John Mellencamp

Plain Spoken – Live From The Chicago Theatre

  • Artist: John Mellencamp
  • Album: Plain Spoken – Live From The Chicago Theatre
  • Label: Universal
  • Release: 2018-05-11
  • Medium:
  • Bewertung:2

Wenn man die Ankündigung für diese Live-DVD von John Mellencamp las, konnte man eigentlich etwas Anderes erwarten als das nun vorliegende Endprodukt. Angekündigt wurde ein Film, der Konzertausschnitte mit Biografischem verbindet – was man bekommt, ist aber schlicht ein geradliniger Livemitschnitt mit zuschaltbarem Audiokommentar, in dem Mellencamp seine Karriere Revue passieren lässt.

Da es von Mellencamp aber bislang noch keine offiziellen Live-DVDs gibt, ist natürlich auch das Dargebotene willkommen. In knapp 75 Minuten (eine für Mellencamp leider absolut übliche Konzertlänge) gibt’s Highlights aus den letzten drei Alben gemischt mit Hits der Jahre 1984-1989. Aus den Jahren dazwischen gibt’s nur die ‚Overture‘ und ‚The Full Catastrophe‘ von „Mr. Happy-go-Lucky“, tolle Alben wie „Dance Naked“, „Whenever We Wanted“ oder das Selbstbetitelte von 2000 werden komplett ausgespart, ebenso wie jegliche vor „Uh-Huh“ entstandenen Songs. Auf ‚Jack & Diane‘, ‚Hurts So Good‘, ‚Your Life Is Now‘, ‚What If I Came Knocking‘ und ‚I Need A Lover‘ wartet man also vergeblich. Die passen aber auch nicht mehr unbedingt zu Mellencamps letzter Neuerfindung als Folk-Sänger. Der Rock-Aspekt tritt auch bei den Neuarrangements der gespielten „alten“ Stücke oft deutlich in den Hintergrund. ‚Paper In Fire‘ wird beispielsweise in ein getrageneres Semi-Akustik-Gewand gekleidet und darf erst in der zweiten Hälfte losrocken, auch ‚Minutes To Memories‘ oder ‚Small Town‘ klingen trotz elektrischer Gitarren und dem gewohnt feinen Spiel von Langzeit-Begleiter Mike Wanchic eher nach gesetztem Akustik-Rock als nach dem zupackenden „Little Bastard“ der früheren Jahre. Tatsächlich wirken die ruhigeren Stücke hier generell authentischer als die etwas mit angezogener Handbremse präsentierten Rocker – wohl ein weiterer Grund, warum die oben erwähnten Fan-Faves nicht im Set stehen. Ja, wenn in ‚Authority Song‘ und ‚Pink Houses‘ denn tatsächlich mal die Rock’n’Roll-Wutz von der Leine gelassen wird, wirkt das fast schon wie ein Fremdkörper.

Hat man sich aber erst einmal von der Erwartung, Mellencamp unbedingt als Rockmusiker zu erleben, gelöst, macht die Livescheibe natürlich jede Menge Spaß. Der Maestro verfügt nach wie vor über viel Bühnencharisma, und auch gesanglich gibt er sich keine Blöße – das raue Organ klingt im Alter sogar noch cooler als zuvor. Die Songs sind natürlich auch alle über jeden Zweifel erhaben, und ein Gastauftritt von Carlene Carter ist auch immer gerne gesehen und gehört. Natürlich, irgendwie sehnt man sich nach dem „früheren“ Mellencamp, aber, wie der Meister selbst vor ‚Cherry Bomb‘ sagt: „The only trouble with old times is you’ve got to be old to talk about them!“ Mellencamp-Fans und generelle Freunde rootsiger Americana greifen hier also natürlich ohne Risiko oder Nachdenken zu. Neueinsteiger und Gelegenheitsfans werden aufgrund der trocken-sparsamen Arrangements der Hits (und dem Fehlen vieler solcher) mit einer Best-Of-Scheibe wohl glücklicher sein.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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