Massendefekt

Echos

  • Artist: Massendefekt
  • Album: Echos
  • Label: MD Records
  • Release: 2016-02-26
  • Medium:
  • Bewertung:3-

Die Rheinländer sind vor allem für ihre Geselligkeit und Gemütlichkeit bekannt. Hört man sich die Songs von Massendefekt an, scheint sich dieses Klischee zu bestätigen. Leider erhofft man sich von einer Rockband eher andere Eigenschaften, wie Dynamik, Angepisstheit oder Härte. Schon der Opener der Platte, ‚Mauern‘, nimmt nicht wirklich Fahrt auf. Ja, es ist Rock, ja, der Text ist sozialkritisch…das ist jedoch nun mal nicht alles, was einen guten Song ausmacht. Solide und unaufgeregt rocken sich die Reihnländer durch den Versuch einer Hymne. Besagt Mauern einreißen will man danach jedoch nicht.

Wie soll man nun das Rad der deutschen Rockmusik neu erfinden? Eine Frage, die in den vergangenen Jahren keine Band wirklich beantworten konnte. Muss man auch nicht. Dennoch fehlt es den Songs auf ‚Echos‘ an jeglicher Überraschung. Es sind rockige Popsongs und nicht der selbst angekündigte ‚Punk & Roll‘, den sich Massendefekt auf die Fahnen geschrieben hat. Keiner der Jungs fällt auch nur irgendwann aus seiner Rolle. Es entsteht der Eindruck, dass sie es nicht schaffen, die Handbremse vollständig zu lösen-. Genau darum geht es in der Rockmusik jedoch. Sänger und Gitarrist Sebastian Beyer klingt in den Strophen beinahe gelangweilt, dabei schimmern in seinen Zeilen Wut, Emotionen und manchmal eine Prise Ironie durch. Eigentlich drei Gründe, um das Kreuzfahrtschiff zu verlasen und auf ein Speedboot zu wechseln. Massendefekt bleiben jedoch auf ihren All-inclusive-Sonnenbänken liegen, statt den Wellenbrecher zu spielen, der sie durchaus sein könnten. In ‚Neue Helden‘ kommt das Potenzial zum ‚Ausrasten‘ durch. Hier haben wir unsere Hymne. Der Song reißt mit, hat eine unschlagbare Hook-Line (‚Lasst die Fahnen endlich fallen, weil die alten nichts mehr wert sind / Wir müssen weiter‘) und nimmt endlich zuvor schmerzlich vermisste Fahrt auf.

Insgesamt kommt ‚Echos‘ leider etwas zu glattgebügelt daher. Der ‚Punk & Roll‘ wirkt dann doch sehr poppig, was durch einen zu kontrollierten Instrumental-Part und dem unaufgeregten Gesang noch verstärkt wird. Das die Rheinländer das Zeug zu guten Deutsch-Rock mit dem Herz am richtigen Fleck haben schimmert immer mal wieder aus. Bitte mehr davon!

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