserem Video-Interview von damals gesehen habe. Normalerweise stelle ich oft meine „Whiskey-Soda oder….?“-Frage, aber da ich weiß, daß du ein Weintrinker bist habe ich was anderes. Ich habe mich gefragt, ob ihr jemals darüber nachgedacht habt, eure eigene Opeth-Wein-Linie herauszubringen?

Mikael Åkerfeldt: Ja, wir haben tatsächlich mal mit zwei oder drei Weinproduzenten gesprochen und uns sogar mit einem aus der Toskana getroffen. Wir hatten mit ihnen über das alles gesprochen, sie waren Opeth Fans und alles sah gut aus. Wir hatten einen Wein herausgesucht – einen wirklich Guten – und alles war auf den Weg gebracht. Sie hatten eine Zusammenarbeit mit einem Großhändler aus Schweden, der uns den Kontakt zueinander vermittelt hatte. Aber der Typ, der den Kontakt hergestellt hatte, verließ die Firma und so kam es dann schließlich doch nicht zustande. Mit der Zeit hat dann jeder damit angefangen Wein, Bier und Whiskey zu machen. Jede Metal Band hat das gemacht und so habe ich dann das Interesse verloren. Als wir das erste Mal darüber nachgedacht hatten, war das noch nicht so gewesen. Ich möchte nicht zu den Bands gehören, die dann sagen: „Wir haben jetzt übrigens auch unseren Wein.“

1.jpg „WS: Okay, ich habe dir nämlich einen mitgebracht. Die Frage war meine Überleitung! Es ist ein wunderbarer Rotwein aus dem Kaiserstuhl, nicht sehr weit von hier und mein Kollege hat ein schickes Opeth-Etikett gemacht. Es ist nur so befestigt, so daß du das Original-Etikett drunter hast.

MA: (Ehrlich überrascht) Wow! Wow! Vielen Dank! Ich werde ihn genießen, versprochen.

WS: Tu das! Wollen wir jetzt über das neue Album sprechen?

MA: Was, war’s das etwa schon mit den Alkohol-Fragen? (grinst)

WS: Eigentlich schon, ja. Nächstes Mal bringe ich einen Whiskey, einverstanden?

MA: Naja, ich war früher ein Whiskey-Trinker. Scotch, aber kein Single Malt, nicht das gute Zeug. Wir hatten 0,4 Liter Becher im Tourbus und Grant’s in Literflaschen. Jeden Abend haben wir das Zeug getrunken. Vor allem Mendez und ich. Am Anfang hatten wir zwei Finger Scotch und den Rest Cola. Je länger die Tour dauerte, desto mehr Scotch und desto weniger Cola landete in unseren Bechern.

WS: Und nach der Tour musstest du dann erstmal in Ferien?

MA: Nee, auf Entzug! (Lacht) Nein, ernsthaft, ich habe damit aufgehört, es war einfach zu viel. Heute haben wir keinen harten Alkohol mehr auf unserem Tour-Rider stehen. Nur noch Wein und Bier. Manchmal trinke ich noch einen Calvados nach dem Essen. Den liebe ich wirklich! Aber ansonsten, kein hartes Zeug mehr – und sicher keine Cocktails!

WS: Ihr habt euch also mehr und mehr von den Metal-Klischees entfernt? Kein Metal mehr, kein Schnaps mehr, keine Babies mehr töten, keine Mädels mehr im Tourbus?

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MA: Wir waren eigentlich immer hauptsächlich eine Band, die trank. Ansonsten waren wir was die ganzen Klischees betrifft nie ne typische Metal-Band. Wir sind Schweden. Und als Schwede hat man ’ne Bremse eingebaut. Es gibt dafür sogar ein Wort, „Jantelagen“. Schweden sind sehr kontrolliert, was das das Benehmen in der Öffentlichkeit betrifft. Es sei denn, wir sind auf Mallorca in Ferien. Als Band waren wir also immer ziemlich ruhig, und heute sicher noch mehr als früher.

WS: Lass uns ein bißchen über das neue Album sprechen. Ich habe gerade kürzlich in einem Interview gelesen, daß dir die Verkaufszahlen nicht so wichtig sind, du wüsstest zwar, daß für eure Plattenfirma hohe Chartplatzierungen gut sind und daher selbstverständlich auch für die Band. Aber eigentlich würdest du es bevorzugen, dich auf die Musik zu konzentrieren. Jetzt hattet ihr mit eurem neuen Album in Deutschland den höchsten Chartplatz eurer Bandgeschichte. Ich habe mir gedacht, daß Verkäufe ja auch eine Art von Bestätigung sind. Ist es in diesem Sinne nicht doch eine befriedigende Sache, hohe Albumverkaufszahlen zu haben?

