Du Blonde

Welcome Back To Milk

  • Artist: Du Blonde
  • Album: Welcome Back To Milk
  • Label: Mute
  • Release: 2015-05-15
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Beth Jeans Houghton hat aufgeräumt. Beziehungsweise: umgesattelt. Manche sprechen gar von einer Reinkarnation. An Alter und Diskographie gemessen wäre sie für all dies ziemlich früh dran. Früh genug aber eben auch, um Stereotypien vorzubeugen. Denn von denen hat sie ihr zartes Schnäuzchen voll, und das hört man ihr auch abseits von Interviews an – mit wachsendem Entzücken.

Das geekige Psych-Folk-Girlie ist nach nur einem Album (‚Yours Truly, Cellophane Nose‘) weitestgehend Geschichte; auch die ihrigen Hooves Of Destiny sind aufgelöst – mitsamt der Kleidung. Heute muss helles Kunstfell reichen, mehr Überwurf als Mäntelchen. Es flauscht so fein – zwischen den Schenkeln und zwischen den Songs. Denn dass die ehemalige Kiedis-Flamme dennoch nicht sämtliche Brücken hinter sich abgerissen hat, zeigt ihr Pendeln zwischen forschen Brechern (The Pretty Reckless lassen grüßen) und den weichen, balladesken Knautschzonen dazwischen. Sie will eben doch noch schmusen – aber nur mit dem, der ihr auch die borstige Seite streichelt. Eek!

Die kehrt sie nur zu gern nach außen: in schrillen Schrammlern wie ‚Mr Hyde‘, provokanten Kanten wie ‚If You’re Legal‘ und höhnischer Hymnik à la ‚Young Entertainment‘ (‚What is it like / What is it like / to fuck your mistress with her hands tied?‘). ‚After The Show‘ und um ‚Four In The Morning‘ verteilt sie souliges Zuckerbrot in der Rolle der modernen Chansonnière.

So zelebriert Houghton im Intervall den Glam der Räudigkeit, bis schließlich Future-Islands-Sänger Samuel T. Herring auf den Plan tritt und ihr böse reingrätscht: ‚My Mind Is On My Mind‘ wird zum glänzenden Präzedenzfall im Songbombing, zwei Minuten bevor der Vorhang fällt und der letzte Nadelstich sitzt:

‚Isn’t it wild how we love to indulge in the sorry-ass show of illusion in order to save us from our social grave?‘

Ihre Stimme wäscht sich aus unter Streichern und Klavier, ihre Antworten aber hat sie gefunden. Sie heißt jetzt Du Blonde. Und das ist alles andere als eine Anschuldigung.

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