Michael Schenker

A Decade Of The Mad Axeman

  • Artist: Michael Schenker
  • Album: A Decade Of The Mad Axeman
  • Label: In-Akustik
  • Release: 2018-01-26
  • Medium:
  • Bewertung:0

Noch 2007 hätte wohl niemand mehr ernsthaft damit gerechnet, dass sich Michael Schenker noch einmal berappelt. Schenker veröffentlichte zwar teilweise bis zu drei Alben pro Jahr, allerdings fand eindeutig nur wenig Qualitätskontrolle statt, was zu einer Menge Jam-Platten mit Coversongs, Instrumentalscheiben, die nur Fragmente von Songs enthielten und offen gesagt meist recht durchschnittlichen Hardrockscheiben führte. Erst als 2008 „Mr. German Melodic Rock“ Michael Voss eine Zusammenarbeit mit Schenker einging und er einen Vertrag beim kleinen, aber qualitätsbewussten In-Akustik-Label unterschrieb, wendete sich Schenkers Blatt. Regelmäßiges Touren und gelungene Studioalben führten dazu, dass Schenker wieder als eine Größe im Hardrockzirkus wahrgenommen wurde und sich viel von seinem alten Ruf zurückerobern konnte. Da klingt es nicht unsinnig, dass sein altes Label (Schenker ist mittlerweile wieder bei Nuclear Blast unter Vertrag) eine Compilation veröffentlicht, die diese Comebackphase beleuchtet.

Die erste CD enthält Studioaufnahmen, die zweite Auszüge aus den in der entsprechenden Zeit veröffentlichten Livealben. Dabei überschneiden sich die Songs nicht – lediglich der UFO-Klassiker ‚Doctor Doctor‘ ist zweimal vertreten: einmal vom Download Festival in London mit Michael Voss als Sänger und Rudolf Schenker und Jeff Scott Soto als Gästen und einmal vom Michael Schenker Fest in Tokyo mit Gary Barden, Graham Bonnet und Robin McAuley am Mikro. Das ist aber auch die einzige Meckerei, die man anbringen kann. Denn die Zusammenstellung der beiden Discs gibt nicht nur einen guten Überblick über die letzten Jahre des Ausnahmegitarristen, sondern ist auch hörbar kompetent zusammengestellt. Beide Discs sind chronologisch geordnet, sodass vor allem auf CD 1 die musikalische Weiterentwicklung sehr gut nachvollziehbar ist. Los geht’s mit den von Deep Purple und Rainbow beeinflussten Songs auf „In The Midst Of Beauty“, für die Schenker und Voss Simon Phillips (Mike Oldfield, Toto, The Who), Neil Murray (Whitesnake, Black Sabbath, Brian May), Don Airey (Deep Purple, Rainbow, Gary Moore) und MSG-Originalsänger Gary Barden ins Studio holten. Diese Besetzung ist dann auch auf den ersten Songs der Live-Disc zu hören. Später gibt’s dann Aufnahmen der Temple Of Rock-Scheiben, zunächst noch mit massenweise Gästen wie Pete Way (ex-UFO), Robin McAuley und Michael Amott (Arch Enemy), später als feste Band mit der ehemaligen Scorpions-Rhythmusgruppe Francis Buchholz und Herman Rarebell sowie Sänger Dougie White, einem weiteren Ex-Rainbow-Mitglied. Disc 2 endet dann mit Aufnahmen des besagten Michael Schenker Fest – und somit in der Gegenwart. Die Highlights der Studioalben werden eigentlich ziemlich lückenlos abgedeckt – okay, das kultige William Shatner-Intro der ersten „Temple Of Rock“ fehlt mir persönlich schon, das könnte aber mehr mit meiner Nerdigkeit als dessen musikalischen Gehalt zu tun haben.

Für harte Fans ist die Scheibe freilich absolut sinnlos, die haben nämlich alles eh schon im Regal stehen. Auf Japan-Bonustracks, sonstige Raritäten oder gar komplett unveröffentlichtes Material hat man bei der Zusammenstellung nämlich verzichtet. Wer aber einen umfassenden Überblick über die Comebackphase des Sarstedters sucht, ohne gleich sämtliche Alben der Phase eintüten zu wollen, findet hier sein Rundum-Glücklich-Paket.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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