All Traps On Earth

A Drop Of Light

  • Artist: All Traps On Earth
  • Album: A Drop Of Light
  • Label:
  • Release: 2018-12
  • Medium:
  • Bewertung:1-

Änglagård sind ja schon beileibe nicht das, was man eine launige Sonnenschein-Band nennen könnte. Mit dem aktuellen Spin-Off All Traps On Earth wird aber auch der gemeine Änglagård-Fan einigermassen auf die Probe gestellt. Zwar bedienen sich Johan Brand, Thomas Johnson und Erik Hammarström, alle auch bei der Hauptband aktiv, und Sängerin Mirandas Brand (Johans Tochter) stilistisch auf „A Drop Of Light“ ganz klar der gleichen Elemente. Sprich: Mellotron, Moog, Rhodes, Holz- und Blechbläser, jazzige Akkordsätze, non-verbale Gesangsparts und symphonische Dichte. Dennoch geht es hier außerordentlich dunkel zur Sache – dunkler, als Änglagård das in ihren finstersten Momenten je waren.

Wo Black- und Death-Metal-Bereich ihr Ziel, das Dunkle oder gar das Böse musikalisch darzustellen, mit billiger Effekthascherei für gewöhnlich eiskalt verfehlt, treffen All Traps On Earth vollkommen ins, ähem, Schwarze. Wo die Kobolde, Dryaden, Irrlichter und was es in schwedischen Wäldern nicht alles so gibt sich bei Änglagård zwar mystisch, aber durchaus freundlich präsentierten, bringt uns „A Drop Of Light“ in eine Welt, die sich im Vergleich dazu verhält wie „Pan’s Labyrinth“ zur Mumin-Familie. Das verstörende Coverartwork gibt dabei die musikalische Richtung perfekt wieder: eine monströse, hoffnungslose, klaustrophobische Naturgewalt, die sich wahrlich menschenfeindlich im klassischen Wortsinne zeigt, die dunkle Rituale und unaussprechliche Opfer fordert trotzdem und nicht als Elend und Pein mit sich bringt. Das erinnert an das enervierende Flair diverser britischer Folk-Horror-Filme wie beispielsweise „The Wicker Man“ oder „Blood On Satan’s Claw“. Die vier Songs (plus ein zweiminütiges Zwischenspiel) bewegen sich im Bereich zwischen achtzehn (Titelsong) und dreizehn (‚Omen‘) Minuten Spieldauer und lassen sich beim Aufbau dieser Atmosphäre schön viel Zeit, bis der Zuhörer schließlich in den Höhepunkten ein wirkliches, körperliches Ungehagen verspürt. Das alles ohne irgendwelche künstlichen Effekte, nur ausgelöst von clever eingesetzten Dissonanzen, die sich um eigentlich wunderschöne Harmonien ranken, unerwartete, zappaeske Brechungen duch krumme Taktarten, die man aber erst bemerkt, wenn sich der Song der erhofften Auflösung verweigert. Man sollte sich also durchaus mit Bands/Künstlern wie Magma, den finstersten Momenten von King Crimson und Van Der Graaf Generator oder den Soundtracks von Goblin und Hammer-Hauskomponist James Bernard wohlfühlen, bevor man sich in die Tiefen dieses Albums begibt.

Dann allerdings erwartet den Hörer ein Album voller großartiger und packender Musik, die aller Dunkelheit zum Trotz sogar überraschend eingängig ist und jede Menge melodischer Finesse bereithält, die es absolut mit den Änglagård-Klassikern aufnehmen können. Dass das Album nichts zum Nebenbeihören ist, sollte in den letzten Zeilen eigentlich klar geworden sein, falls nicht, noch einmal ganz deutlich gesagt: auf „A Drop Of Light“ muss man sich einlassen. Man muss der 64-minütigen Reise folgen wie einem guten Horrorstreifen, durch alle Finsternis selbst gehen und alles selbst erfahren. Nur dann erschließt sich die Genialität dieses Album wirklich. Man sollte es also zum Beispiel nicht hören, wenn man im Herbst bei Einbruch der Dunkelheit durch den Wald joggen geht. Oder vielleicht auch doch. Solange man auf dem Weg bleibt und nicht den Lichtern zwischen den Bäumen folgt…

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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