SPORTFREUNDE STILLER – „Die waren überaus überrascht, als sie erfuhren: Sportfreunde are back!“

Die Sportfreunde Stiller waren einige Jahre verschwunden. Keiner wusste so richtig, ob es das war, oder ob die Jungs noch einmal wieder auftauchen – sie selbst auch lange nicht. Drei Jahre Funkstille,  bevor man sich wieder zusammenraufte, und die gemeinsame Liebe zur Musik und zur Band wieder entdeckte. Die neue Platte „Jeder nur ein X“ ist seit einigen Tagen draußen, eine erfolgreiche Tournee gespielt, nun geht der Blick nach vorne. Whiskey-Soda hatte die Gelegenheit, mit Schlagzeuger Florian „Flo“ Weber in den Austausch über die letzten Jahre und die Zukunft zu gehen.

Hallo liebe Sportfreunde, schön, dass Ihr wieder da seid! Ich war bei Eurem Konzert in Dortmund und war überrascht von dem sehr durchmischten Publikum (von 6 bis 60 war alles dabei). Hat sich das Publikum aus Eurer Sicht in der langen Pause verändert – und wie habt Ihr die Konzerte nach der Auszeit erlebt?

Riesige Euphorie ist zu spüren. Beim Publikum und bei uns. Man spürte die lange Pause der Pandemie und unsere Abstinenz. Das Alter betreffend hatten wir immer schon eine gute Spannweite. Jetzt sind gefühlt drei Generationen im Publikum. Das fühlt sich gut an, wenn die Weisen und die jungen Wilden zum gemeinsamen Tanz ansetzen.  

Ihr habt Euch in den letzten 25 Jahren von den kleinsten Clubs in die ganz großen Hallen und auf die größten Festivalbühnen durchgespielt. Die „Tour des Monats“ ging dann wieder durch eher kleine Venues. Wie war es, wieder ein wenig „back to basic“ zu gehen?

Wir wussten nach der langen Pause nicht genau, wo wir stehen, und wie wir als Band noch wahrgenommen werden. Deswegen waren wir erstmal vorsichtig, was sich ausgezahlt hat. Die Konzerte waren ausverkauft, es war eine warme, freundschaftliche, intensive Stimmung. Zudem erfahren wir von anderen Bands, dass die zu erwartenden Standards vor der Pandemie nicht mehr gelten. Das hat mit der Vorsichtigkeit des Publikums ebenso zu tun, wie mit dem Fachkräftemangel. Selbst in unseren Hoch-Zeiten spielten wir immer gerne kleine Venues zwischendrin. Da ist man logischerweise dem Publikum am nächsten. Herrlich!

Sechs Jahre kein Album, die Pause und die notwendige Auszeit habt Ihr in zahlreichen Interviews ja bereits thematisiert. Was wäre denn mit Euch als Personen passiert, wenn Ihr zu dem Entschluss gekommen wäret: Das war´s! Hättet Ihr weiter alleine Musik gemacht oder Euch andere, „bürgerliche“ Berufe vorstellen können?

Ich kann nur für mich sprechen: Ich habe so oder so Musikprojekte wie TASKETE! oder MS FLINTE ins Leben gerufen, sowie meinen dritten Roman geschrieben. Ich hatte Ausstellungen mit meinen Bildern. Die Kunst wäre mir geblieben. Das auf alle Fälle. 

Wie muss man sich die Jahre Pause vorstellen – wirklich absolute Funkstille, vielleicht doch mal ein Bier zusammen oder zumindest eine Geburtstags-WhatsApp? Immerhin habt Ihr eine Art Firma, aus der sich vermutlich verschiedene geschäftliche Verpflichtungen ergeben?

Wir haben uns in drei Jahren dreimal getroffen. Die geschäftlichen Belange haben wir mit unserem Manager Marc Liebscher per Mail getätigt. Wir waren im Austausch, aber nicht im kreativen Miteinander. Jeder hatte seine Prioritäten, und dabei haben wir erkannt, wie wichtig die Sportfreunde für uns und für das Publikum sind.