MA: Da müssten wir erst mal definieren, was „hohe Verkaufszahlen“ überhaupt sind. Verkaufszahlen können manipuliert werden. Bei Konzertbesuchen kann man das nicht. Wir haben mit Bands getourt, die eine viertel Million Platten verkauft haben, aber trotzdem waren sie unsere Vorband. Verkaufszahlen sind kein Pulsmesser, glaube ich nicht. Sie können von Labels oder der Industrie manipuliert werden. Wir sind ja jetzt auf einem Major-Label, weil Roadrunner von Warner übernommen wurde. Aber ich bin mir immer noch sicher, was das eigentlich genau bedeutet. Ich bin nicht der Typ der sagt: „Endlich, nach 25 Jahren passiert endlich was!“ Natürlich ist es gut, ich bin ja nicht blöd. Natürlich will ich so viele Platten wie möglich verkaufen, aber es ist sicherlich nichts, womit ich mich brüsten würde.

WS: Habt ihr denn jetzt mit euren neuen Album mehr Leute an euren Konzerten, wenn du sagst, die Besucherzahlen wären ein besserer Gradmesser?

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MA: Ich kann’s noch nicht wirklich einschätzen, aber die Tour hat ja auch gerade erst angefangen, wir haben erst sechs Konzerte in England gespielt. Einige von denen waren besser besucht als bisher, einige nicht. Es ist wirklich schwer, das jetzt schon einzuschätzen. Eigentlich trifft das auf das auf Tour sein allgemein auch zu. Du weißt ja nie genau, was in den Köpfen deiner Fans vorgeht, sozusagen. Dein Fan könnte ein Fan von einer anderen Band sein, die gerade auch auf Tour ist. Und momentan ist ja eine Zeit, in der viele Bands auf Tour sind. Du stehst also auch immer im Wettbewerb mit anderen Bands. Eine Sache kann ich aber sagen: Es ist nicht weniger geworden, weder was die Verkäufe noch was die Shows betrifft. Aber eigentlich erwarte ich schon ein bißchen mehr jetzt, wenn ich ehrlich bin. Wir haben jetzt ja die zweite Platte gemacht, die nicht so den klassischen Heavy-Fan anspricht. Aber es ist noch zu früh zu sagen, ob es abwärts oder aufwärts geht oder es so bleibt wie bisher.

WS: Als ich die Kritiken zu eurem neuen Album „Pale Communion“ gelesen habe, hatte ich den Eindruck, daß die Kritiken im Gesamten besser waren als bei „Heritage“.

MA: Ja, aber das könnte natürlich auch sein, weil sich die Leute jetzt daran gewöhnt haben. Weil mit „Heritage“ haben wir ja absolut die Bombe hochgehen lassen mit dem stilistischen Schwenk. Aber wir spielen ja immer noch die alten, harten Songs. Wir sind da in einer Traumposition, weil wir die alle lieben. Viele Leute haben uns da mißverstanden in letzter Zeit. Viele dachten, die Band oder besonders ich selbst würde die alten Songs nicht mehr mögen, weil wir inzwischen zu erwachsen dafür seien und so weiter. Aber so ist es nie gewesen. Wenn ich ein Album schreibe und aufnehme, habe ich keinen Plan, wie ich vorgehe. Wir machen das, was gut klingt. Wenn wir die Band von Anfang an als eine Firma angelegt hätten, die kommerziellen Erfolg will, wären wir völlig anders vorgegangen. Ist doch klar! Aber wir haben unsere Musik noch nie den Wünschen der Fans oder der Musikindustrie angepasst. Wir wollen Fans, wir lieben unserer Fans! Aber nach unseren Regeln! Und es ist natürlich auch so, daß man es ohnehin nie allen Recht machen kann.

WS: Ich habe ja gerade kurz Plattenkritiken angesprochen: Was bedeuten dir Kritiken ganz Allgemein?

