Spandau Ballet

Through The Barricades (Remastered)

  • Artist: Spandau Ballet
  • Album: Through The Barricades (Remastered)
  • Label: Sony Music
  • Release: 2017-09-22
  • Medium:
  • Bewertung:0

Spandau Ballet waren Anfang der Achtziger mit der New Romantics-Bewegung nach oben gekommen und hatten sich nach ihren vom Synthiepop geprägten frühen Alben mit dem Millionenseller „True“ und den ausgekoppelten Singles, vor allem dem Titelsong und ‚Gold‘ und dem neuen, von Jazz und Northern Soul beinflussten Stil zu unerwarteten Teenieidolen entwickelt. Nach der Trennung vom alten Label Chrysalis und einem selbst von Kritikern und Spöttern positiv aufgenommenen Auftritt auf dem Live Aid Festival machte sich die Band bereit, mit ihrem fünften Studioalbum eine erwachsenere Richtung einzuschlagen. Das Ergebnis hieß „Through The Barricades“ und liegt nun in einer remasterten und erweiterten Version von Sonys Backkatalog-Abteilung Legacy vor.

Der Kern des Packages ist natürlich das Album an sich. Mit „Through The Barricades“ präsentierte sich die Band deutlich gitarrenorientierter, etwas, daß laut Gitarrist/Songschreiber Gary Kemp gar nicht so weit weggeholt war, wie man das damals empfand. Schließlich hatten die Bandmitglieder ihre Wurzeln in der Punk-Szene, und auch die ersten Songs waren noch von The Kinks und The Who beeinflusst gewesen. Nun, ein pures Rockalbum wurde „Through The Barricades“ natürlich nicht. Die rockigeren Gitarren auf Songs wie ‚Cross The Line‘ oder ‚Fight For Ourselves‘ ließen die tendenziell immer noch reinrassigen Soul-Pop-Songs allerdings für die damalige Zeit weit zeitgemäßer wirken als der glattgeschliffene Sound auf „True“. Wohlgemerkt, wir reden vom Jahr 1986 – das heißt, was damals zeitgemäß war, ist für viele heute der „schreckliche Achtziger-Sound“ mit elektronischen Drums, Backing-Sängerinnen, Saxophon und Rock-Gitarren, den man zum Beispiel Phil Collins so gerne vorwirft. Und wie im Falle des ehemaligen Genesis-Drummers haben auch Spandau Ballet schlicht das Talent für eingängige, launige und dennoch nicht doofe Popsongs zur Perfektion gemeistert. Zu den Laune machenden Popsongs wie den oben erwähnten Singles kommen mit ‚How Many Lies‘ und dem selbst entschiedenen Miesepetern gefallenden ‚Through The Barricades‘ noch zwei ebenso hochkarätige Balladen, die das Album perfekt abrunden.

Als Bonustracks gibt es einige Maxi- und Alternativversionen, die damals so im Umlauf waren – leider aber nicht die exzellenten Liveversionen von ‚Communication‘, ‚Virgin‘ und ‚With The Pride‘, die sich auf den Singles von ‚Through The Barricades‘, ‚How Many Lies‘ und ‚Cross The Line‘ befunden hatten. Dafür gibt es noch eine schöne, auf der Akustikgitarre gespielte und nur mit ein wenig Piano aufgehübschte Demo-Version des Titeltracks, gesungen von Gary Kemp selbst. Auch die Dokumentation „Through The Barricades Revisited/Remastered“ weiß zu gefallen, die Band zeigt sich hochsympathisch, witzig und gelegentlich auch durchaus selbstkritisch. Lediglich Sänger Tony Hadley, der die Band ja inzwischen verlassen hat, glänzt leider durch Abwesenheit, lediglich seine Stimme ist aus dem Off ein paar Mal zu hören. Durch zahlreiche Ausschnitte aus Privatvideos und zeitgenössischen TV-Sendungen wird man dafür allerdings durchaus entschädigt.

„Through The Barricades“ ist eines der essentiellsten Alben des Achtziger-Pop und hat mit dieser Wiederveröffentlichung eine durchaus angemessene Würdigung erfahren. Klar, man muß mit Achtziger-Pop klarkommen, um Gefallen an diesem Album zu finden, aber die Anti-Achtziger-Brigade wird das hier aber auch gar nicht erst lesen, geschweige denn über den Kauf eines Spandau Ballet-Albums nachdenken. Aufgrund des günstigen Anschaffungspreises lohnt sich die Deluxe-Ausgabe von „Through The Barricades“ auch durchaus für diejenigen, die das Originalalbum schon im Regal haben.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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