Euer Comeback habt Ihr ankündigen lassen, zahlreiche prominente Menschen haben unter dem Motto „Sportfreunde Stiller, gibt es die eigentlich noch?“ Kurz-Videos über ihre Social-Media-Accounts veröffentlicht. Wie ist die Idee entstanden und wie seid Ihr an all die Menschen gekommen?

Das waren alles alte Bekannte, die überaus überrascht waren, als sie erfuhren: Sportfreunde are back! 

Eure Musik hat sich in den Jahrzehnten sehr gewandelt, vom eher schrummeligen Gitarren-Rock zum deutlich melodischeren, oftmals elektronisch verstärkten Pop-Rock. Auf dem neuen Album „Jeder nur ein X“ ist meiner Ansicht nach eine sehr bunte Mischung aus beiden Welten zu finden. Welche Musikrichtung liegt Euch näher? 

Wir haben auf Album Nummer 1 so verrückt und experimentell geklungen wie auf Album Nummer 8. Früher ein wenig ungestümer und wilder, mittlerweile ein wenig elaborierter. Eine Entwicklung, die mit den jeweiligen Lebenslagen der Musiker zu tun hat. Uns lag zu jeder Zeit jede Sportfreunde-Musik sehr sehr nah. Außer in der langen Pause. 

Gibt es Songs aus der Vergangenheit, die Euch heute peinlich sind, oder auf die Ihr keine Lust mehr habt?

Logisch! Lieder, die nie das Licht der Bühne erblickt haben. Lieder, die man so nicht mehr erzählen würde – jenseits jeglicher Peinlichkeit, denn wir gönnen jedem Lied seine Berechtigung. Für eine langjährige Begleitung reicht es dann nicht. 

Mit dem Song „Wächter“ sprecht Ihr über ein Thema, das aktuell durch prominente Betroffene wie Kurt Krömer in den Fokus gerückt ist. Leider ist die Krankheit immer noch oftmals ein Tabu. Ich habe in meinem Hauptjob (Lehrer am Berufskolleg, u.a. mit dem Fach Psychiatrie, einige meiner Schüler*innen arbeiten im psychiatrischen Bereich) Euren Song thematisiert. Insbesondere die Zeilen „Wir begleiten Dich von Nacht zu Tag“ und „Gehen musst Du selbst“ haben großes Kopfnicken ausgelöst. Wie schwer (oder leicht) fiel Euch die Auseinandersetzung mit dem Thema und das Verfassen dieses Textes?

Ursprünglich waren die ersten vier Textzeilen tröstende SMS-Zeilen für einen betroffenen Freund. Daraus entstand dann das Lied, welches wir von Anfang an als sehr intensiv und tief empfanden. Wir erhalten so viel Zuspruch und Dank für dieses Lied, was uns zum einen zeigt, offenbar sprechen wir Betroffenen aus der Seele, aber leider auch: Es gibt mehr Betroffene, als man glauben mag. Und deswegen muss das Thema viel öffentlicher und ohne Scham besprochen werden. 

Eine Tour für das Frühjahr ist angekündigt, wie sehen die weiteren Pläne aus?

Wir sind im April in der Schweiz auf Tour und im Mai in Deutschland. Im Sommer gibt’s wieder ein dickes Bündel voll Festivals. Eventuell hätten wir im Herbst nochmal Bock auf X-Tour zu gehen. Dann mal sehen – eine lange Pause ist auf alle Fälle nicht geplant!

Jeder nur eine X Tour 2023

20.4.2023 Zürich Kaufleuten

21.4.2023 Bern Bierhübeli    

22.4.2023 Basel Volkshaus

04.5.2023 Nürnberg Löwensaal

05.5.2023 Offenbach Capitol

06.5.2023 Köln E-Werk    

08.5.2023 Hamburg edel-optics.de Arena

09.5.2023 Berlin Columbiahalle

10.5.2023 Leipzig Haus Auensee

12.5.2023 Bielefeld Lokschuppen

13.5.2023 Magdeburg AMO Kulturhaus  

14.5.2023 Stuttgart Im Wizemann

29.6.2023 Wien Arena Open Air

30.6.2023 München Tollwood

 

Tickets gibt es hier

 

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Fotocredit: Universal Music außer Live-Bild (3): Wollo@Whiskey-Soda

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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