Happyness

Weird Little Birthday

Es gab mal so eine Zeit, da waren Collegefilme so etwas wie die Avengers für die jungen Teenies von heute. Damals fühlte man sich von den verpickelten Nerds mehr als verstanden, mittlerweile sind sie die Figuren im Schatten der wirklich mächtigen Superhelden. So ähnlich verhält es sich mit der Musik. Sind es heute die auf Hochglanz polierten und ausgetüftelten Elektro-Hooks und Synthies, die die elektrische Gitarrenmusik aufmotzen, gestaltete sich das Ganze früher ein wenig anders. Damals war das so ein Mix aus Shoegaze, Grunge, Britpop und Texten, die sich in den Tücken des alltäglichen Lebens sammelten. Ein kleiner eigener Kosmos, der kaum noch nennenswerte Erben findet. Tja, die 90er und frühen 00er sind schließlich auch vorbei.

Egal, denken sich Happyness. Drei Typen, denen Gitarre, Bass und Schlagzeug reichen. Die Lo-Fi Gesang über plätschernde Gitarren hauchen und dabei echt ‚weird‘ sind. Es braucht lediglich einen schrägen Albumtitel mit skurrilem Cover und kuriose Songtitel, die auf ‚Baby, Jesus (Jelly Boy)‘ oder ‚Regan’s Lost Weekend (Porno Queen)‘ hören. Dazu noch ein paar abgefahrene Lyrics und das Image ist perfekt.

‚The more I talk to you / the more I like my dog /and so I take him out and then you come round / no matter how you feel / you always look so ill / you ate my birthday cake‘.

Die drei Londoner schrammeln melodische Songs, die einem das lange Haar in die Augen fallen und den Kopf hin und her wiegen lassen. Mal verirrt sich ein Song dabei in fast neunminütigem Einheitsgezupfe (‚Weird Little Birthday Girl‘), dann wird das Ganze auch mal lauter und endet mit großer Punkatittüde (‚Anything I Do Is Alright‘, ‚Refrigerate Her‘). Die wirklichen Highlights verstecken sich aber wieder hinter den Popsongs mit so kurz und knackigen Titeln wie ‚Great Minds Think Alike, All Brains Taste The Same‘. Da gehen die ‚Uhuuus‘ im Refrain direkt ins Ohr und der Sorgenlosigkeit steht rein gar nichts mehr im Wege.

Zugegeben, Happyness sind nicht unbedingt der Garant für Abwechslung und ausgetüpfelte Gitarrenriffs, das scheint ihnen aber auch gehörig am Hintern vorbeizugehen. Mit einem Lächeln auf den Lippen pfeifen sie ihre siebzehn selbstproduzierten Songs (man ließ es sich nicht nehmen, noch vier Bonustracks obendrauf zu packen) und lassen sich nicht beirren. Happyness sind große Nerds. Aber wer braucht auch schon Superhelden?

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