MA: Ich lese welche, wenn ich drüberstolpere. Ich suche nicht gezielt danach, obwohl ich natürlich ein paar online gelesen habe. Jemand sagte mir, daß wir in einer großen Schwedischen Zeitung eine wirklich gute Rezension erhalten hätten. Also habe ich Sie im Internet gesucht. Die Seite der Zeitung hatte auch Kritiken von anderen Zeitungen und Magazinen verlinkt und das hat mich dann ein bißchen neugierig gemacht. Was zum Geier schreiben die wohl? Es ist nicht so, daß es mich nicht interessiert, aber es wird mich nicht dazu bringen, meine Musik zu verändern und auch nicht mein Vertrauen in mich selbst erschüttern. Aber natürlich will ich gute Kritiken! Es gab mal eine Zeit, vor etlichen Jahren, als die ganze Sache mit dem Internet anfing und ich meine erste E-Mail-Adresse hatte und so weiter, da war ich viel sensibler für schlechte Kritiken. Trotzdem habe ich paradoxerweise nach den schlechten gesucht und nicht nach den Guten. Damals hatten wir ohnehin fast nur gute bekommen. Also habe ich nach den negativen gesucht, die guten haben mich nicht die Sau interessiert. Wenn ich heute welche lese, rege ich mich nicht mehr drüber auf. Ich werde auch nicht überschwänglich. Bei einer guten sage ich mir „Okay, das ist ja nett“ und bei einer schlechten „Drauf geschissen!“ Und dann mache ich weiter wie vorher.

WS: Ich werde nicht den Fehler machen, jetzt hier über jeden einzelnen Song zu sprechen. Aber die stilistischen Veränderungen sind ja offensichtlich, genauso wie die Tatsache, daß „Pale Communion“ ein wirklich großartiges Album geworden ist. Ich habe mich einfach gefragt, ob es etwas gibt, auf das du besonders stolz bist. Abgesehen von der Tatsache, es gemacht zu haben natürlich.

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MA: Ja, worauf ich wirklich stolz bin ist die Komposition des Albums als Ganzes. Das Sequenzing, wie die Lieder ineinander übergehen. Und ich bin vielleicht auch zufriedener mit den einzelnen Songs. Auf dem „Deliverance“ Album gibt es beispielsweise ein Lied, das ich heute nicht mehr besonders mag. Wegen dem einen Lied denke ich aber über das Album als Ganzes schlechter. Bei „Pale Communion“ ist es das Gesamtpaket. Ich bin froh darüber, daß die Songs als Album zusammenpassen. Ich bin immer noch der Album-Typ. Ich gehe nicht zu Spotify und höre mir einzelne Lieder an. Ich will, daß es als Gesamtwerk funktioniert.

WS: Da kommt mir noch eine Frage, die hier ganz gut passt. Es gibt den Titel ‚Goblin‘ auf dem neuen Album. Das Lied an sich und auch der Sound unterscheiden sich ziemlich vom Rest des Albums. Ich möchte dich also mit einer Frage dazu herausfordern. Ich habe mich gefragt, warum du den Song überhaupt auf das Album genommen hast und außerdem, warum du ihn genau an den Platz gesetzt hast. Nämlich mitten ins Album. Ich hatte den Eindruck, daß er am Ende, oder sogar als Bonus-Track oder EP besser funktioniert hätte.

MA: Ich habe den Song fertiggestellt und ihn den Jungs vorgespielt und sie haben ihn alle gemocht. Wir haben auch alle einen Draht zu der gleichnamigen Band. Und warum ich ihn genau dahin gesetzt habe, ist ebenfalls einfach. Viele Leute sagen mir, sie fänden „Pale Communion“ sehr erbaulich. Das finde ich gar nicht, für mich ist es ein sehr düsteres Album. Und dieser Song, und das Lied danach, ‚River‘, zumindest dessen Anfang, sehe ich als eine Art Ausgleich zu den dunkleren Songs. Sie sind ein bißchen verspielter gewissermaßen. Und der Sound ist anders, was interessant war, weil wir sowas bisher nie gemacht haben. Egal ob man es mag oder nicht, für uns war es etwas Neues und solche Dinge möchte ich gerne auf unseren Alben haben. Ich mag das als Musikfan selber auch sehr, das ist auch der Grund, warum „Heritage“ so querbeet ist.

