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From the North

‚Du merkst genau, wenn du nicht nur ein Album sondern einen Klassiker produziert hast.‘

Große Worte von Frontmann Alexander ‚Alle‘ Hagman im Vorfeld der Veröffentlichung der neuen Platte. Bei den beiden Vorgängern, ‚Sound Of The Republic‘ und ‚Veil Of Ignorance‘, war schon ein klarer Trend zu spüren, wo es mit Raised Fist hingehen sollte. Vom kompromisslosen schwedischen Hardcore mit kurzen, extrem energiegeladenen Oldschool-Gewittern ging es zu moderneren Ufern mit viel Atmosphäre, mehr Tamtam und einigen enttäuschten Fans, die sich die alte Härte zurückwünschten. Alle Hagman versuchte sich teilweise sogar als richtiger Sänger. Eins blieb jedoch gleich und prägt die Band bis heute: der metallisch-schwere Gitarrensound. Auch auf ‚From The North‘ beweisen die Schweden wieder, dass sie eine beinharte Wand sind. Sie entfernen sich vom übermäßig atmosphärischen Songwriting und konzentrieren sich auf Oldschool-Geknüppel und stampfende Kampfansagen à la ‚Ignoring The Guidelines‘ aus dem Jahre 2000. Wo geht es jetzt hin? Der Opener ‚Flow‘ beginnt noch recht untypisch mit einem groovigen Schlagzeug-Beat, doch schon nach kurzer Zeit hacken die Metall-Äxte dazwischen und die prägnant kratzige und stets wütende Stimme von Alle Hagmann setzt (rappend) ein. ‚Chaos‘ bläst da schon in ein anderes Horn. Hier ist sie, die schmerzlich vermisste Raised-Fist-Wand, die viele kennen und schätzen. Bei so einem Titel erwarte ich jedoch mehr als diese Wand. Es ist ein sehr typischer, temporeicher Song.

Ein wenig ist dann aber doch vom ‚Veil-Of-Ignorance-Gefühl‘ übrig geblieben. ‚We Will Live Forever‘ groovt und schafft eine düstere Affäre. Auch, weil Hagman hier zunächst nicht ganz so wütend wie sonst klingt. Diesmal hält er sich jedoch mit cleanem Gesang zurück. Es wird gerappt und in den richtigen Momenten halt nicht ganz so wütend geschrien. Trotz der harten und oft auch schnellen Songs, steckt viel Melodie in den Riffs. Darauf haben Raised Fist bei ihren früheren Alben dezent verzichtet. Die zerstörerische Kraft ihrer Songs haben sie glücklicherweise beibehalten und leben sie auf diesem Album wieder mehr aus. Die elf Tracks sind klar strukturiert und lassen keine größeren Ausflüchte einzelner Instrumente zu. Schlagzeuger Matte Modin beweist erneut, dass er nicht nur in der Hardcore-Szene wohl einer der Besten seines Fachs ist. Wenn einer aus der Struktur ausbricht und leicht aus der Reihe tanzt, dann er. Immer wieder schleichen sich unregelmäßige, dennoch sehr tight gespielte Drum-Figuren ein, die so manche Momente auf dem Album interessanter machen.

Raised Fist schaffen es endlich, ihre zwei Gesichter zu einem recht ansehnlichen zusammenzufügen. ‚From The North‘ ist kompromisslos, brachial und strotzt vor Energie. Trotzdem ist Platz für Atmosphäre und Abwechslung. Eine Kombination, mit der das Album wirklich zum Klassiker werden könnte. Fans der Band, die auch die vergangenen beiden Alben gekauft haben, werden beim neuesten Werk vermutlich freudestrahlend durch die nächste Wand bis in die Konzerthalle rennen. Für Raised-Fist-Neulinge ist ‚From The North‘ ein gutes Album, um die Band kennen zu lernen. Es zeigt, wo sie herkommt, wo es zwischendurch hin ging und wo sie heute stehen.

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