Stam1na – ‚Wir sind ein Geheimnis!‘

Erster Platz der finnischen Charts mit in Landessprache vorgetragenen Texten und progressiven Thrashmetal-Riffs. Aus Finnland kommen viele interessante Metal-Acts. Bei uns sind Stam1na trotz aller Erfolge immer noch relativ unbekannt. Wir haben daher zu einem kleinen Interview geladen.


Stam1na wurden bereits 1996 in Lemi / Finnland gegründet und haben vor kurzer Zeit mit Elokuutio ihr siebtes Studioalbum veröffentlicht. In ihrer Heimat stürmen die Thrash-Metaller regelmäßig die Charts, so haben die letzten drei Platten jeweils die Spitze der finnischen Hitparade erreicht. Bei uns gehören Stam1na immer noch eher zu den Geheimtipps. Grund genug für uns, mit Frontmann Antti Hyyrynen und Keyboarder Emil Lähteenmäke über die Band und das neue Album zu plaudern.

Whiskey-Soda (WS): Vielen Dank, dass Ihr euch die Zeit für dieses kleine Interview nehmt. Bei uns ist Stam1na noch längst nicht so eine große Nummer wie in Finnland. Was gibt es denn über euch und das neue Album zu berichten?

stam1na_2016.jpg „Antti Hyyrynen (AH): Wir sind ein gut gehütetes Geheimnis! Stam1na existiert ja schon fast zwanzig Jahre. Unser siebtes Studioalbum ist wieder moderner technischer Metal, wir singen wie immer auf Finnisch und hauen live auf der Bühne richtig in den Sack. Wir waren 2008 in Wacken mit dabei, haben mit Apocalyptica und Insomnium getourt und kennen Deutschland eigentlich ganz gut. Wir hoffen, dass wir bald wieder hier spielen dürfen.

WS: Glückwunsch zum neuen Album „Elokuutio“. Wie würdet Ihr es im Gegensatz zum Vorgänger „SLK“ beschreiben?

AH: Jede neue Platte ist eine Weiterentwicklung und damit die beste, die wir je gemacht haben. Es wäre sinnlos, Musik zu machen, wenn man keinen Raum für Entwicklungen und ein paar Verbesserungen hier und dort hätte. Mit SLK sind wir auf den Pfaden des Death Metals gewandelt, zum Beispiel mit Songs wie ‚Panzerfaust‘ oder mit den doppelten Harmonien in ‚Kalmankansa‘. Das hat uns seinerzeit interessiert. Bei Elokuutio ging es uns mehr um Synthesizer-Arrangements. Das Album erzählt eine dystopische Geschichte. Es ist eine sehr moderne Platte geworden, und insbesondere der Mix von Jens Bogren ist ein wahrer Ohrenschmaus!

WS: Immer wieder landen die Alben von Stam1na an der Spitze der finnischen Charts, und Metal ist generell in Finnland noch viel angesagter als bei uns. Warum stehen alle Finnen so sehr auf Metal?

AH: Das hat tiefgehende Wurzeln. Als Musiker möchte man natürlich so gut wie möglich spielen, und nach den Erfolgen von Bands wie Hanoi Rocks, Waltari, Amorphis, HIM, Children Of Bodom, Apocalyptica und ganz besonders natürlich Nightwish wird das Metal-Genre bei uns sehr hoch geschätzt. Wir sind meistens mit unseren Auftritten in Finnland geblieben, weil wir nun einmal auf Finnisch singen, was eine sehr lyrische Sprache ist. Die Leute mögen es hier, wenn sie ihre Landesprache in schnellem Metal hören können. Nachdem Lordi 2006 den Eurovision Song Contest gewannen, geriet ganz Finnland aus dem Häuschen, und diese Hard Rock Geschichte geriet hier völlig außer Kontrolle. Plötzlich fing jede Omi damit an, zu Hause dem Teufel zu huldigen. Go, Satan, go!

WS: Wie arbeitet ihr denn so beim Songwriting? Wie entstehen eure Lieder?

AH: Kling wahrscheinlich langweilig, aber wir schicken uns gegenseitig über das Internet MP3s als Demotracks zu. Jeder arbeitet für sich und komponiert Stücke. Meistens sammeln wir das ganze Material über einen Zeitraum von ein bis eineinhalb Jahren, dann treffen wir uns als Band und entscheiden, welche Sachen am besten sind. Und dann geht’s richtig los. Kake, unser Schlagzeuger, bringt immer jede Menge neue Ideen mit, wenn er einfach nur anfängt, auf seine Trommeln zu schlagen. Keyboarder Emil ist eine Art Fensterputzer, er sortiert unseren Flohzirkus und lenkt alles in geordnete Bahnen. Er ist unser Gehirn. Am Ende setze ich mich an die Texte. Die Texte kommen bei uns immer erst sehr spät dazu. Nach all den Jahren mit der Band wissen wir genau, wie jeder von uns am besten arbeiten kann.

WS: Ihr habt in euren Arrangements jede Menge Keyboards, was wir toll finden. Das ist für eine Thrashmetal-Band aber doch eher ungewöhnlich. Würdet Ihr euch überhaupt selbst als Thrasher bezeichnen?

Emil Lähteenmäke: Vielen Dank! Also, zumindest ich würde Stam1na nicht als Thrashmetal-Band ansehen. Aber um ehrlich zu sein, ich wüsste gar nicht, wie ich uns kategorisieren sollte, wenn man das unbedingt machen müsste. Dass wir uns in keine Schublade stecken, erleichtert die Sache mit dem Arrangieren sehr.

WS: Können wir euch demnächst mal wieder live in Deutschland sehen und hören?

AH: Wir haben da so eine Idee gemeinsam mit einer in Deutschland sehr bekannten finnischen Band. Mal abwarten, was daraus wird. Mit etwas Glück können wir bald schon nach Deutschland kommen. Wir mögen das deutsche Bier sehr gern, und die Leute sind nett. Die Crews hier und das Publikum sind immer super. Vielen Dank dafür!

WS: Möchtet Ihr unseren Lesern und den deutschen Fans noch etwas sagen?

AH: Wenn Ihr mehr über uns erfahren wollt, checkt doch einfach mal unser Tour-Tagebuch von 2014. So läuft das bei uns. Wir lieben Euch!

WS: Vielen Dank für das nette Gespräch, wir hoffen, Euch bald live sehen zu dürfen.

Interview und Übersetzung: Michael Buch
Fotos: Promo

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