Krokus

Big Rocks

Ach herrje, mal wieder ein Coveralbum. Diesmal beehren uns die Herrschaften von Krokus mit einer Auswahl Nachgespieltem. Nun, Krokus sind aber zweifellos ne coole Band, und viele ihrer Achtziger-Scheiben enthielten Coversongs, darunter einige ihrer größten Klassiker wie ‚American Woman‘ und ‚Stayed Awake All Night‘. Warum also nicht?

Schon der Blick auf die Tracklist läßt allerdings die Hoffnung sinken. ‚Wild Thing‘, ‚My Generation‘, ‚Summertime Blues‘, ‚House Of The Rising Sun‘, ‚Jumpin‘ Jack Flash‘ und schon wieder ‚Born To Be Wild‘ (war schon auf dem vorletzten Album „Hoodoo“ vertreten) – wirklich durchweg Songs, die jede drittklassige Provinzcombo seit den 1970ern auf jedem Dorf- und Schützenfest totgespielt hat. Aber, so der Gedanke, vielleicht haben die Schweizer ja wenigstens ordentlich rotzig und respektlos ein Fass mit den Dingern aufgemacht.

Die erste Hörprobe allerdings läßt auch diese Hoffnung zerplatzen. Black Sabbaths ‚N.I.B.‘ als einminütiges Instrumental-Intro, gefolgt von einer zahnlosen und vollkommen ungroovigen Version von Queens eigentlich unkaputtbaren ‚Tie Your Mother Down‘ verdeutlichen: das wird ne schwere Prüfung. Denn leider wurde das Material – genau wie die letzten Studioalben der Band – so sehr auf glatt gebürstet, daß sich auch garantiert im ZDF-Fernsehgarten oder der Helene Fischer-Show niemand daran stoßen dürfte. Noch dazu passen einige Songs schlicht auch nicht zu Marc Storaces nach wie vor grundsätzlich herausragender Stimme. ‚Whole Lotta Love‘ kriegt er noch ziemlich cool hin, aber bei ‚House Of The Rising Sun‘ und ‚Gimme Some Lovin‘ (das sich deutlich ans Arrangement von Raven anlehnt) stößt er schon deutlich an seine Grenzen. ‚Wild Thing‘ lehnt sich zwar coolerweise an die kultige Version des Schock-Comedians Sam Kinison an, im Gegensatz zu Sams Version fehlt Marc aber hier – neben der stimmlichen Reichweite – einfach die unnachahmliche Sleazigkeit. Das Ende der Fahnenstange ist allerdings erst mit dem tanzteekompatiblen ‚Mighty Quinn (Quinn The Eskimo)‘ angesagt – das könnte so auch von Andreas Gaballier kommen und klingt einfach nur ziemlich doof. Der beste Song ist die Neuauflage des eigenen Klassikers ‚Backseat Rock’n’Roll‘ vom „Metal Rendezvous“-Album – die kann zwar dem Original in Sachen Power auch nicht das Wasser reichen, zeigt die Band aber auf ihrem ureigenen Terrain.

Teslas „Reel To Reel“-Doppelschlag oder Alice Coopers Hollywood Vampires haben bewiesen, daß ein Coveralbum durchaus Spaß und Sinn machen kann, wenn man entweder originelle, zur Band passende Songs auswählt oder sich bei den Arrangements entsprechend aus dem Fenster lehnt und die Sachen kreativ zueigen macht. „Big Rocks“ (as if!) erinnert hingegen eher daran, warum man Coveralben generell eher negativ gegenüber steht. Nee, Jungs, ich mag euch immer noch, das hier is‘ aber leider nix.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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