Travis Larson Band

Annica

  • Artist: Travis Larson Band
  • Album: Annica
  • Label: Precision Records
  • Release: 2016-10-28
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Lieber Freund der progressiven Instrumentalmusik, hast Du mittlerweile auch die Schnauze voll von ziellosem Post-Rock-Gewaber? Wie wär’s dann mal wieder mit ner schön melodischen, Fusion-beeinflussten Gitarrenscheibe garantiert ohne Trendanbiederung? Bitteschön, hier ist das neue Album von Travis Larson und Band.

Travis Larson und seine beiden Mitstreiter Jennifer Young (Bass) und Dale Moon (Drums) präsentieren mit „Annica“ bereits ihr siebtes (!) gemeinsames Album, und mir ist schleierhaft, warum die Band nicht bekannter ist. Der musikalische Mix aus den Eckbausteinen Jeff Beck, Dixie Dregs und Rush, gepaart mit dem sahnigen Leadsound des Mainman, irgendwo zwischen Joe Satriani, Steve Morse und dem Mitsiebziger-Ära-Megasustain von Robert Fripp sollte eigentlich allen Gitarrenfachblattabonnenten eine Abspritzgarantie geben. Travis Larson hält sich mit Highspeed-Gefrickel erfreulicherweise so gut wie gar nicht auf, stattdessen dominieren gefühlvolle Leads, Rush-mäßige Breitwand-Arpeggios und eingängige zweistimmige Melodielinien. Auch seine Mitstreiter können restlos begeistern. Gerade Jennifer Young setzt einige der gänsehautigsten Momente der Scheibe, wenn sie mit Stanley Clarke-mäßigen Melodielinien in den Vordergrund rücken darf, und Dale Moon hat ganz offensichtlich seinen Neil Peart auch gut studiert – verspielt und komplex, aber immer im Dienste des Songs. Und die machen auch richtig Spaß. Sei es das Satriani-mäßige Titelstück, ‚Snake Eyes‘ und ‚Distance Between‘ mit ihren Rush-Einflüssen (ca. „Presto“-Ära) oder das dezent Dixie Dregs-mäßige, schön vorwärts treibende ‚Autopilot‘ mit seinen genialen Flageolet-Spielereien, alles bleibt eingängig und melodisch, ohne in selbstgefällige Fahrstuhlmucke zu entgleisen. Dafür sind die drei nämlich zu sehr im Rock verwurzelt. Ja, immer wenn’s zu jazzig zu werden droht, gibt’s mal wieder ein knackiges Powerriff, und gut is‘.

Die vielen Vergleiche, die in dieser Rezi auftauchen, sollen übrigens keinesfalls Unoriginalität unterstellen, sondern lediglich für all die, die (wie ich!) bislang noch keinen Kontakt mit der Travis Larson Band hatten, grobe Anhaltspunkte liefern. Denn, und das muß man einfach klar sagen, die Travis Larson Band hat definitiv ihren eigenen Stil, und für alle Freunde rockiger Fusionmucke oder auch einfach nur instrumentalen Progrocks gibt es hiermit einen heißen Anspieltip!

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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