WS: Was inspiriert dich bei deinen Texten? Ich möchte mal zwei Songtitel bzw. Zitate herausnehmen. Auf dem letzten Album gab es ‚The Devils Orchard‘ mit dem Refrain „God is dead“ und auf dem neuen Album gibt es den Titel ‚Faith In Others‘. Sagt das etwas darüber aus, woran du glaubst?

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MA: Nein. Als ich ‚The Devils Orchard“ geschriebenen, kam mir eben dieser Satz, ‚God Is Dead‘. Jedem, dem ich das Demo davon vorgespielt habe sagte mir, daß es ein wirklicher Ohrwurm ist. Ich habe auf der Demo einfach mit Worten herumgespielt – das ist alles. Bei allen blieb es hängen. Ich kann mich auch daran erinnern, mit Steven Wilson darüber gesprochen zu haben. Er hat das Album ja abgemischt und ich sagte ihm, daß ich darüber nachdächte, diesen Refrain neu zu schreiben. Aber auch er sagte mir: „Behalt das drin! Das ist ’ne starke Sache.“ Irgendwie hängt es natürlich schon mit meiner Vergangenheit zusammen, an meine frühen Tage in einer Death Metal Band. Damals habe ich fast ausschließlich okkulte, manchmal fast satanische Texte geschrieben. Aber im Grunde genommen hat die Zeile nichts mit meinen religiösen Überzeugungen zu tun. Der Rest des Texts hatte nichts mit „Gott ist tot“ zu tun. Es war einfach Blödsinn. Aber es ist ein gutes Lied geworden, dessen Thema auch auch „Ghost Reveries“ gepasst hätte. Bei ‚Faith In Others‘ geht es ebenfalls nicht um Glauben im Sinne von Religion, sondern daran, an andere Menschen zu glauben.

WS: Wenn wir gerade über das Thema Glauben sprechen: Ich hab vor einer Weile ein Interview mit einer Schwedischen Death Metal Band gesprochen, die alle Christen sind. Eine christliche Death Metal Band aus Schweden! Ich mag ihre Musik, sie haben diesen melodischen, skandianvischen Metal-Touch und ihre Texte sind recht tiefgründig. Kennst du irgendwelche christlichen Metal-Bands und was denkst du darüber?

MA:

Es gab mal Mortification, die sind glaube ich aus Australien. Ich kann mich allerdings nicht mehr daran erinnern, wie sie überhaupt klangen. Ich würde mich selbst als Atheist bezeichnen und religiöse Themen mit Musik zu verknüpfen, schreckt mich eher ab. Viele dieser Bands haben etwas propaganda-artiges in ihren Texten und das mag ich nicht besonders. Ich bin Kolumnist in einem Schwedischen Rock-Magazin und habe zu dem Thema mal eine Kolumne geschrieben. Musik und Religion. Oder Musik, die von religiösen Bands gemacht wurde. Meine provokante Frage war, wieviele tatsächlich gute Bands aus dieser Richtung es überhaupt gibt. Ich habe dann eine gewählt, die ich persönlich mochte, eine alte Band. Sie hießen Salamander und hatten ein Album mit dem Titel „Die Zehn Gebote.“ Das spricht ja schon für sich selbst. Die waren meiner Meinung nach die Beste Band mit Liedern und Texten, die auf ihre Glaubensüberzeugungen bezogen waren. Ich war nie ein großer Stryper-Fan. Ich war auch nie ein großer Mortification-Fan. Ich bin ein großer Stevie Wonder Bewunderer und eines meiner absoluten Lieblingsalben überhaupt ist von ihm und heißt „Innervisions“. Darauf gibt es ein Lied das „Jesus Children of America“ heißt. Den Song kann ich mir einfach nicht anhören, obwohl ich das Album liebe! Ich kann das nicht erklären. Musik und Religion schreckt mich einfach ab. Es passt für mich nicht zusammen. Aber das ist keine persönliches Statement an all jene, die genau das machen.

WS: Das ist ein sehr interessantes Thema, über das man stundenlange diskutieren könnte. Leider haben wir die Zeit nicht. Von daher lass uns über etwas anderes sprechen. Über das Cover-Artwork von „Pale Communion“, das erneut Travis Smith gemacht hat. Ich habe gehört, daß der Album-Release verschoben wurde, weil das Artwork nicht rechtzeitig fertig war. Hatte dir die Arbeit von Smith dieses Mal nicht gefallen?

