Agnostic Front – Hipsters gonna Hop

Spätestens seit dem neuen Agnostic-Front-Album 'The American Dream Died' wissen wir: Berlin und New York haben eine ganze Menge gemeinsam. Singt Roger Miret über seine Wahl-Heimat New York: 'The greatest city of them all, but it just don't feel the same - I miss the old New York', könnte ich dasselbe von Kreuzberg behaupten - der einst schäbigen, linken Hochburg Westberlins, wo besetzte Häuser und Billig-Bier durch kreativ-alternative Intellektualität in stilvollen Cafés mit Augustiner-Bräu und Chai-Soja-Latte im handgetöpferten Fair-Trade-Service ersetzt werden. Es versprach also eine interessante Mischung zu werden, die sich da beim Agnostic-Front-Konzert im Berliner SO36 die Klinke in die Hand gab, denn Agnostic Front sind nicht The Naked And Famous. Eine New-York-Hardcore-Band traf auf Berlin-Hardcore-Fans. Und jene, die mal gucken wollten, was da so los ist.


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Zugegebenermaßen zeichneten sich US-amerikanische Bands dieses Genres schon immer dadurch aus, recht brutal moshende Fans anzuziehen. Im Pit mit Fäusten um sich zu schlagen, bisweilen sogar beim Stagediven mit dem ausgestreckten Bein in die Menge zu grätschen sind zwar eher ungemütliche Szenarien für halbwegs klare Musikliebhaber, allerdings durchaus schon bei Konzerten vorgekommen. Insofern sollte man die Schmerzgrenze gerade bei diesem Band-Kaliber nicht zu niedrig ansetzen. Und vermutlich sind die Faktoren vielseitig, die dazu führten, dass es zumindest mir als pazifistischem Death-Metal-Fan nach kurzer Zeit zu brutal in den vorderen Reihen wurde. Mag es am langgezogenen Grundriss der Halle gelegen haben, der dazu führt, dass es nur wenig Rückzugsfläche seitlich der Bühne gibt, falls die Motivation sich mitzuprügeln oder Landebahn für saltoschlagende Muskelpakete zu spielen eher gering ausfällt oder daran, dass eventuelle Szene-Novizen etwas übereifrig den Vorbild-Haudegen nacheiferten – die Tatsache, dass sich etwas weiter hinter dem ersten Moshpit ein zweiter, etwas ruhigerer formierte, bestätigt jedenfalls meine Vermutung, dass der eine oder andere Fan vielleicht zeitweise etwas zu euphorisch gemosht haben könnte.
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Klanglich hätte es kaum einen Unterschied gemacht, im Laufe des Konzertes von Zeit zu Zeit ein Fuß oder Knie ins Ohr zu bekommen. Denn auch wenn sich der Klang während der ersten Minuten des Konzerts stark verbesserte, fiel die Differenz zwischen der klanglichen Dynamik Mirets‘ Stimme und der tatsächlichen Lautstärke im Vergleich zur Begleitung unbefriedigend gering aus.

Wesentlich befriedigender dagegen war die Setliste – und damit versuchen wir jetzt doch noch die Kurve zu kratzen, denn würde am Ende der Einduck entstehen, dass das Konzert komplett daben war, hätte ich mein Ziel verfehlt. Eine Mischung aus alten Klassikern, die wirklich jeder mitsingen kann und Songs vom neuen Album verband zum einen Bewährtes mit Neuem und schützte die nicht ganz so übereifrigen Fans davor, lange Zeit nicht mitgrölen zu können. So konnten also alle Fans dieses Konzert von Anfang bis Ende genießen – gesetzt den Falle, dass man sich damit abgefunden hatte bei niedrigerem Aggressionspotenzial in die hinteren Reihen zu migrieren.
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Setliste AGNOSTIC FRONT:

The Eliminator
Dead To Me
Warriors
My Life My Way
That’s Life
I Can’t Relate
For My Family
Friend Or Foe
Victim In Pain
Police Violence
Only In America
All Is Not Forgotten
Peace
Crucified (Iron Cross cover)
Old New York
A Mi Manera
Gotta Go
Riot, Riot, Upstart
Police State
Enough Is Enough
No War Fuck You
Take Me Back
Addiction

Pauly The Dog
Blitzkrieg Bop

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