Nicolas Godin

Contrepoint

  • Artist: Nicolas Godin
  • Album: Contrepoint
  • Label: Because / Warner
  • Release: 2015-09-18
  • Medium:
  • Bewertung:2

Nicolas Godin, eine Hälfte des großartigen französischen Pop-Duos Air, veröffentlicht mit „Contrepoint“ sein erstes Soloalbum. 50 Prozent Air stecken also drin, könnte man meinen. Klanglich sind es wohl eher 25 Prozent. Und zunächst hat es auch nicht den Anschein, als dürfte man sich überhaupt auf gewohnte Air-Klänge einstellen.

Mit dem obskuren Orca beginnt „Contrepoint“ fast schon nervös. Eine verzerrte Flöte wie in einem frühen 70er-Jahre-Emmanuelle-Film, dazu synthetisch-orchestrale Klänge und zwischendurch ein Loop, der wie ein Fehler wirkt, bevor eine Melodie entsteht, die so klingt, als hätte man sie auf einem Cembalo gespielt und dann in Nintendos 8-Bit-Konsole NES gezwängt. Da muss man sich erstmal eingrooven.

Er sei inspiriert von modernem Pop, Film-Soundtracks und retrospektiven Pop-Spielarten wie Soft Rock, Exotica, 80er-Eurodance, Yéyé und habe das mit den klassischen Formen von Johann Sebastian Bach vereint, sagt Godin. Das ist mal eine Ansage. Den softeren, eher bzw. „Air“ vertrauten Kurs schlägt er mit „Widerstehe doch der Sünde“ ein. Der Text ist tatsächlich deutsch, allerdings überwiegend unverständlich. Später wird es noch italienisch („Quei Due“).

Hoppla! Dann kommt ein Sprung zum lässigen Bar-Jazz („Club Nine“), der nächste zum plätschernden Easy Listening („Clara“), bis sich tatsächlich Exotica und 80er-Eurodance treffen, zumindest ansatzweise. Noch mal zum Thema Film-Soundtrack: Lieferte Air als Ganzes die Musik für die verträumten Sofia-Coppola-Filme „The Virgin Suicides“ und „Lost In Translation“, so wähnt man sich beim Solokünstler Godin mitunter eher in einer experimentellen Videokunst-Produktion.

Und wie war das mit Johann Sebastian Bach? „Bach Off“ heißt das längste Stück des Albums, ein stattlicher Siebenminüter. Der Titel ist ein Wortspiel, na klar, „back off“ bedeutet „sich zurückhalten“. Das aber tut Nicolas Godin auf „Contrepoint“ definitiv nicht. Warum sollte er auch?

Die Überraschung des Albums ist nicht seine fast schon chaotische Vielseitigkeit, sondern dass sich diese acht Tracks trotzdem über gute 30 Minuten zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen, das bei häufigem Hören von Mal zu Mal besser klingt.

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