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MA: Nein, es hat einfach (zu) lange gedauert. Ich hatte diese coole Idee mit den drei Gemälden. Und für jeden dieser drei Teile hat Travis so viel Zeit gebraucht wie für das Cover von „Heritage“. Ich hatte schlicht nicht weit genug gedacht und vor lauter Ideen zu wenig über den zeitlichen Ablauf nachgedacht. Er hat also wirklich lange dran gearbeitet und ich hatte dann auch noch Änderungswünsche. Und so hat es am Schluß einfach nicht mit dem ursprünglichen Release-Termin gepasst. Aber das Endergebnis gefällt mir sehr. Ich liebe das Cover! Es gibt allerdings noch ein paar kleine Fehler in den Danksagungen. Heutzutage gibt es ja die Tendenz, zig Versionen von einem Album herauszubringen. Also bekam ich all diese Dateien geschickt, die ich genehmigen musste. Ich habe da ehrlich gesagt dann nicht ganz durchgeblickt und dachte mir: Das wird schon passen! Hatte aber ein paar Dinge durcheinandergebracht. (Lacht)

WS: Du bist ja ein bekennender Prog-Fan und die neuen Opeth könnte man durchaus als Progressive Rock bezeichnen. Ich habe kürzlich ein Interview von dir gesehen, in dem du sinngemäß meintest, daß viele neuere Bands nicht mehr innovativ und auch nicht mehr rebellisch oder grenzüberschreitend seien. Gibt es denn überhaupt neuere Bands im Progressive-Rock oder -metal Bereich, die dir gefallen?

MA: Das ist ’ne echt schwere Frage. Ich höre einfach sehr wenig neuere Musik. Ich bin viel zu sehr mit meinen alten Platten beschäftigt. Ab und zu bekomme ich mal einen Sampler und sicherlich gibt es da draussen viele kompetente Bands. Aber sobald ich etwas höre, was mich an eine alte Band erinnert, interessiert’s mich nicht mehr. Ich will hier niemanden schlecht machen von neueren Bands, absolut nicht. Es gibt wirklich viel gutes. Und beim Metal. Naja. Vermutlich klinge ich jetzt wie ein alter Sack. In den Siebzigern, Achzigern und bis zu einem gewissen Grad auch in den Neunzigern hatten die meisten Bands ihre eigene Identität. Da wurde nichts vermischt. Scorpions. Die hast du sofort erkannt! Oder Judas Priest. Purple. Sabbath. Led Zeppelin. Mein Problem ist glaube ich, daß ich das bei den neueren Bands einfach nicht spüre. Zumindest beim Metal. Bei Prog kann sich wohl jeder denken, daß ich ein großer Fan von Steven Wilsons Arbeit bin. Ich glaube nicht, daß der Mann jemals einen einzigen schlechten Song geschrieben hat. Es hat also mehr mit Geschmack zu tun. Und nur weil mir vieles neueres nicht gefällt, heißt es ja nicht, daß die Bands schlecht sind. Es gibt einfach eine bestimmte Art von Musik, die mich direkt anspricht. Manchmal brauche ich nur ein paar Sekunden um fasziniert zu sein und zu merken, daß da etwas besonderes ist.

WS: Hast du das neue Album von Soen gehört? Da spielt ja unter anderem dein ehemaliger Opeth-Drummer Martin Lopez. Das neue Album erscheint in Kürze und hat mich auch etwas an Opeth erinnert.

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MA: Naja, ein klein wenig vielleicht. Ich habe mir einen Song angehört und fand ihn gut. Auf dem ersten Album haben sie mich stark an Tool erinnert, was Sinn macht. Als Lopez bei uns gespielt hat, war er immer ein großer Tool-Fan. Aber es ist auch hier wie ich schon sagte: Sie sind wirklich kompetente Musiker und eine gute Band, aber trotzdem würde ich mich nicht hinsetzen und mir das Album anhören.

WS: Das heißt wohl, du bleibst einfach bei den alten Bands?

MA: Es gibt sooo viele! Ich bin zugegeben auch ein bißchen romantisch veranlagt und es hat auch etwas mit Nostalgie zu tun. Wenn ich durch meine Plattensammlung gehe, passiert es mir so oft, daß ich schon nach ein paar Sekunden denke: „Wow, das ist so fantastisch!“ Und warum sollte ich mir dann neue Musik anhören?

There’s also the raw, english version of the Interview available. Click here.

Interview & Übersetzung: Daniel Frick
Fotos: Florian Stangl

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