Moongarden

Align Myself To The Universe

  • Artist: Moongarden
  • Album: Align Myself To The Universe
  • Label:
  • Release: 2018-12
  • Medium:
  • Bewertung:2

Die Italiener Moongarden gehören nun schon seit Mitte der 1990er zur zweiten Reihe im Progzirkus, in der sich auch Bands wie Glass Hammer oder bis vor kurzem Big Big Train tummelten: Bands, die eigentlich durchweg gute Alben veröffentlichten, aber nie so richtig den Sprung zu den Genre-Helden wie Spock’s Beard, The Flower Kings, Marillion oder Porcupine Tree/Steven Wilson schafften. Dank unermüdlicher Arbeit diverser unabhängiger Händler wie Merchdesk, Just For Kicks oder Burning Shed und der Möglichkeit, über Bandcamp seine eigene Musik ohne Mittelsmänner zu promoten, hat sich der Prog-Underground aber in den letzten Jahren nicht nur erholt, sondern ist regelrecht aufgeblüht – somit wäre es durchaus denkbar, dass Moongarden auch endlich den „Durchschnitts-Progger“ auf ihre Seite ziehen können.

„Align Myself To The Universe“ bringt jedenfalls vieles mit, was dem Genre-Liebhaber Freude bereiten dürfte. Zumindest, wenn man auf melodische, nicht übermäßig komplexe oder gar avantgardistische Prog-Klänge mit großen Melodien und Anleihen an die „alten Meister“ steht, in diesem Fall Genesis beziehungsweise Steve Hackett und frühe IQ oder Arena, inklusiver der Freude am gelegentlichen straighten Losrocken. Da das Album auch ziemlich fein produziert ist und die Drums ziemlich kraftvoll klingen, kommt ebendieser Rock-Faktor besonders gut zum Tragen, so zum Beispiel beim Opener ‚Here Now‘ oder dem Hardrock-Gefilde streifenden ‚Run‘ mit röhrender Schweineorgel. Dazu kommen ein paar Pop-Anleihen, für die man sich bei (alten) Coldplay und Keane bedient (man höre ‚The Immutable‘) und immer wieder, dank der kühlen Synthieparts und der SciFi-Atmosphäre einiger Songs, Erinnerungen an die frühen Saga. Gitarrist David Remoni schwimmt wieder derart deutlich im Fahrwasser von Steve Hackett, dass ich tatsächlich im Booklet nachschauen musste, ob Mr. „für-ne-Flasche-Wein-spiel-ich-auf-jedem-Progalbum-mit“ nicht höchstselbst am Start ist. Moongarden schaffen es aber dennoch, sich von den typischen „Italo-Prog“-Klischees zu emanzipieren. Klassik-Elemente gibt’s hier trotz Violinen-Einsatz keine, und auch der Kitschfaktor hält sich ungeachtet der bisweilen recht bombastischen Arrangements in vertretbaren Grenzen, „Align Myself To The Universe“ klingt insgesamt doch eher nach Dorset, UK, 1986 als nach venezianischem Zirkus. Simone Baldini Tosi versucht auch gar nicht, den Heldentenor zu geben, sondern klingt mehr wie ein „konventioneller“ Popsänger, wodurch die Musik noch ein wenig mehr vorm Pompösen bewahrt wird. Auch elektronische Drums und Sequencer werden gekonnt in den Bandsound integriert, und in der Kombination haben Moongarden durch all dies Elemente fraglos eine eigene Identität – wäre ja auch eine Schande, wenn’s nach dreißig Jahren immer noch nicht so wäre.

Nun könnte der letzte Absatz aber von jedem Moongarden-Album handeln. Das offenbart auch das größte Problem des Albums, ja, der Band: bei aller Freude über den wiedererkennbaren Stil scheint es, als hätten sich Moongarden stilistisch ein wenig festgefahren. Wo frühere Alben auch einmal ins Psychedelische, Folkige und zur World Music schielten, bleibt die Band wie schon auf den Vorgängern ihrem etablierten Stil absolut linientreu, im Vergleich zum teilweise elektronisch angehauchten Vorgänger „The Voyeur“ zeigt man sich eher sogar weniger mutig. Das bedeutet einerseits, das man nach vier Jahren Wartezeit keine unliebsamen Überraschungen bekommt. Andererseits bleibt das ganz große „Aah!“ aber auch aus, und gelegentlich fragt man sich doch, ob man nicht die eine oder andere Passage schon auf einer der Vorgängerscheiben gehört hat. Die meisten Progger werden sich daran freilich nicht stören – sonst müsste man ja auch dem erwähnten Meister Hackett so langsam mal böse sein.“Align Myself To The Universe“ bewegt sich nämlich durchaus qualitativ auf dem selben Niveau wie die letzten Alben von Hackett oder auch Roine Stolt, aber man kann sich der Frage nicht erwehren, ob nicht ein wenig mehr Experimentierfreude noch ein besseres Ergebnis und somit ein echtes Überalbum zutage gefördert hätte.

Das ist aber ein reines Gedankenexperiment und wohl auch dem persönlichen Geschmack geschuldet. Neoprogger und ähnlich gestrickte Musikfans können hier bedenkenlos zugreifen, Moongarden-Fans sowieso. Zu kaufen gibt’s das Album im schönen Gatefold-Digisleeve mit – klar – Ed-Unitsky-Artwork hierzulande bei den oben erwähnten Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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