Robert Reed

Theme From Doctor Who

  • Artist: Robert Reed
  • Album: Theme From Doctor Who
  • Label: Just For Kicks / Tigermoth
  • Release: 2018-03-03
  • Medium:
  • Bewertung:0

Progfans können extrem seltsame Typen sein. Es gibt da Personen, die Marillion wegen einer Sequenz in einem 36 Jahre alten, seit 35 Jahren nicht mehr gespielten Song nach wie vor als Genesis-Klon abtun, aber Magenta-Boss Robert Reeds „Sanctuary“-Alben feiern, die nun tatsächlich und mit voller Absicht von Komposition über Performance bis zur Produktion pure Mike Oldfield-Klone sind. Manche gehen dabei gar soweit, die Kopie über’s Original zu stellen… ja, auch wenn Oldfield zugegebenerweise seit 1992 kein volles Album mehr herausgebracht hat, das sich mit seinen Klassikern der ersten zwanzig Jahren messen kann, würde diese Einschätzung wohl auch besagter Robert Reed selbst wundern.

Mit der vorliegenden EP macht Reed nun also Appetit auf „Sanctuary III“ und stellt gleichzeitig seine Mitstreiter Tom Newman und Les Penning (beide auch ehemalige Oldfield-Sidekicks) vor. Jeweils zwei Solotracks der Drei sind hier vertreten, und als Aufhänger die gemeinsame Coverversion des Titelthemas der britischen SciFi-Kultshow Doctor Who – natürlich im Oldfield-Stil. Sozusagen ein Mini-„Ummagumma“ ohne Livetracks. Der Titeltrack ist natürlich in vielerlei Hinsicht perfekt für solch ein Vorhaben geeignet. Das Original, komponiert von Ron Grainer und umgesetzt von Delia Darbyshire, gilt nämlich als einer der wichtigsten Impulsgeber der elektronischen Musik und ist aufgrund der Langlebigkeit der Serie (seit 1963 bereist der Doctor bereits das Universum) eben auch lupenreines britisches Kulturgut. Und derzeit im UK in aller Munde, weil mit Jodie Whittaker erstmals eine Frau eine Inkarnation des Titelhelden darstellt. Rob, Tom und Les halten sich klar an die tonale Struktur und das Arrangement, verzieren aber alles mit typischen Oldfield-Sounds: das Bhodhran, die typische Gitarre, Vocoder-Sounds, Les‘ Flöte, Glockenspiel – ganz ähnlich zu Oldfields eigenem Arrangement der Titelmusik von Blue Peter, einer ähnlich langlebigen und kultigen UK-Kinderserie, die sogar einige Personalüberschneidungen mit Doctor Who hatte und immer wieder Behind-The-Scenes-Berichte über die Serie zeigte. Der ‚Tom Newman Happy Mix‘ klingt etwas kraftvoller und kommt mit Sprachsamples, während Reeds eigener ‚BBC Mix‘ folkiger und zurückhaltender klingt – ziemlich cool sind sie alle beide.

Die – fast alle bereits veröffentlichten – Solotracks sind hingegen nicht viel mehr als eine nette Dreingabe. Am Interessantesten dürfte Reeds ‚Indigo‘ sein, ein Preview aufs in den Tagen erscheinende „Sanctuary III“, das zwar immer noch klar nach Oldfield klingt, aber sich nicht mehr unbedingt an spezifische Kompositionen anlehnt, sondern mit eigenständigerer Melodieführung und mehr von Reeds „üblichem“ musikalischen Stil punkten kann. Das lässt wirklich erwartungsvoll auf das Album warten. Der zweite unveröffentlichte Song, Tom Newmans ‚Happy Chickens‘ ist ein kurzes, folkiges und wohl lustig gemeintes Akustikgitarren-Stück mit Bauernhof-Geräuschkulisse, „Dideldam“-Gesang und gepfiffener Melodie, die mich zumindest etwas an den ollen Flipper erinnert. Na, da nehme ich doch lieber weiter den Doctor und seine TARDIS.

Prog- und Oldfield-affine Doctor Who-Fans dürften sich also über diese EP ziemlich freuen – nur die Tatsache, daß man für recht wenig Unveröffentlichtes in einer schnöden Stecktasche ohne viel Info gleich ’nen Zehner lockermachen muss, stößt ein wenig sauer auf. Immerhin spart man sich eine Menge UK-Porto, wenn man die EP bei den Nordlichtern von Just For Kicks bestellt – was der Zielgruppe hiermit ausdrücklich empfohlen sei. Den ersten Schwung CDs hat Reed nämlich gleich noch perönlich signiert.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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