LABRASSBANDA – Den Moment zum Klingen bringen

LaBrassBanda haben ins Münchener Hofbräuhaus gerufen. Das ist an und für sich noch nichts Außergewöhnliches für die Blasmusiktruppe aus dem Chiemgau, dass sie jedoch zu einer Yoga-Veranstaltung laden hingegen schon. Ursprünglich geboren wurde die Idee, eine Yogasession musikalisch zu begleiten, um die coronabedingte Zwangspause zu umgehen. Bereits die Uraufführung 2020 in Füssen fand so viel Anklang, dass nun eine Fortsetzung folgte. So konnte eine bunte Mischung aus erfahrenen Yogis, Fans und Neugierigen den Klängen der „Yoga Symphony No. 1“ lauschen und sich dabei körperlich austoben.

Es dauerte ein wenig, bis auch die letzten Yogamatten in die abstandskonformen Markierungen entrollt waren. Ein ziemlich wild gemischtes Publikum präsentierte sich im Hofbräuhaus – angefangen beim bunt gemusterten Yogaoutfit bis hin zur Lederhose war alles vertreten. Der Münchener Yogalehrer Petros Haffenrichter lud die Anwesenden ein, den Moment zu erspüren, jedoch ganz ohne Zwang: Alles kann, nichts muss. Wer sich lieber auf die Musik konzentrieren wollte, konnte das genauso. Auf dem Rücken liegend ging es mit dem Spüren auch schon los. Die wummernde Tuba übertrug die Schwingungen über den Holzboden im ganzen Saal, bis alle Anwesenden das Vibrieren in sich aufgenommen hatten und es mit einem langen „Mmmm“-Laut zurückgaben. Um die „Yoga Symphony No. 1“ auf die Bühne zu bringen, haben sich LaBrassBanda diesmal musikalische Verstärkung geholt: Drei Posaunen, eine E-Gitarre und diverse Soundeffekte verstärken das musikalische Konstrukt.

Während es zu Beginn oftmals noch leicht hektisch zwischen visuell dem Yogalehrer folgen, auf die Anweisungen achten und in seinen eigenen Rhythmus kommen hin- und herging, passte es irgendwann zwischen herabschauendem Hund, dem Krieger und dem Drehsitz dann aber auf einmal von ganz alleine – als ob es nie anders gewesen wäre. Die Musik wirkte ruhig und zurückhaltend, hielt sich im Hintergrund und überließ vollkommen dem Yoga den Vortritt. Im Prinzip genau das Gegenteil dessen, was sonst so auf Konzerten passiert. Zwischendurch aber immer wieder mit der Erkenntnis: ist das anstrengend! Funktioniert hat es aber über die alle Ausprägungen hinweg: Während die Profis die Übungen noch variierten, um es für sich ansprechend zu gestalten, war es für weniger Geübte genauso ok, vor der ein oder anderen Übung zu kapitulieren.

Nachdem die erste Yogasession mit einer ruhigen Entspannungsphase beendet worden war, gab es eine kurze Pause. Eine Pause, die mit der Schlagkraft der Realität auf einen niederprasselt wie nach einem Kinofilm, wenn alles zu hell, zu laut und zu grell erscheint. So verwunderte leichtes Blinzeln hier und da nicht. Nach der Pause konnte sich jeder – der Lust und keine gesundheitlichen Einschränkungen hatte – noch an der Königsklasse des Yoga versuchen: dem Kopfstand (Allerdings unter Zuhilfenahme des Kopfstandhockers). Neben dem körperlichen Aspekt, erklärte Petros Haffenrichter, schade es auch nicht, den so forcierten Perspektivwechsel auf sich wirken zu lassen, die Wahrnehmung sei gleich eine ganz andere. Schließlich kommt es nicht von ungefähr, dass so auf den Kopf gestellt, die Gesichtszüge von ganz allein zu lächeln beginnen – Schwerkraft sei Dank.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete dann ein kurzes reguläres Konzertset, jedoch instrumental und ohne Gesangsparts. Das durch das Yoga neu gewonnene Körpergefühl musste schließlich sofort auf seine Auswirkungen auf das Tanzverhalten hin getestet werden. So gab es „Bierzelt“, „Autobahn“, „Ofree“ oder „VW Jetta“ in abgewandelter Form. Wenn schon ausnahmsweise mehr Musiker auf der Bühne stehen, kann man sich auch musikalisch austoben und die Soloparts variieren. Mit einem „Prosit“ – der Veranstaltungsstätte zu Ehren – endete eine ganz besondere Veranstaltung: Irgendwo zwischen Neuem und Altbekannten, sich ausprobieren und neugierig sein und der sonst eher konzertüblichen Gewissheit am nächsten Tag den Körper zu spüren – wenn auch anders als sonst. Wer kann schließlich schon von sich behaupten das altehrwürdige Hofbräuhaus als Umkleide genutzt zu haben.

Fotocredit: Sonja Herpich

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