The Temper Trap

Thick As Thieves

Vermutlich werden Fans von The Temper Trap im Juni immer etwas hibbelig. Denn jedes ihrer Alben hat die Band bisher in diesem frühsommerlichen Monat veröffentlicht. Zuletzt war das ihr selbstbetitelter Zweitling im Jahre 2012, und in diesem Jahr kommt das lang angekündigte Drittwerk ‚Thick As Thieves‘ dazu. Treu zeigen sich mindestens ihre Anhänger in Australien, wo die heute in England lebenden Musiker sich einst zusammengefunden haben, und hievten die Platte glatt wieder auf Platz eins der dortigen Charts.

Wie verdient das ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. In den guten alten Zeiten ihres Debüts ‚Conditions‘ zeichnete The Temper Trap eine Passion für ergreifende Melodien aus, ohne in ein oberflächliches Feel good-Level abzugleiten. Bei allem Pathos schaffte es die Band um den geübten Straßenmusiker Dougy Mandagi, dass man sie ernst nahm – was auch den durchschlagenden Erfolg ihres Erstlings erklärte.

Auf ihrem neusten Album nun wird diese wohlwollende bis bewundernde Haltung arg strapaziert. Die gemeinsamen Gigs mit Coldplay mögen einen gewissen Einfluss ausgeübt haben, wenn ‚Thick As Thieves‘ nun stark in Richtung Stadionrock geht. The Temper Trap bedienen damit einen zweifelhaften Trend, der Tiefe durch Pomp und große Gesten ersetzt. Sie versuchen sich an üppigen Arrangements, in denen leichtfüßige Disco-Beats und ein Übermaß an Hall die Charakteristik aus Mandagis Stimme verdrängt. Auch eine sympathische Rhythmusgitarre, die bei den frühen U2 in der Lehre war, kann etwa das grausige ‚Lost‘ nicht retten, dass als Hymnen-Anwärter für die Fußball-EM ein bisschen spät dran ist (

‚Nothing iiin the world can teeeeear us apart.‘

Schüttel.) Ähnlich aufdringlich geht es sowohl in den Kompositionen wie auch den Texten weiter:

‚Raise your voice, ‚cause the time is now or never‘

(‚Fall Together‘) oder

‚It feels so good, so good to be alive‘

(‚Alive‘).

Womöglich haben die Auszeichnungen, mit denen The Temper Trap für ihre ersten beiden Alben vor allem in Australien überhäuft wurden, verderblich gewirkt. Womöglich ließen drei Jahre Schreib- und Aufnahmezeit zu viel Raum, um die Songs mit immer mehr Sound-Elementen auszustatten. (Wer in dieser Zeit wiederum verlorenging, war Gitarrist und Gründungsmitglied Lorenzo Sillitto.) Womöglich haben mit den namhaften Co-Songschreibern, die die Band erstmals für ein Album hinzuzog – Justin Parker (Lana Del Rey, Bat For Lashes), Ben Allen (Animal Collective, Deerhunter) -, zu viele Köche im Brei rumgerührt. Jedenfalls lässt vom titelgebenden Opener an eine überladene Soundwand den Hörer einfach nicht zum Kern der Songs vordringen und hält ihn mit aller Kraft weit von sich weg an der Oberfläche.

Wie ein plötzliches Erwachen vollzieht das Album im letzten Drittel dann einen Bruch. Mit ‚Summer’s Almost Gone‘ wird der Bombast und mit ihm dankbarerweise der Hall zurückgeschraubt, kommt Mandagis Stimme endlich mehr (wenn auch nicht voll) zur Geltung und kann man sich endlich mal auf ein Stück einlassen. Sogar ein bisschen träumen darf der Hörer nun, etwa mit dem Dream Pop-orientierten ‚Tombstone‘. Die letzten Songs des Albums wurden mit wesentlich interessanteren Beats und sorgsameren Arrangements bedacht.

Als richtig guter Indie-Rock können dann aber doch erst die drei Bonustracks mit ihren großartigen Melodielinien ausgezeichnet werden. Wer das Wagnis also eingehen und sich ‚Thick As Thieves‘ zulegen will, dem sei dringend der Kauf der Deluxe-Edition empfohlen.

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